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Konrad Klose, Geschichte der Stadt Lüben, Verlag Kühn Lüben, 1924, S. 58/59
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war sie von Hussiten eingeäschert, dann notdürftig wieder
hergerichtet, und endlich nicht mehr als Kapelle sondern als Kirche
zu Allerheiligen neuerbaut worden. Ihre Altäre waren natur-
gemäß reich mit Legaten für Seelenmessen und Anniversarien
dotiert. Außer dem Hochaltar221) besaß die Kirche einen Aller-
heiligenaltar222), einen Altar223) zu Ehren des Johannes Evange-
list, Laurentius, Barbara, Margaretha, Katharina und einen
Altar224) aller Apostel, der 10 000 Ritter, der 11 000 Jungfrauen,
der hl. Hedwig und Aller Heiligen. Zur Dotation der Kirche ge-
hörte unter anderem auch ein Haus, das vermutlich den Altar-
herren zur Wohnung diente225).
Im Jahre 1400 errichtete der Schloßpfarrer Nicolaus Cromer
aus eigenen Mitteln und der Beisteuer frommer Leute ein "Seel-
haus" für arme Jungfrauen und Witwen226). Die Verwaltung
des am Glockenturme gelegenen Hauses sollte in den Händen des

221 Für den Hochaltar waren bestimmt Stiftungen vom 21.4.1447
(Rep. 3 L.B.W. Nr. 880), vom 22.5.1451 (ebenda 883), vom 17.3.1452
(ebenda Nr. 884), vom 4.11.1460 (ebenda Nr. 885).
222 Für den Allerheiligenaltar waren folgende Stiftungen vorhanden:
22.11.1426 (L.B.W. Nr. 876 und 877), 4.2.1440 (ebenda Nr. 878),
27.4.1487 (ebenda Nr. 886).
223 Am 26.2.1440 bitten Bürgermeister und Ratmanne in Lüben
den Bischof Konrad, die verschiedenen Aussetzungen zur Errichtung
eines neuen Altars (zu St. Johannes Evangelist etc.) in der Allerheiligen-
kapelle vor Lüben zu vereinigen und zur Stiftung des genannten Altars
zu verwenden. Rep. 3 L.B.W. 879. - Am 5.3.1440 bestätigt Bischof
Konrad 5 Mark jährlichen Zins, sol Marcus Reynoldus von seinem Erb-
teil in der Altmühl zu Lüben zum Altar des hl. Johannes in der Aller-
heiligenkapelle testamentarisch legiert hat. In der oben erwähnten
Consignation S. 6 Nr. 22. Ebenso im Inkorporationsbuche des Bischofs
Konrad im Diösesanarchiv II 6.1. Dabei wurde gleichzeitig der Priester
Michael Kösser als erster Altarist des neuen Altars investiert. Er hatte
stiftungsgemäß wöchentlich zwei Messen für die Verstorbenen und die
Stifter zu lesen.
224 13.12.1447 (Rep. 3 L.B.W. Nr. 881) erbittet der Rat die
bischöfliche Konfirmation einer Stiftung der Witwe Margarethe Menzel
zur Errichtung des oben genannten Altars. Auch andere haben dazu
beigetragen; der Rat soll das Patronat über den Altar haben. -
Bischöfliche Bestätigung vom 24.1.1448 (ebenda 882; Cosignation wie
oben S. 3 Nr. 6). Weitere Zuwendungen zum Altar: 26.4.1499 (L.
B.W. Nr. 887); 29.1.1501 (ebenda 888); 21.6.1504 (889); 15.3.1510 (890).
225 Consignation a.a.O. S. 9 Nr. 35 vom Jahre 1450, vielleicht
identisch mit L.B.W. 884. 17.3.1452. Für die Kirche im Allgemeinen
war eine Meißstiftung vom 20.7.1472 bestimmt. Consignation a.a.O.
S. 4 Nr. 12. Zinsverschreibung vom 18.2.1508 L.B.W. 890, wohl
identisch mit Consignation S. 12 Nr. 4. - dto 11.1.1510 L.B.W. 899.
226 L.B.W. 930. 3.7.1400. Die Seelweiber (Beguinen) bekannten
sich zum III. Orden des hl. Franziskus, übernahmen das Gelübde der
Armut und Keuschheit und schlossen sich zur Beobachtung eines zurück-
gezogenen gottseligen Wandels zusammen, ohne sich jedoch dem Kloster-
zwang zu unterwerfen. Sie widmeten sich der Armen- und Kranken-
pflege. Als das Konzil zu Kostnitz ihre Regel verbot, begannen sie
allmählich zu verschwinden.
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Rats liegen, der dafür von den Bewohnern des Hauses jährlich
6 Groschen erhalten, aber seinerseits Mark Zins an die Pfarr-
kirche entrichten soll. Die Vermutung liegt nahe, daß auf diese
Weise das eingegangene Maria-Magdalenen-Kloster in anderer
Form wieder aufleben sollte227). 1405 wird noch einmal das
steinerne (also inzwischen massiv erbaute) Seelhaus am Glocken-
turme erwähnt228); von da ab verschwindet es aus den Urkunden.
In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts erfolgte der Umbau
der Stadtpfarrkirche. Er zog sich vermutlich durch mehrere Jahr-
zehnte hin. Ob die im Jahre 1446 ausgeführten Bauten229) be-
reits mit dem umfangreichen Erweiterungsbau in Verbindung
gestanden haben, läßt sich nicht mehr entscheiden. Sicher datiert
ist die Herstellung der großen Halle durch die dort befindliche
Inschrift: "Anno domini 1464 ostium hoc factum opere isto N.
Hoferichter", das Gestühl am Eingang in die Sakristei durch die
eingeschnitzte Jahreszahl 1496, und die inzwischen umgegossene
kleine Glocke, welche die Umschrift trug: "Osanna heiß ich, Meister
George mit dem Bart goß mich Anno D. 1492 Dies Mariae". Die
mittlere Glocke war im Jahre 1451 gegossen worden und trug
neben der Jahreszahl in einer kranzförmigen Inschrift zwölf
Namen von Aposteln und Märtyrern, deren Schutz die Stadt und
das umliegende Land befohlen ward. Die kleine Glocke wurde
1851 umgegossen, ohne daß die Inschrift vorher festgestellt wurde,
die beiden andern wurden 1878 erneuert. Alle andern Daten für die
Herstellung dieses oder jenes Teils der Kirche und ihrer inneren
Einrichtung sind bei dem Mangel an Quellen nicht auf ihre Rich-
tigkeit zu kontrollieren230). Die Seitenkapellen am nördlichen
Kirchenschiff wurden gegen Ende des XV. Jahrhunderts angebaut.
Über den Wert des ganzen Baus gehen die Urteile sehr aus-
einander. Der Verfasser des Aufsatzes in der "Silesia" über
"Die Kirchen in Lüben"231), der jedenfalls kein Sachverständiger
ist, schreibt: "Der Kirchenbau zeigt den Spitzbogenstil von perio-

227 In der Consignation S. 14 Nr. 22 werden 5 nicht näher be-
zeichnete Schöppenbriefe über gewisse Zinsen zum Seelhaus und dem
zugehörigen Spital erwähnt; der älteste von 1349 auf Mark Zins zu
einer Lampe im Spital. Damals bestand das Magdalenenkloster, während
das Seelhaus erst 1400 begründet ward.
228 L.B.W. 931. 15.3.1465 Zinsverschreibung für die armen
Leute im Seelhause zu ihrem "Fawerwerg" (Feuerung) und gemeiner
Notdurft.
229 Kirchenrechnung von 1446.
230 In der Handschrift des Dr. Matthaeus (Altstädter Pfarrakten III)
wird behauptet, 1460 sei das Mittelschiff erhöht, 1469 seien die Pfarr-
stühle, 1492 sei der Altar mit dem Marienbild in Lebensgröße errichtet
worden. Nach der handschriftlichen Chronik von Heinrich soll das mitt-
lere Gewölbe 1463 erhöht worden sein; die Verschönerungen im Innern
sollen in der Zeit von 1486-1493 erfolgt sein.
231 Silesia Bd. I 1841 Seite 189 ff.