Großvaters Feldpostbrief Nr. 11 aus dem Jahr 1945














Feldpostbrief O.U.* den 16.3.45
* Ohne feste Unterkunft

Meine liebe gute Mama!
In der Hoffnung, daß ich bei einer der
nächsten Postverteilung auch dabei bin,
denke ich heute mit herzlichen Grüßen auch Dich.
Wenn ich doch nur erst einen lieben Brief
von Dir hätte. Ich habe bis jetzt die Briefe
stets mit Marke versehen und dieselben
bei der nächsten Post aufgegeben, da ich
annahm Du bekommst diese schneller. Diesen
Brief werde ich mal über Feldpost senden,
bitte teile mir mit, wie lange die Post
wohl unterwegs war. Dieser Tage waren
wir in Ottmachau, Patzschkau, Neisse in
der Nähe von Grottkau und dann wieder
durch Nimptsch (also alles bekannte
Orte). Überall sieht es trostlos aus. Ent-
schuldige bitte die Schrift, denn ich schreibe
am Knie. Heute nachmittag, wir
arbeiteten gerade an unserem Auto
in der Dorfstr. in Bernsdorf, gingen
2 Volkssturmmänner vorbei, höre nur
wer: Gerhard Bunzel und Willi

Feldpostbrief Hein. Du kannst Dir die Freude denken,
als wir uns so unverhofft trafen. Der
Gröditzer Volkssturm liegt hier in der
Nähe im Dorfe Reindörfel. Wahrschein-
lich kommen sie morgen nach Frankenstein,
da sie auch als Volkssturm aufgelöst wur-
den. Sie sind zwar bei der 10. Panzer-
division, haben aber den Ausweis als Volks-
sturmmänner. Übrigens bemerkte ich
dieser Tage, beim Antreten, daß bei uns
ein Unteroffizier Köpping* ist. Ich habe vor, dieser
Tage mit ihm zu sprechen; denn wir
liegen in dem Dorfe sehr zerstreut, des-
halb treffe ich ihn nicht immer, ich bin
neugierig. Wie geht es sonst mein lie-
bes Weibchen? Wie geht es Ursel und vor
allem der Heidi und im besonderen der
Gabi, selbige ist übermorgen 8 Wochen.
Wo ist bloß die Zeit hin. Wenn ich nur
die kleinen Helden mal sehen könnte.
Wie geht es Lottel und ihren Kindern?

* Köpping hieß auch Lottel seit der Eheschließung.

Feldpostbrief Hat Lottel schon von Werner näheres?
Hat Ursel von Schorsch* Post? Bitte
teilt mir die Feldp. N. von Schorsch
und Hans mit. Gerhard frug mich
nach den Gröditzern. Er sagte mir,
daß die meisten auf Anraten des Bot-
schafters dort geblieben sind. Habt Ihr
Nachricht von Gröditz oder Fischers?
Seit gestern haben wir schönes war-
mes Wetter, hoffentlich bleibt es so.
Gefroren hätten wir eigentlich
genug. Liebste Mama! Wenn ich nur
erst könnte wieder bei Dir sein. Du
glaubst nicht, wie ich Euch Alle gern wie-
dersehen möchte. Ich habe als Andenken
noch ein Taschentuch von Dir, welches
ich in Ehren halte. Schade, daß ich die
anderen Sachen alles verloren habe.
Aber besser so, als wenn ich in Gefangenschaft
geraten oder nicht mehr wäre.
Meine größte Hoffnung ist, recht

* Ursel=Tochter Ursula, Schorsch=Schwiegersohn Georg

Feldpostbrief bald wieder bei Dir zu sein. Leider
kann man sich noch nicht denken
wie und wann, aber werden muß
es wieder. Jedenfalls bin ich in Ge-
danken Tag und Nacht bei Dir und den
Lieben. Hab mich im Traum mit Dir
schon viel unterhalten, leider war
es nur im Traum, hoffentlich
wird es recht bald Wirklichkeit!
Post haben die mit mir hier zugeteil-
ten Kameraden auch noch nicht er-
halten. Bin neugierig, wer die erste
Post erhalten wird.
Nun mein liebstes Weibchen sei für
heute tausendmal geküßt und gegrüßt
von Deinem Dich liebenden getreuen
Papa

Herzliche Kußl und Grüße auch an Ursel,
Lottel, Hannelore, Klein-Ursel, und
Heidi und Gabi
Euer Papa, Onkel und Opa