Katholisch-apostolische Kirche
Kapelle der Irvingianer, Turnhalle, Bismarck-Denkmal, Reservelazarett
Evangelische Volksschule














zuletzt Turnhalle Lüben, davor Bismarck-Denkmal

Im Jahre 1877 hatte der Rittergutsbesitzer Weber aus Hummel-Radeck eine Kapelle für die damals Irvingianer genannte Religionsgemeinschaft in der Haynauer Straße bauen lassen. Sie war am 25. November 1877 durch Bolko Freiherrn von Richthofen (1821-1899) geweiht worden. Trotz aufopferungsvoller Arbeit gelang es nicht, mehr als 6-8 Lübener Familien für die Mitgliedschaft zu gewinnen, so dass das Bethaus schließlich zehn Jahre später zum Verkauf angeboten wurde.
Quelle: Klose-Chronik S. 309/310

Im Jahre 1888 erwarb der Männer-Turn-Verein das Bethaus der Apostolischen Gemeinde und baute dasselbe zur Turnhalle um. Im Inneren wurde die Halle von Postsekretär Gregor mit einer Büste Friedrich Ludwig Jahns geschmückt, vom Kreis-Rendanten Anders mit der Büste Kaiser Friedrichs III. - die Konsolen dedizierte Tiefbauunternehmer Gustav Anderssohn -, vom Kaufmann Elkusch mit der Büste Kaiser Wilhelm I., zu welcher Dentist Hoffmann die Konsole lieferte. Fotograf Härttwig stiftete ein großes Bild des Vorsitzenden Gustav Wolf und ein solches des Ehrenmitgliedes des Vereins, Sr. Exzellenz Generalleutnant Hann von Weyhern. Oberstleutant von Wiedner (Kniegnitz) schenkte ein Bismarckbild für die Turnhalle. 1890 hatte Sr. Majestät Kaiser Wilhelm II. dem Verein die Rechte einer juristischen Person geschenkt. Auf Grund dieser Errungenschaft erhielt der Verein 1892 die Erlaubnis zur Veranstaltung einer Lotterie, deren Ertrag von 600 Mark half, die Erwerbskosten der Turnhalle zu decken. Durch ein am 22. Januar 1898 von der 5. Eskadron des Lübener Dragoner-Regiments unter Leitung des Wachtmeisters Kressin im Ankersaal veranstaltetes Theater wurden als Reinertrag für das Bismarck-Denkmal 80 M gespendet. Durch ein von Kantor Paul Irmler am 27. März veranstaltetes Konzert flossen dem Denkmalsfonds wieder 341 M zu. Die Gartenanlagen ließ Fabrikbesitzer Langer auf seine Kosten anlegen. Für den Drahtzaun gab Postsekretär Gregor einhundert Mark.

Architekt Kleinert aus Berlin, der die Vorarbeiten für das Bismarck-Denkmal unentgeltlich lieferte, schmückte den Giebel der Turnhalle mit den vier "F" der Friedrich-Ludwig-Jahn-Bewegung:

Frisch sei der Mut - das Höchste zu erringen;
Froh sei der Sinn - beim Becherklang zu singen;
Fromm sei das Herz - die Welt in Lieb' zu fassen;
Frei sei dein Geist - sie einstens zu verlassen.

Nach einem an den Fürsten Bismarck gerichteten Bittgesuch erhielt der Verein zwei Eichen aus dem Sachsenwalde. Die Pflanzung derselben und die Grundsteinlegung des Bismarck-Denkmals erfolgte am 5. November 1897. Nach dem Gesange das Bismarckliedes hielt der Vorsitzende des Männerturnvereins die Festrede. Der vom Architekt Kleinert (Berlin) gefertigte Entwurf für das Bismarck-Denkmal fand allgemeinen Beifall.

Die Enthüllung des Bismarck-Denkmals mit der von Bierling (Dresden) gegossenen Büste fand am 25. September unter Beteiligung fast aller Lübener Vereine statt. Dr. Toeplitz legte im Namen der Deutschen Turnerschaft einen Kranz nieder, und ebenso General Hann von Weyhern. In einer Festsitzung im "Anker" wurde Architekt Kleinert zum Ehrenmitglied ernannt. Im Anschluß an die Festsitzung fand abends im "Hotel zum Löwen" ein Festessen statt. Leiter desselben war der Vorsitzende des MTV Lüben Gustav Wolf. Lehrer Mayer trug einen von Sanitätsrat Dr. Baer gedichteten Prolog vor. Der Männergesangsverein sang das Deurschlandsbannerlied, Oberst von Tresckow brachte den Kaisertoast aus, und Pastor Wolf (Ossig) hielt die Festrede. Hierauf überreichte der Vorsitzende Herrn General Hann von Weyhern eine künstlerisch ausgestattete Dankadresse in einer mit Silber beschlagenen blausamtnen Hülle. Für den folgenden Tag hatten General Hann von Weyhern und Gemahlin zu einem Festessen im "Grünen Baum" die Spitzen der Königlichen und Städtischen Behörden, die Vorstände des Turnvereins und der Schützengilde eingeladen.

Nach: Lübener Heimatblatt 15/1963

Während des 1. Weltkrieges diente das Gebäude als Reservelazarett. Wie mag das Leben der jungen Männer danach weitergegangen sein? Brannten sie darauf, nach ihrer Genesung für Kaiser und Vaterland ihr Leben ganz zu opfern?


Orthodoxe Kirche in Lubin

Inzwischen ist die Entweihung der Kapelle in Kaisers Zeiten und ihre Verwandlung in eine Turnhalle rückgängig gemacht worden.


Heute ist das Gebäude
wieder ein Gotteshaus,
eine orthodoxe Kirche.