Zum Gesamtüberblick Zur vorigen Seite Zur nächsten Seite Zur letzten Seite (Inhalts- und Abbildungsverzeichnis)
Konrad Klose, Geschichte der Stadt Lüben, Verlag Kühn Lüben, 1924, S. 490/491
- 490 -

7. Sebastian Schubart907), in Kulmbach in Franken
1498 als armer Leute Kind geboren, trat er früh in den Mino-
ritenorden, weilte in den Klöstern zu Neustadt a. Aisch, Bamberg,
Bautzen und kam 1520 nach Liegnitz, wo er dem in Verfall gerate-
nen grauen Kloster bei St. Johannis zu neuer Blüte verhalf.
Er wurde Anhänger Luthers, predigte in seinem Sinne in der
Johanniskirche und reichte hier das Abendmahl unter beiderlei
Gestalt. Infolge der Schwenckfeldischen Wirren nahm er 1524
die Pfarrstelle in Rüstern an, die er 1536 mit der zu Frankenstein
vertauschte. Im Jahre 1551 berief ihn der Liegnitzer Magistrat
in das Pfarramt an St. Marien, er gab es aber schon im folgen-
den Jahre wieder auf und folgte 1553 einem Rufe nach Steinau,
wo er aber auch nur bis 1555 blieb. Wahrscheinlich übernahm er
die Pfarrstelle in Adelsdorf. Auch hier war wohl seines Bleibens
nicht lange. An welchen Orten er weiterhin gewirkt hat, ist nicht
mehr festzustellen; jedenfalls war er 1571-73 Pastor in Groß-
Rinnersdorf. Von dort kam er als 75jähriger Greis nach Lüben.
Hier soll er den Schwenckfeldern großen Abbruch getan haben.
Er starb am 20. April 1580 im Alter von 82 Jahren nach mehr
als 50jähriger wechselvoller Tätigkeit.

8. Adam Thilo908), in Liegnitz als Sohn des Gregorius
Thilo 1542 geboren, auf der Goldberger Schule unter Trotzendorf
vorgebildet, studierte er in Frankfurt und Wittenberg. Nach
einer Reise nach Italien wurde er Hauslehrer in verschiedenen
adligen Häusern; dabei sammelte er manchen Band für seine
Bibliothek, besonders verschiedene Bibelübersetzungen. Ende 1567
oder Anfang 1568 wurde er Archidiakonus in Lüben und über-
nahm 1580 das Pfarramt. "Zu Lüben hat er zwey Sterben
(Pestzeiten) außgestanden; vnd do ihm gleich in seiner schwach-
heit das Predigen sehr schwer worden, hat er dennoch seiner nicht
geschonet." Einen zweimaligen Ruf nach Glogau lehnte er in-
folge der dringenden Bitten der Gemeindeglieder ab, nahm aber
1592 das ihm angebotene Pfarramt in Freystadt an. Hier starb
er am 14. April 1595 nach langen, mit großer Geduld getragenen
Leiden. Er war unverheiratet. Nach dem Zeugnisse Vechners
war Thilo ein Mann, der die Arbeit nicht scheute, zurückgezogen,
mäßig und nüchtern lebte und in Predigt und Seelsorge die
Wahrheit mit Ernst und Entschiedenheit vertrat. Deshalb blieb
ihm Haß und Undank nicht erspart.

907 Nach Ehrhardt, der die Leichenpredigt Adam Thilos benutzt hat,
und Kluge a. a. O. Schubarts Adelsdorfer Aufenthalt wird bestätigt
durch seine Anwesenheit als Zeuge am 23.2.1557 anläßlich einer Ver-
tragsschließung zwischen dem Pfarrer von Steudnitz und dem Liegnitzer
Superintendenten. Staatsarchiv, Jauersche Manuskripte XIII 901.
908 Nach Ehrhardt a. a. O. und Vechner "Christl. Leichpredigt bey
der Begrebnüß des etc. Adam Thilonis" über Matth. 24, 45-47. Lieg-
nitz 1595 in der Breslauer Stadtbibliothek. Seine Immatrikulation ist
weder in Frankfurt noch in Wittenberg nachzuweisen.
- 491 -

9. Michael Agricola wird bei seiner Ordination in
Wittenberg am 17. November 1559 als Glogoviensis bezeichnet.
Seine Heimat war wohl Ober-Glogau, wo er 1561-92 als Pastor
wirkte. Im Jahre 1592 kam er als Pastor nach Lüben, starb aber
bereits Ende 1594. Seiner Ehe mit Esther Keßler entsprossen
die beiden Söhne Melchior und Michael. Über ersteren cf. Kap.
XVII. II. 8, über letzteren das Verzeichnis der Lehrer.

10. Nicolaus Bockshammer909) wurde in Lobendau
am 22. Mai 1563 als Sohn des Pastors Stephan Bockshammer
geboren, studierte vom Winter 1583 ab in Frankfurt, wurde am
12. April 1588 Diakonus, am 23. November 1594 Pastor in Lüben,
ging aber am 4. Februar 1599 "bei überhandnehmenden Cal-
vinismo" in die Verbannung und folgte am 1. Februar 1601
einem Rufe als Pastor und Senior nach Prausnitz. Hier starb
er 1617.

11. Georg Steinbach aus Jauer, 1579 in Leipzig
immatrikuliert. Nähere Nachrichten über seinen Lebensgang feh-
len. Er wurde Ende 1599 Pastor in Lüben und starb hier am
16. Oktober 1616. Von ihm existiert eine Leichenpredigt, die er
am 14. Januar 1603 dem Pastor Martin Eichholtz in Großkrichen
hielt (Peter Paul-Bibliothek in Liegnitz 76, 2).

12. Christoph Reiche910) war der Sohn des Pastors
Johann Reichel in Lomnitz bei Hirschberg und daselbst am
23. Oktober 1583 geboren. Sein Vater ließ ihn die Schulen in
Hirschberg und Breslau und die Universität in Wittenberg be-
suchen. Im Jahre 1604 wurde er Rektor in Schönau, 1609 Pastor
in Haselbach, 1612 Nachfolger seines verstorbenen Vaters in
Lomnitz und am 3. September 1617 in Lüben als Pastor und
Dekan eingeführt. Sein Symbol war: Vive ut vivas! (Lebe,
damit du lebst). Über seinen Tod findet sich im kirchlichen Register
der Vermerk: "Am 21. Tag des Juli 1625 ist des Morgens früh
um 5 Uhr sanft und selig verschieden der Ehrwürdige, Achtbare
und Wohlgelehrte Herr Christoph Reichel, unser geliebter Herr
Pfarr; sein Begräbniß ist neben dem hohen Altar am Tritte der
rechten Seite". Seine Frau Susanna, geb. Himmelreich, 10.6.
1624. Reichels Sohn, Friedrich, geb. in Schoenau am 26. Dezem-
ber 1608, in Frankfurt 1625 immatrikuliert, wurde dort Professor
der hebräischen Sprache, 1642 und 1648 Rektor; er starb am
11. Februar 1653.

13. Johann Pauli, Sohn des früheren Lübener Archi-
diakonus und nachmaligen Pastors in Porschwitz Lazarus Pauli,
wurde in Lüben 10.9.1576 getauft und studierte 1594 in Leipzig.

909 Nach Sinapius Olsnographia II 592/3. Über kalvinistische Strei-
tigkeiten in Lüben ist sonst nichts bekannt.
910 Seine Immatrikulation in Wittenberg ist nicht nachweisbar.
Die übrigen Angaben nach Ehrhardt a. a. O.