Allerlei Nachrichten aus dem Lähner Anzeiger zwischen 1906 und 1919
Postkarte von 1900














Titelkopf Lähner Anzeiger

Hier finden Sie Kurznachrichten aus Lüben aus dem "Lähner Anzeiger" zwischen 1906 und 1919. Diese Zeitung ist die einzig verfügbare Tageszeitung aus der näheren Umgebung von Lüben. Beachten Sie, welche Ereignisse damals eine Nachricht wert waren und welche Ansichten vertreten wurden! Heidi T.


6.1.1906
Lüben. Ein größeres Unglück hätte sich am zweiten Weihnachtsfeiertage in Kaltwasser ereignen können. Beim ersten Läuten vor dem Gottesdienste zerbrach der Klöppel der kleinen Glocke und stürzte über das Dach der Vorhalle auf den Friedhof herab. Wäre dies erst beim dritten Läuten, zu Beginn des Gottesdienstes geschehen, dann konnte leicht ein Mensch von dem schweren Eisenstück beschädigt oder gar getötet werden...


1.2.1906
Lüben. In Sabitz fand man die Auszüglerwitwe Klein in ihrer Wohnung erhängt vor. Die Frau, die in ganz guten Verhältnissen lebte, war bereits 82 Jahre alt.. Man kann wohl annehmen, daß Lebensüberdruß der Grund zur Tat gewesen ist.


10.2.1906
Lüben. Von einem bedauerlichen Mißgeschick wurde der hiesige Ackerbürger Gugsch betroffen. Während er mit dem Zerkleinern von Holz beschäftigt war, flog ihm ein Stück mit solcher Gewalt gegen das Auge, daß dieses stark verletzt und die Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe notwendig wurde, durch welche das beschädigte Glied entfernt worden sein soll.


27.2.1906
Lüben. Ueber die hier aufgetretene Genickstarre wird folgendes mitgeteilt: Montag vormittag, den 21. d. Mts., wurde bei einem Dragoner Genickstarre festgestellt. Auf Grund einer sofortigen Untersuchung sämtlicher Mannschaften wurde am selben Abend noch ein Dragoner der 4. Eskadron in das Lazarett eingeliefert, der leider noch in derselben Nacht starb...


10.3.1906
Lüben. Ein heiterer Vorfall ereignete sich auf der Breitenstraße hierselbst. Das Pferd eines mit Heu beladenen Wagens scheute plötzlich vor irgend etwas, sprang zur Seit, zerbrach die Deichsel und war im Begriff, seinem auf dem Wagen sitzenden Herrn durchzugehen...


20.3.1906
Lüben. Ein tödlicher Unglücksfall ereignete sich auf dem Grundstück des Dachdeckermeisters Großmann in der Liegnitzer Straße. Dort war Großmann mit einem Arbeiter namens Schirpke mit der Herstellung von Zementziegeln beschäftigt, zu deren Trocknung größere Gerüste aufgestellt waren. Eins dieser Gerüste brach zusammen und stürzte auf die darunter stehenden Genannten, von denen der Arbeiter Sch. so schwer verletzt wurde, daß er alsbald seinen Geist aufgab... Gr. wurde das Kreuz gebrochen, und er liegt schwer krank darnieder.


20.3.1906
Lüben. Ein schönes Beispiel von Kameradschaft-lichkeit gab das hiesige Offizierskorps dadurch, daß es vollzählig... der jungen Frau des Vizewacht-meisters Bojack das Grabgeleit gab.


28.4.1906
Lüben. Kürzlich brachten zwei schulpflichtige Knaben eine der mit Vorräten gefüllten Magazinscheuern in große Gefahr. Sie zündeten in einem hinter der Scheune angebrachten Abort das Papier an und nahmen Reißaus, da sie des Feuers nicht mehr Herr wurden. Ein Offizier bemerkte die Gefahr und die Magazinarbeiter löschten den Brand. Dem Aufseher gelang es, die beiden Uebeltäter festzunehmen.


28.4.1906
Lüben. Die alte Geschichte, die der Zeitungsmann eigentlich immer im Satz stehen lassen könnte, um sie stets bei der Hand zu haben, st Ene voriger Woche an zwei Orten des hiesigen Kreises wieder passiert. Im benachbarten Kniegnitz stöberten die Schulkinder in einem Holzstalle ein mit Schrot geladenes Gewehr auf und spielten damit. Die Waffe entlud sich und der Sohn des Gastwirts Klembt wurde derart im Gesicht verletzt, daß ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte. - In Oberau hantierte der Pferdejunge Rothe mit einem Tesching wobei er sich die linke Hand schwer verletzte. Wann wird die Zahl der Opfer sorgloser Unvorsichtigkeit abnehmen?


8.5.1906
Lüben. Den Eheleuten Pelz in Ziebendorf wurde unlängst der siebente Sohn geboren. Weil die Reihe einmal durchbrochen wurde, haben die Eltern dieser hoffnungsvollen Vaterlandsverteidiger (!) den Kaiser gebeten, bei der Taufe ihres Jüngstgeborenen Patenstelle übernehmen zu wollen.


24.5.1906
Lüben. Der Kaiser hat bei dem siebenten Söhnchen des Gärtners Pelz in Ziebendorf Patenstelle angenommen.


19.5.1906
Liegnitz. Wegen Vergehens gegen das Branntweinsteuergesetz und Steuer-Defraudation war am 31. Mai v. J. von der Strafkammer des Königlichen Landgerichts Liegnitz der Brennerei-Verwalter Franz Jaros aus Lüben zu einer Geldstrafe von 10.000 Mk, oder im Unvermögensfalle zu einem Jahre Gefängnis verurteilt worden. Jaros war bei Rittergutsbesitzer Scholz in Oberau, Kreis Lüben, als Brennerei-Verwalter angestellt gewesen und hatte das Ueberschöpfen vorgenommen, d. h. aus einem Vorbottich mit aufsteigener Gärung in einem Bottich mit absteigender Gärung umgekehrt schöpfen lassen...


24.5.1906
Lüben. Ein Automobilunfall ereignete sich in Pohlswinkel dadurch, daß beim Nehmen einer Kurve der kleine Motorwagen umstürzte und die beiden Insassen, Fabrikbesitzer Wiedermann und Dr. Schwürtz aus Gremsdorf, herausgeschleudert wurden. Der Letztgenannte erlitt derart schwere Verletzungen, daß sofort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte.


26.6.1906
Lüben. In Brauchitschdorf hiesigen Kreises versuchte die Frau des Futtermanns Ihm ein junges Rind, das sich von der Kette losgemacht hatte, anzubinden. Das Tier schlug um sich und traf die Frau am Kopfe so heftig, daß die Schädeldecke zertrümmert wurde und der Tod nach wenigen Augenblicken eintrat.


14.6.1906
Schnellzugverkehr Liegnitz-Glogau. Im Eisenbahnministerium besteht Geneigtheit, einen Schnellzugverkehr zwischen Liegnitz und Glogau einzuführen. Ob die Wagen in Raudten mit den Breslau-Glogauer Zügen vereinigt werden, ist noch nicht sicher; doch gilt das letztere für wahrscheinlich...


28.6.1906
Lüben. Ein Unglück von unabsehbarer Tragweite drohte dem Hause des in der Steinauer Straße wohnenden Kaufmanns Dreßler. Der Geschäftsinhaber hatte Benzin in kleinere Gefäße abgefüllt... Dabei entzündeten sich die aus dem Boden aufsteigenden Benzingase und die Flamme ergriff auch das Faß, welches Dreßler, des Feuers nicht achtend, rasch in den am Hause vorbeifließenden Wassergraben rollte, woselbst bald eine mehrere Meter hohe Feuersäule emporschlug. Der Kaufmann hatte wohl an beiden Händen schwere Brandwunden erlitten...


3.7.1906
Zum Andenken an die Schlacht von Nachod fand eine besondere Wiedersehensfeier von Veteranen statt, die als Angehörige des hiesigen Dragoner-Regiments an der Schlacht teilgenommen hatten. Erschienen waren 50 ehemalige Krieger. Im Schießhause wurden sie von dem Offizierskorps begrüßt, worauf am Kriegerdenkmal und am Kaiser-Wilhelm-Denkmal Kränze niedergelegt wurden. Beim Gange durch die Stadt wurde auch die Kaserne besichtigt, wobei den Veteranen mancherlei Ehrungen bereitet wurden. Mittags fand im Schießhause ein gemeinsames Mahl statt.


3.7.1906
Kotzenau. Große Aufregung herrschte in dem sonst so stillen Kotzenau, als die Kunde von einem Eisenbahnunglück laut wurde, das sich in der Nähe des Eisenbahnüberganges ereignet hat. Infolge Schienenbruchs entgleiste an der bezeichneten Stelle der morgens 6:30 Uhr der fahrplanmäßig von Reisicht dort eintreffende, aus vier Personen- und einem Gepäckwagen bestehende Zug Nr. 962. Da der Zug volle Fahrgeschwindigkeit hatte und nicht mehr zum Stehen zu bringen war, stürzte die Maschine die Böschung hinab in das Kornfeld, und riß den ersten Wagen mit, der umgeworfen und zum Teil demoliert wurde. Die übrigen Wagen sprangen nur aus dem Geleise heraus, sind aber durch das plötzliche Aufeinanderstoßen an Puffern und Trittbrettern stark beschädigt. Der Zug war außer dem Begleitpersonal von zirka 15 Personen besetzt, von denen 9 bei dem Unfall zu Schaden gekommen sind. Erhebliche Verletzungen hat der Zugführer Sanger aus Freystadt erlitten, der sich mit dem Heizer durch Herabspringen von der Maschine rettete. Das übrige Zugpersonal kam mit leichteren Kontusionen davon, ebenso die Passagiere. Verletzt sind: Kaufmann Hermann Scholz aus Bunzlau am Kopfe, Holzhändler August Reimann aus Liegnitz im Gesicht, Monteur Wilhelm Siebert aus Breslau an der rechten Brustseite, August Wolff aus Marklissa, Quetschung des rechten Oberschenkels, Fräulein Gertrud Klemmt aus Liegnitz am Kopfe. Dr. Starcke leistete den Verletzten die erste ärztliche Hilfe. Der Verkehr wurde durch Umsteigen aufrecht erhalten. Gegen 10 traf der erste Hilfszug aus Liegnitz mit Regierungsrat Kieckhöfer und Eisenbahn-Direktor Schiewon hier ein, während gegen 12 ein zweiter Hilfszug aus Glogau anlangte. Die Aufräumungsarbeiten werden mit großer Eile betrieben.


10.7.1906
Lüben. Eine Frau aus der Liegnitzer Gegend, die hiesige Verwandte besucht hatte und an einem der letzten Abende mit der Eisenbahn wieder heimfahren wollte, bestig in ihrer Sorglosigkeit auf er hiesigen Station den falschen Zug und fuhr in entgegengesetzter Richtung auf Raudten zu. Anstatt sich vor dem Einsteigen zu vergewissern und einen Bahnbeamten zu fragen, erkundigte sich die biedere Alte "schlauerweise" erst, als sich der Zug schon längst in Bewegung gesetzt hatte, bei ihren Reisegefährten, ob sie richtig fahre udn erschrak natürlich nicht wenig, als ihr klar wurde, daß sie nicht nach Hause, sondern in die fremde Welt steuerte. Aber die Frau wußte sich zu helfen, sie zog die Notbremse...


10.7.1906
Lüben. Von einem Bullen übel zugerichtet wurde auf dem Dominium Mittel-Oberau der Viehmann Langner. Der Bedauernswerte wurde von dme wütenden Tiere im Stalle buchstäblich aufgespießt und derart an die Wand gedrückt, daß er außer anderen Verletzungen mehrere Rippenbrüche davontrug. Der Mann liegt schwer krank darnieder.


24.7.1906
Lüben. Für das Eisenbahnprojekt Lüben-Kotzenau wird hier eifrig gearbeitet; man ist um den staatsseitigen Ausbau dieser Strecke als Nebenbahn bei dem Ressortminister vorstellig geworden. Die Rentabilität der projektierten Teilstrecke ist bereits 1894 amtlich festgestellt worden. Das Projekt erfreut sich nicht nur der vollen Sympathie der Kreisbevölkerung, sondern wird auch anscheinend höheren Orts günstig aufgenommen.


31.7.1906
Lüben. Der Arbeiter August Niering aus Lüben ist in der Mallmitzer Ziegelei schwer verunglückt. In der Ziegelpresse hatte sich ein im Lehm befindlicher Stein festgeklemmt und N. wollte deshalb mit dem sog. Stopperknüppel nachhelfen. Dabei geriet er mit der rechten Hand in die Walze und zwar so unglücklich, daß ihm die Finger fast vollständig zerquetscht wurden.


4.8.1906
Lüben. Die herrschende große Hitze hat hier ein Menschenleben gefordert. Der beim Getreidemähen beschäftigte Mäher Aust in Muckendorf hiesigen Kreises erlitt einen Hitzschlag und starb nach kurzer Zeit an den Folgen.


7.8.1906
Lüben. In der Liegnitzer Straße explodierte während des Fahrens an dem Motorrade des Kaufmanns Schlesinger jun. der Benzinbehälter, so daß das Rad in Brand geriet. Schlesinger sprang schnell von seinem Sitze herab und überließ das Vehikel seinem Schicksal, das lichterloh brannte und fast vollständig vernichtet ist. Der Schaden soll durch Versicherung gedeckt sein.


9.8.1906
Lüben. Auf der Rückreise des Kronprinzen von Oels über Primkenau nach Potsdam wurde auch unsere Stadt berührt. In dem an der Steinauer Straße gelegenen Kniegnitzer Akazienwäldchen hielt das Automobil. Im Schatten der Bäume wurde ein Klapptisch aufgestellt, an dem der Kronprinz und seine beiden Begleiter, Graf von Lehndorff und Graf Finck von Finckenstein, Platz nahmen, um ein Frühstück einzunehmen. In der Nähe hielt sich Chausseewärter Schaniel auf. Er wurde herangewinkt und gefragt, ob er bei der großen Hitze auch Durst verspüre. Auf die bejahende Antwort wurden dem Chausseewärter zwei Gläser Wein gereicht. Alsdann rief ihn der Kronprinz zu sich heran und überreichte ihm ein Zehnmarkstück, wobei er bemerkte, Schaniel solle sich für den Betrag eine Erfrischung antun.


14.8.1906
Lüben. Der dem Bäckermeister Kirchner unter Mitnahme eines Zughundes entlaufene Lehrling Möllnitz ist mitsamt dem Hunde in Treptow bei Berlin eingetroffen und von der dortigen Polizei festgehalten worden... Der Lehrling soll, nachdem er vorher für sein Ausrücken die "Belohnung" empfangen haben wird (!), wieder seinem Lehrmeister zugeführt weren. Als Grund für sein Entlaufen gibt der Junge Heimweh an. Der Hund soll ihm nachgelaufen sein, was aber wenig glaubhaft, da derselbe stets an der Kette liegt.


6.8.1906
Lüben. Vor ungefähr vier Wochen besuchte die hiesigen Einwohner ein - übrigens solid und anständig auftretender - Scherenschleifer, wie sie häufig die kleineren Städte und Dörfer abgrasen, der vorgab, aus Kotzenau zu sein. Er erhielt in vielen Fällen Messer, Scheren usw. zur Reparatur bzw. zum Schleifen und versprach, diese am Nachmittage bzw. am anderen Tage wiederzubringen. Bis heute hat sich der Mann nicht wieder sehen lassen, und so fürchten die Auftraggeber, einem Schwindler in die Hände gefallen zu sein. Jedenfalls dürfte das Vorkommnis für allzu Vertrauensselige wieder einmal eine Warnung sein, ihre Arbeiten nur den am Orte befindlichen Geschäftsleuten zu übertragen.


16.8.1906
Lüben. Vorige Woche wurde Radfahrhändler Scholz aus Seebnitz, der sich auf der Sabitzer Flur im Haferfelde befand, von dem Jagdpächter John aus Sabitz versehentlich angeschossen. Scholz soll infolge des Schusses gezwungen worden sein, eine auswärtige Klinik aufzusuchen.


16.8.1906
Lüben. Schon seit geraumer Zeit trieben Wilderer in dem Jagdgebiet des Majors von Lucke auf Ossig ihr Wesen, ohne daß es gelungen wäre, diesen auf die Spur zu kommen. Montag fand nun eine Haussuchung seitens der Polizeibehörde bei drei hiesigen Einwohnern statt, die mit besagter Angelegenheit zusammenhängt. Die Haussuchung war insofern von Erfolg, als bei den betreffenden Personen Jagdutensilien vorgefunden wurden. Den drei Personen soll man aufgrund der Angaben eines Vierten auf die Spur gekommen sein, der früher mit denselben gemeinsame Sache gemacht hatte und sich jetzt, wo er nicht mehr hier ansässig ist, die für die Ergreifung der Wilddiebe ausgesetzte Belohnung von 300 Mk. sichern wollte.


21.8.1906
Lüben. In letzter Zeit sind hier mehrere wertvolle Altertumsfunde gemacht worden; die namentlich beim Neubau der katholischen Kirche in dem Schliefsande (? Schliffsand?) der alten Stadtumwallung gefundenen Gegenstände sind in dem hier eingerichteten Altertumsmuseum untergebracht worden. Genannt seien hier tierische Ueberreste des Rhinoceros tichorhinus und des Elephas primigenius; ein gefundener Mammutzahn hat eine Länge von 28 Zentimetern und eine Breite von 3 Zentimetern; zahlreich sind die Funde an alten Keramiken, wie urnenartigen Töpfen usw.


8.9.1906
Lüben. Ein etwa 3 Jahre altes Kind, dessen Eltern in Berlin wohnen, wurde auf der Schlachthofstraße hierselbst von einem Hochzeitswagen überfahren. Der Tod trat augenblicklich ein. Die Großmutter, in deren Pflege das Kind sich befand, hatte die Entfernung desselben nicht bemerkt.


18.9.1906
Lüben. Ein bedauerlicher Unglücksfall stieß Oberstabsarzt Göbel vom hiesigen Dragoner-Regiement zu. Als er sich zur Hilfeleistung zu gestürzten Dragonern begeben wollte, stürzte er selbst mit dem Pferde und zog sich einen Beinbruch zu. Er wurde ins Liegnitzer Garnisonslazarett gebracht.


29.9.1906
Lüben. Frau Fleischermeister R. auf der Steinauer Straße erwischte einen Ladendieb in der Person eines zehnjährigen Knaben, der sich vergeblich bemühte, die vorsichtigerweise verschlossene Ladenkasse zu öffnen. In die Enge getrieben, gab der Bursche zu, in der Woche vorher ein Zwanzigmarkstück an sich gebracht zu haben, über dessen Verbleib allerhand Vermutungen laut geworden waren. Bis auf 1 Mk. befand sich die gestohlene Summe noch im Besitze der Mutter, welche der Angabe ihres Söhnleins Glauben geschenkt hatte, er habe die Münze beim "Grünen Baum" gefunden. Auch ein früher wahrgenommener Kassenverlust wird demselben Burschen auf sein Konto gesetzt.


13.10.1906
Lüben. Bei den Arbeiten im neuen Schlosse des Hauptmanns von Jena auf Mühlrädlitz zog sich ein Kunstmaler eine schwere Bleivergiftung zu, die leider seinen Tod zur Folge hatte, nachdem er ins Krankenhaus nach Liegnitz überführt worden war.


16.10.1906
Lüben. Der Stellenbesitzer Gustav Warmuth hatte vor ca. 8 Jahren auf dem Felde gelegentlich der Ackerarbeit seine Taschenuhr verloren, die absolut nicht mehr zu finden war. Als Warmuth vor ca. 14 Tagen mit Pflügen auf seinem Acker beschäftigt war, kam zu seinem größten Erstaunen die lange vermißte Uhr zum Vorschein. Sie war allerdings sehr verrostet, aber sonst noch gut erhalten, und nachdemsieeine gründliche Reparatur erfahren hatte, geht die Uhr wieder ihren richtigen Gang.


16.10.1906
Lüben. Einen guten Fang machte Gendarmerie-wachtmeister Müller-Kotzenau. Er ergriff in Groß-Kotzenau den seit dem 12. Mai 1905 fahnen-flüchtigen Grenadier Georg Thomas von der 6. Kompagnie des Grenadierregiments Graf Kleist von Nollendorf (1. Westpr.) Nr. 6 in Posen. Der Deserteur wurde dem Garnison-Kommando in Lüben zum Weitertransport überliefert.


3.11.1906
Lüben. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich in dem Gehöft des Ackerbürgers Scholz auf der Wasserpromenade, wo man gegenwärtig mit Getreidedreschen mittels Maschine beschäftigt ist. Der als Stopfer tätige Arbeiter Lättig muß, wie er selbst zugibt, bei seiner Tätigkeit abgerutscht sein und ist dabei mit einem Arme in die Maschine gekommen, welche ihm den Arm bis an die oberen Muskelteile abriß. Der so schwer Verunglückte wurde sofort zu einem Arzt gebracht, der ihm erste Hilfe zuteil werden ließ. Trotz dieses schrecklichen Unfalles hatte der Bedauernswerte seine volle Besinnung behalten, erst in der Wohnung des Arztes erlor er das Bewußtsein. Von dem abgerissenen Arme hat man bisher nur die Finger und ein paar Fleischfetzen gefunden.


8.11.1906
Lüben. Einem schweren Verbrechen glaubt man im Neuhammer-Kotzenauer Anteil hiesigen Kreises auf die Spur gekommen zu sein. Auf dem Grundstück des Feldgärtners Richard Deunert fand man ein menschliches Skelett. Von dem Funde wurde die Staatsanwaltschaft benachrichtigt, die sofort Erhebungen veranlaßte. Der ausgehobene Boden an der Fundstelle und der Boden in der Nähe dieser wurden nach Gegenständen durchsucht, die vielleicht einen Anhalt hätten geben können, von wem das Skelett herrühre. Bedauerlicherweise ist noch nichts gefunden worden. Festgestellt wurde dagegen, daß das Skelett nur in geringer Tiefe gelegen hat, so daß die Annahme berechtigt erscheint, es sei ein Mord verübt und die Leiche des Opfers verscharrt worden.


13.11.1906
Lüben. Der 11 Jahre alte Schulknabe Klein in Michelsdorf treibt sich seit vierzehn Tagen vagabundierend umher. Die Orts- und Ortspolizei-Behörden, sowie die Gendarmen sind ersucht worden, nach dem Klein zu fahnden und im Betretungsfalle den Landrat in Lüben zu benachrichtigen.


17.11.1906
Lüben. Einen schrecklichen Tod fand in Töschwitz ein neunjähriges Mädchen. Die Mutter hatte es auf einen Wagen gesetzt, um es auf den Schulweg bis nach Thiemendorf zu bringen. Das Kind lehnte sich an den hinteren Wagenschub an, dieser fiel herab und das Kind stürzte rücklings nach. Von einem angehängten Wagen wurde das Kind überfahren und getötet.


20.11.1906
Lüben. Auf gräßliche Weise zu Tode gekommen ist der Müllermeister Hermann Wehner in Braunau, Kreis Lüben. Als ihm am Abend das Dienstmädchen das Essen zur Mühle brachte und er auf ihren Ruf nicht antwortete, suchte sie ihn und bemerkte mit Schrecken, daß der Mann im Getriebe der Mühle steckte. Die Frau des Verunglückten, welche sofort herbeigeholt wurde, konnte nur noch den lebenlosen und schon erstarrten Körper ihres Mannes aus den Rädern befreien. Der Hinterkopf, die Brust und Arme waren total zerquetscht. Wie der Verunglückte in das Getriebe gekommen, ist nicht zu ermitteln. Man nimmt an, daß er mit dem Rockärmel hineingezogen worden sei. Der so schrecklich ums Leben Gekommene ist erst 34 Jahre alt und hinterläßt eine Witwe mit drei kleinen Kindern.


24.11.1906
Lüben. Beim Pferderennen des Dragonerregiments Nr. 4 kam Leutnant von Wiedebach mit seinem Pferde so unglücklich zu Fall, daß er sich eine Gehirnerschütterung zuzog. Das Befinden desselben ist indes ein gutes.

Kotzenau. Die Handschuhindustrie, die seit Jahren eingegangen ist, scheint wieder zu neuem Leben zu erstehen, da eine auswärtige Firma zurzeit Näherinnen anwirbt.


27.11.1906
Lüben. Die Firma Lenz & Co. in Berlin hat sich bereit erklärt, den Ausbau der Strecke Lüben-Kotzenau zu übernehmen. Auch die Interessenten haben sich durchgehend sehr entgegenkommend gezeigt. Damit ist die Verwirklichung des lange geplanten Eisenbahnbaues so gut wie gesichert. Die Strecke Lüben-Kotzenau wird etwa 24 Kilometer lang sein. Die geht an der Chaussee entlang nach Oberau, dicht an Gläsersdorf vorüber, um alsdann Braunau zu berührenn, worauf sie kurz vor Seebnitz die Chaussee durchschneidet; an Seebnitz führt sie entlang, um alsdann über Groß-Kotzenau nach Stadt Kotzenau zu gehen. Die Bahn wird als vollspurige Bahn ausgebaut werden.


27.11.1906
Kotzenau. Ein Sinken der Preise für Schweine macht sich gegenwärtig in einigen Ortschaften unserer Umgebung bemerkbar. Hiesige Fleischer konnten seit Monaten Schweine pro Zentner unter 50 Mk. nicht erhalten, heute kaufen sie den Zentner zu 45-50 Mk.

Wird fortgesetzt!