Bahnhof Lüben
Bahnhofstraße














Bahnhof

Der Lübener Bahnhof, von der Stadtseite gesehen. 1869 erbaut.

Bahnhof um 1910

Bahnhof Lüben um 1910. Einzige bekannte Karte des Verlags Friedrich Kirchner, Papier- & Buchhandlung Lüben.

1941 Blick aus der unteren Bahnhofstraße auf den Bahnhof. Elektrische Straßenlaternen haben die Gaslichter abgelöst.


1968 erhielt die Redakteurin des Lübener Heimatblattes Erika Hoffmann-Rehmie ein Foto des "modernisierten" Bahnhofs von Lubin. Sie war schockiert: "Wenn wir das Bild sehen, fragen wir uns zunächst doch: Was soll das sein? — so verändert sieht unser alter Bahnhof aus. Modernisiert? Darüber läßt sich streiten.
Vergleichen das uns bekannte Bild mit dem neuen!
Die Uhr, die man von der Bahnhofstraße aus erkennen konnte, war links. In dem Teil war im Erdgeschoß die Bahnhofswirtschaft, darüber die Wohnung des Bahnhofsgastwirtes. Im rechten Teil waren im Erdgeschoß die Bahnhofshalle (Schalter- und Gepäckhalle), rechts neben der Tür waren das Büro der Fahrkartenausgabe und die Telefonanlage für Stadtfernverkehr und Dienstapparate. Das rechte Fenster gehörte zum Dienstzimmer des Bahnhofsvorstands. Dieser Anbau scheint verschwunden zu sein und der Eingang wurde mit einer Überdachung geschaffen. Die Wohnung im I. Stock im rechten Teil (Dienstwohnung) ist dem Bild nach kleiner geworden und hier hat man einen Zwischenbau geschaffen, über dem nun die Uhr angebracht wurde. Der wilde Wein am Bahnhofsgebäude machte es, für unser Stadtbild passend, so vertraut." LHB 2/1969



Der "neue" Bahnhof von 1968. 2012 wurde er endgültig abgerissen

Bahnhof

Rechts das Hotel Prinz Wilhelm. Es folgen Ansichten von der Gleisseite aus.

Bahnhof

Bahnhof


Die Lübener Eisenbahner

Eisenbahner vom Bahnhof Lüben 1937

Erste Reihe oben von links: Paul Scholz, Deckert, Paul Glathe, Stellwerkmeister Modler.
Zweite Reihe: 1. Dorfner, 2. ?, 3. Glathe sen., 4. Hermann Heidrich, 5. Bartsch, 6. Leissner, 7. Kittner, 8. Paul Feiler oder Seiler, 9. Amandus Walter, 10. Paul Wenzel, 11. Fritz Grüttner, 12. Biedermann, 13. August Blawid.
Dritte Reihe sitzend: 1. Hermann, 2. ?, 3. wohl Bahnhofsvorsteher Leukefeld, 4. ?, 5. Pätzold. Einer der Herren in dieser Reihe ist Paul Tampfel.


Zu diesem Foto schrieb Gerda Jindra geb. Heidrich im Lübener Heimatblatt 2/1990:

Auf diesem Bild erkannte ich meinen Vater, in der 2. Reihe der 4. von links, Hermann Heidrich, Schwenckfeldstr. 6. Er war auf dem Stellwerk Haynauer Straße/Kotzenauer Straße beschäftigt, das neben der Molkerei auf der einen Seite und den Gebäuden von Maschinen-Behme auf der anderen Seite stand. Auf dem Bild in der 2. Reihe an 8. Stelle erkenne ich seinen Kollegen, Herrn Feiler, der in Mallmitz wohnte.

Das Bild muß 1937 aufgenommen worden sein, denn der "Lehrling" von der Bahnmeisterei, der oben in der Mitte steht, ist Paul Glathe. Sein Vater war ebenfalls bei der Bahn, die Familie wohnte in der Benjamin-Schmolck-Straße. Paul war der Freund meines Bruders Kurt, der damals im Büro von Rechtsanwalt Hampel, am Ende Breite Straße, in der Lehre war. Beide waren später beim gleichen Regiment in Rußland. Mein Bruder fiel 1942 und wenig später wurde auch Paul vermißt.

Mein Vater hatte damals 1945 auf dem Stellwerk bis zuletzt Dienst getan und die Signale und Weichen für die letzten Züge gestellt, die den Bahnhof Lüben mit Flüchtlingen noch verlassen konnten. Er selbst ist danach zu Fuß über die Felder bis nach Vorderheide gelaufen. Den Uniformmantel hatte er umgewendet, damit die goldfarbenen Knöpfe in der Dunkelheit nicht so leuchteten, wie er mir später erzählte, denn überall konnte man russischen Soldaten begegnen. Das Vorhaben, sich sein Fahrrad aus dem Keller unseres Wohnhauses in der Schwenckfeldstraße zu holen, war nicht mehr möglich gewesen. Als er hinkam, fand er die Häuser dort schon bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Wie Vater erzählte, habe er dann in Vorderheide in einen Zug steigen können, in dem noch andere Kollegen saßen...

Nach vielen Stationen der Flucht landete Vater mit seinem Kollegen, Herrn Feiler, in Mellingen (Thüringen), wo sie wieder am Stellwerk der Reichsbahn Dienst taten und eine zweite Heimat fanden.

Mutter, die mit einem Bus der Reichsbahn vom Bahnhof Lüben, zusammen mit anderen Angehörigen der Eisenbahner, noch rechtzeitig vor dem Angriff damals die Stadt verlassen konnte, landete mit einigen Eisenbahnerangehörigen erst in Mügeln bei Oschatz; später bewohnten die Eltern eine "Stube" bei einem Bauern in Mellingen. - Mein Vater starb dort im Jahr 1970 mit 78 Jahren, meine Mutter dann 1981 mit 89 Jahren.

Ohne daß meine Mutter und ich voneinander wußten, befanden wir uns in der Nacht, als der Angriff auf Dresden erfolgte, wo so viele Flüchtlinge ums Leben kamen, nicht weit voneinander entfernt. Der Zug mit den Lübenern war dem Angriff knapp entkommen, da er wegen Überfüllung des Bahnhofs in Dresden keine Einfahrt bekam und auf freier Strecke stehenblieb.

In Lüben war ich am Fernmeldeamt bei der Post angestellt und habe mit noch anderen Kolleginnen dort bis zum letzten Moment "die Stellung gehalten". Am Postamt hatte man den Hauptgefechtsstand eingerichtet, und auf dem Klappenschrank, an dem wir die Gespräche vermittelten, lagen Handgranaten gestapelt - zu unserer persönlichen Sicherheit, wie man uns beruhigend sagte. Major Maier (genannt Panzer-Maier) versprach, uns wenn irgend möglich vor dem Angriff aus der Stadt zu bringen. Wir hatten Glück, daß gerade ein Lkw der Heeresunteroffizier-Schule Jauer zum Hauptgefechtsstand kam, auf dem wir Mädchen vom Fernsprechamt und noch andere Postangestellte die Stadt Richtung Haynau verlassen konnten, als der Angriff erfolgte. Irgendwie hatte man wohl damals oft einen Schutzengel, daß man all dem entkommen konnte. In Dresden dann war an besagtem Tag der Bahnhof so überfüllt, daß meine Kollegin und ich versuchten, noch auf einen bereits anfahrenden Zug zu klettern, was uns auch gelang. Wir ahnten nicht, daß dieser Zug der letzte war, der Dresden vor dem Angriff noch verlassen hatte. Kurz darauf fielen die Bomben, der Zug hielt auf freier Strecke und wir sahen wie der Bahnhof getroffen wurde. Wenn ich daran denke, begreife ich noch heute nicht, so davongekommen zu sein.

Das ist nun alles schon viele Jahre her und doch meint man oft, es sei erst gestern gewesen, weil die Erinnerungen noch so allgegenwärtig sind. Gerda Jindra geb. Heidrich (1922-2015), damals Lüben, Schwenckfeldstr. 6

Quelle: LHB 2/1990

Noch eine Zuschrift von Herrn Helmut Scholz, früher Lüben, Schwenckfeldstr. 8 und Ring 24 (Fa. Breutmann):

Die Aufnahme entstand anläßlich der Dienstzusammenkunft - zum Tag der Arbeit - der Lübener Reichsbahner, exakt am 1. Mai 1937 auf dem Bahnsteig 1, aus der Zugfahrtrichtung Liegnitz-Raudten gesehen, in einer sogenannten Zugfolgepause. Bei genauem Betrachten der Uniformröcke der einzelnen Beamten und Bediensteten erkennt man bei mehreren noch die angesteckte "Maiplakette".

Nun zur Identifikation der auf dem Bild abgelichteten Eisenbahner, die ich noch klar zu erkennen vermag.

Erste Reihe oben von links: Paul Scholz (mein Vater), Deckert, Glathe jun., Modler.
Zweite Reihe: 1. Dorfner, 2. ?, 3. Glathe sen., 4. Hermann Heidrich, 5. Bartsch, 6. Leissner, 7. Kittner, 8. Paul Feiler, 9. Amandus Walter, 10. Paul Wenzel, 11. Fritz Grüttner, 12. Biedermann, 13. August Blawid.
Dritte Reihe sitzend: 5 z. T. gewichtige Herren (gemessen an ihrem Dienstgrad und ihrer Körperfülle!): 1. Hermann, 2. ?, 3. vermutlich Leukefeld, damaliger Bahnhofsvorsteher bzw. Dienststellenleiter des Bahnhofs Lüben, 4. ?, 5. Pätzold, ein ganz bekannter und bewährter Eisenbahner der Bahnstation Lüben. Einer der Herren in der ersten Reihe ist Paul Tampfel.

Bei der Aufzählung, nach der Ziffer mit jeweils einem Fragezeichen gekennzeichnet, erinnere ich mich leider nicht mehr der Namen, auch nicht genau bei dem Namen Wenzel. Herrn Leukefeld kenne ich von früher nicht ganz so gut, vermute ihn aber deshalb in der Mitte der anderen Herren, weil man den jeweils Dienstgradhöheren auch heute noch auf respektabler Stelle, also in der Mitte der Gruppe Platz nehmen läßt. - Soweit meine Erinnerungen. Helmut Scholz

Quelle: LHB 3/1990


Bahnhof Lüben während des Krieges

Helene geb. Titze mit ihrem Töchterchen im Herbst 1944 auf dem Bahnhof Lüben

Dank an Wolfgang Wersich für das Foto einer Kompanie Soldaten auf dem Lübener Bahnhof. Leider ohne weitere Informationen. Dazu passt jedoch der Feldpostbrief vom 8.10.1943 von Günter Stegmann (geb. 1923 in Berlin, 1943 zur Fliegerausbildung in Lüben).

Voller Vorfreude schreibt er den Eltern über seinen bevorstehenden Kriegseinsatz. Feldpostbriefe von ihm und anderen sind dankenswerterweise auf der Website der Museumsstiftung Post und Telekommunikation veröffentlicht.









Zum linken Foto schreibt die 90jährige Helene geb. Titze:
"Das bin ich im Herbst 1944 an der Sperre des Lübener Bahnhofs mit meinem Töchterchen. Wir verabschieden gerade meinen Mann an die Front. Im Hintergrund sieht man noch das Schild "Nächste militärische Auskunft... Wehrmeldestelle... Liegnitz Stadt" oder so ähnlich. Ich musste im darauffolgenden Januar mit den beiden kleinen Kindern flüchten. Mein Mann geriet in Gefangenschaft, wurde jedoch glücklicherweise schon im Sommer 1945 entlassen. Bei meiner Schwester im Kreis Falkenberg trafen wir uns wieder. Dass wir alle überlebt hatten, half uns den Verlust der Heimat zu ertragen."