Aus dem Fotoalbum der Familien Schröter und Warmuth
Gemeinde Großkotzenau














Dieses Foto, das ihren Vater als Erstklässler mit Lehrer Hermann Behnisch 1937 in Groß Kotzenau zeigt, fand Corinna Bühl im Nachlass ihres Vaters. Auf der Rückseite hatte er die Namen notiert. In Groß Groß Kotzenau gab es zwei Schulen. Dies ist die Schule im Ortsteil Sand. (Weitere Schulfotos stellte Erhard Peukert zur Verfügung.)

1. Schuljahr 1937
1. Reihe von links nach rechts:
Willi Hanke, Gerhard Gutsche (genannt Gockel), Hannelore Pfänder, Susanne Thiem, Elsbeth Richter, Bodo Schumann.
2.
Reihe: Ernst Hänisch (gestorben Sommer 1937), Heinz Methner, Heinz Schröter, Hilmar Elsner, Horst Seifert, Willi Gall, Manfred Kuhnert.
Lehrer Hermann Behnisch.

Corinna Bühl war neugierig geworden. Wo liegt bloß dieses Dörfchen mit dem seltsamen Namen? Und warum gibt es nur so wenige Erinnerungsstücke aus der Kindheit der Eltern? Gesprochen wurde über diese Zeit so gut wie gar nicht.
Corinna fand dieses Passbild ihrer Oma Frieda Schröter geb. Warmuth mit einem Aufdruck auf der Rückseite, der besagt, dass das Foto in Liegnitz aufgenommen wurde. So wurde ihr allmählich klar, dass Groß Kotzenau heute in Polen liegt, Chocianowiec heißt und alle Andenken unwiederbringlich verloren sind, wenn sie nicht selbst dazu beiträgt, die letzten Erinnerungen zu bewahren.
Es sind wenige. Corinna stellt sie hier vor. Irgendwann will sie den Geburtsort ihres Vaters besuchen. Eine Urgroßmutter stammte aus Seebnitz. Auch das möchte sie gern sehen...

Diese Kennkarte (sozusagen der Personalausweis) wurde ihr 1943 in Groß Kotzenau ausgestellt. Unmittelbar nach der Flucht, die für Frieda und ihren Sohn Heinz in Lüntorf Kreis Hameln-Pyrmont endete, als das Deutsche Reich noch einige Wochen exixtierte, verlängerten die dortigen Behörden die Gültigkeit der Kennkarte durch zusätzliche Stempelaufdrucke. Irgendwann übermalte jemand das Hakenkreuz auf der Vorderseite der Kennkarte. Was mag ihm (oder ihr) dabei durch den Kopf gegangen sein?
Ein weiteres Dokument ist der Impfschein für Heinz Warmuth (später Schröter), ausgestellt am 16. Mai 1931 in Groß Kotzenau. Es ist anzunehmen, dass es sich um die Pockenschutzimpfung handelte.

Zuletzt noch eine sog. "Dienstverpflichtung", durch die Else Warmuth - vielleicht eine Schwester von Frieda - als Hilfskraft der Posthalterin am 12.10.1943 in Groß Kotzenau mit drohenden Worten darauf hingewiesen wird und anschließend durch Handschlag und Nachsprechen eines Gelöbnisses dem Führer Adolf Hitler Treue und Gehorsam versprechen musste. Ihr wurden bei Zuwiderhandlungen gegen die Schweigepflicht schwere Bestrafungen in Aussicht gestellt. Amtsgeheimnisse seien auch nach dem Ende des Dienstverhältnisses zu wahren. Da die Unterzeichnete als "Beamte im Sinne des Strafgesetzbuches gelte , unterliege sie den härteren Strafen für Verbrechen und Vergehen im Amt" Unterzeichnet von Else Warmuth und dem Oberpostmeister Georg Leider des Postamtes Lüben.
Entschuldigung für die seitliche Wiedergabe des Dokuments... Es ist zu lang für die Seite!


Dank an Corinna Bühl für interessante Einblicke in die Familiengeschichte und das Rechtswesen der NS-Zeit.