Die Herkunft meines Großvaters aus dem oberschlesischen Badewitz














Karte Leobschütz Badewitz

In "Topographisches Handbuch von Oberschlesien" aus dem Jahr 1864 fand ich folgende Informationen über Badewitz*:

Der Ort hatte 1855 1.300 und 1861 1.400 Einwohner. Davon waren 1.393 Katholiken, 3 Evangelische und 4 Juden. Badewitz hatte 1 Kirche, 1 Schule, 233 Privatwohnhäuser, 8 gewerbliche Häuser und 250 landwirtschaftliche Gebäude. Er lag "eine halbe Meile" von der Kreisstadt Leobschütz entfernt am Flüsschen Goldene Ader und hatte Verbindungsstraßen zu den beiden Nachbarorten Neudorf und Wernersdorf, wo es eine Bahnstation gab.

"Das Rittergut Badewitz (Badevice), welches im sechszehnten Jahrhundert denen von Schneckenhauß gehört hatte, gelangte später an die Freiherrn von Nimptsch, welche die bis dahin zur Parochie Kreuzendorf eingepfarrte alte Filialkirche mit einer Wiedemuth ausstatteten und deren Erhebung zur Pfarrkirche herbeiführten. Hierauf ging das Dominium an eine verwittwete Gräfin Gaschin, an den Justizrath Hoffmann, an den Gutsbesitzer Anton Forni über, welcher 1811 den sogenannten Schäferwald an die Gemeinde Neudorf verkaufte; demnächst gelangte Badewitz an den Justitiar Diebitsch und von diesem an die Gräfin Sophie Conradine Burghauß; von ihr wurde mittelst Allerhöchst bestätigter Urkunde Badewitz zu einer Stiftung - der Burghauß-Badewitzer Stiftung - für unversorgte schlesische Damen gräflichen Standes und evangelischer Konfession fundirt, deren Kollatur dem Regierungs-Präsidenten zu Oppeln zustehet. Gegenwärtige Stiftsdame ist die Gräfin Marie von Reichenbach-Goschütz.

Der Polizeibezirk und die Parochie umfassen zwei Gemarkungen:

  1. Badewitz, Meile von Leobschütz entfernt, zerfällt in ein Rittergut und das Dorf. Das Rittergut, welches der Gräflich Burghaußschen Stiftung gehört, enthält ein großes stattliches, mit Gärten und vollständigem Inventar versehenes Schloß, in welchem die Stiftsdame wohnt. Die zugehörigen Äcker, sowie Brauerei und Kretscham sind verpachtet. Das Dorf besteht aus 46 Bauer-, 34 Gärtner- und 106 Häuslerstellen mit einer Feldmark von 4.298 Morgen. Der Boden ist ziemlich ertragsfähig und wird mit allen Getreidearten und anderen Feldfrüchten bebaut. Die Einwohner beschäftigen sich nur mit dem Ackerbau, dessen Ertrag sie in Leobschütz absetzen, von wo sie auch ihre Bedürfnisse entnehmen. 2 Wasser- und 2 Windmühlen. 1315 Thaler Grundsteuer, 37 Thaler Haussteuer, 30 Thaler Einkommensteuer, 1011 Thaler Klassensteuer und 71 Thaler Gewerbesteuer kommen jährlich auf. Die katholische Pfarrkirche enthält am Kirchenschiff Gedenktafeln mit den Jahreszahlen 1542 und 1543. Außer einem Pfarrer fungirt hier noch ein Kaplan. An der Schule unterrichten zwei Lehrer.
  2. Neudorf (Nova Ves), Meilen von Leobschütz entfernt, besteht aus 19 Bauer-, 33 Gärtner- und 45 Häuslerstellen, mit 1252 Morgen ziemlich guten Bodens. Außer zwei Wassermühlen sind hier keine gewerblichen Anlagen vorhanden. Die Einwohner beschäftigen sich fast nur mit der Landwirtschaft. Die hier befindliche katholische Filialkirche ist in dem Jahre 1781 erbaut worden; um dieselbe Zeit entstand auch die Schule, welche 1817 ein neues Gebäude erhielt. Die Evangelischen sind nach Leobschütz eingepfarrt."
Badewitz um 1900

Diese Informationen über Badewitz beschreiben zwar die Situation fünfundzwanzig Jahre vor Konstantin Mochs Geburt. Durch die Gründung des Deutschen Kaiserreichs hatte sich inzwischen einiges verändert:

Deutschland war eine Monarchie mit Kaiser Wilhelm I. an der Spitze geworden. Bis in Konstantin Mochs Geburtsjahr hinein war Bismarck deutscher Kanzler. Es gab eine weitreichende Sozialgesetzgebung. Mark und Pfennig ("Goldmark") hatten Thaler und Groschen abgelöst.

Badewitz/Badenau: Tschauders Bäckerei/Warenhandlung, Schloss, Kriegerdenkmal, Kirche

Dennoch dürfte sich die Situation in dem kleinen Dorf nicht wesentlich von der um 1864 beschriebenen unterschieden haben. Entwicklung verlief damals langsam.

Der Nachbarort "Neudorf erhielt im Jahre 1893 eine mit Steinen gefestigte Dorfstraße. Gleichzeitig ließ die Gemeinde die auf beiden Seiten der Straße verlaufenden Fußwege pflastern. Im Jahre 1901 erfolgte der Ausbau der Straße nach Wernersdorf, wodurch eine gute Straßenverbindung zum Bahnhof Wernersdorf einerseits und zur Kreisstadt Leobschütz andererseits geschaffen wurde. Postalisch gehörte Neudorf ursprünglich zum Landzustellungsbereich von Leobschütz. Seit 1888 bestand im Dorf eine Posthilfsstelle. 1895 erhielt Badewitz eine Postagentur , und somit übernahm diese die Postzustellung in Neudorf. Neudorf bekam 1902 eine öffentliche Fernsprechstelle." Diese Informationen über Neudorf erweitern auch das Bild von Badewitz.

Auf alten Ansichtskarten kann man einen Blick auf ein beinahe modern wirkendes Dorf Badewitz werfen: Zweigeschossige Häuser vor einer mächtigen Kirche, eine mustergültig gepflasterte breite Straße, das von Zäunen und Mauern umgebene Schloss. Das war der Ort, in dem Konstantin Moch seine Kindheit verbrachte.

* 1937 wurde Badewitz von den Nazis wegen der slawischen Herkunft der Bezeichnung in Badenau umbenannt.