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Konrad Klose, Geschichte der Stadt Lüben, Verlag Kühn Lüben, 1924, S. 100/101
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lebensgroßes Liebfrauenbild. Auch das Triumphkreuz stand noch
auf dem Balken, der den Eingang des Chorraums überspannte;
unter dem mehr als lebensgroßen Crucifixus standen Maria und
Johannes. In der Kapelle neben der Sakristei befand sich eben-
falls ein Kruzifix mit den beiden Schächern, über der Sakristeitür
ein altes Bild, das Maria und Barbara darstellte, darunter ein
knieender Altarist. Rechts vor der Kanzel hing am Pfeiler ein
Bild der Kreuzigung, darunter ein katholischer Kleriker.
Christoph von Zedlitz erbaute ein steinernes Chor, das jetzige
Offizierchor, und die große Halle mit der darunter liegenden
Gruft, in der er und seine Gemahlin beigesetzt wurden384). Später
wurde Chor und Gruft von der landesherrlichen Patronats-
herrschaft in Anspruch genommen und dem Domänenamte über-
lassen. Auch drei "Frauenvolkbänke beim Predigtstuhle" waren
für die Schloßbewohner bestimmt385).
Wie in der alten katholischen Generation, so lebte auch in der
evangelisch gewordenen Bürgerschaft eine starke Liebe zum alt-
ehrwürdigen Gotteshaus. Die zahlreichen geschnitzten Epitaphien
(Grabdenkmäler) aus dem Ende des XVI. und Anfange des XVII.
Jahrhunderts wollten nicht bloß Zeichen pietätvollen Gedenkens
sein, sondern sollten auch der Kirche zum Schmucke dienen386).
Kanzel und Taufstein, beide aus dem Jahre 1623 stammend,
mögen von wohlhabenden Gemeindegliedern gestiftet worden sein.
Sie zeigen in künstlerischer Gestaltung die Formen der Spät-
renaissance387). Die drei Kronleuchter aus der Wende des XVI.
Jahrhunderts sind ebenfalls von Freunden der Kirche geschenkt
worden388). Das Taufbecken stiftete der am 14. Januar 1652 ver-
storbene Ziebendorfer Förster Hans Wichler389). Zu den Wohl-

384 So in den Akten betr. Kirchen- und Schulsachen Vol. I. (im
Lübener Stadtarchiv) unter Berufung auf das Urbarium vom 29.6.1605,
das nicht mehr vorhanden ist. Christoph von Zedlitz, dessen Grabstein
mit Figur in der Halle steht, 24.2.1589; seine Gemahlin Magdalene,
geb. von Kreischelwitz und Schönau, 12.11.1594. Ebenda scheint bei-
gesetzt zu sein Nickel von Niebelschütz, 26.3.1595.
385 Rep. 28 O.A. Lüben II Bericht des Rentschreibers Caspar
Hoppestock vom 19.5.1665, der sich ebenfalls auf das Urbarium von
1605 stützt. Die Bänke wurden vom Rentschreiber zugunsten des Rent-
amts vermietet.
386 Epitaphien des Bürgermeisters Joachim Kretschmer, 2.3.1642;
des Ratsverwandten Hans Gericke, 21.6.1599; des Bürgermeisters
Michael Seiffert, 9.9.1621; des Zacharias Kittel, 9.3.1591; des
Hans Scheibichen, 25.8.1614; des Stadtschreibers Albrecht Wins,
13.4.1612; des Kirchvaters David Kretschmer, 19.8.1633; des
Bürgermeisters Hans Finster, 9.4.1552.
387 Am Taufstein ist die Jahreszahl erhalten, an der Kanzel wurde
sie bei der Renovation 1857 festgestellt. Burkmann, "Geschichtliche Nach-
richten über die evangel. Kirche zur 150jährigen Jubelfeier" 18.12.1857
Seite 25.
388 Sie stammen aus den Jahren 1595 und 1613.
389 Laut Angabe des Totenregisters.
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Die alte katholische Kirche und das ehemalige herzogliche Schloß (1850)