Gemeinde Kriegheide mit Ortsteil Tirlitz
Gemeinde Krummlinde
Kriegheider Einwohner














Kriegheide in:  Alphabetisches Verzeichnis der Stadt- und Landgemeinden im Gau Niederschlesien 1939

Kriegheide [1939]
Gemeinde, Kreis Lüben, 24 km, Post Lüben-Land, mit Ortsteil Tirlitz, 217 Einwohner, 65 Haushalte, Flurgröße 442 ha, 2 Gemeinderäte, Bürgermeister Schulz, Fernsprecher (öffentlich), Landratsamt, Finanzamt, Amtsgericht, Versicherungsamt, Landkrankenkasse, AOK Lüben / Regierungsbezirk, Landgericht, Arbeitsgericht, Versorgungsamt Liegnitz / Arbeitsamt Liegnitz, Nebenstelle Lüben / Standesamt Parchau / Schulgemeinde Kriegheide / Gendarmeriebezirk Kotzenau / nächster Personen-, Güterbahnhof Kotzenau 6 km / nächste Kraftposthaltestelle Kriegheide.
Vorhanden: Elektrisches Stromverteilungsnetz, 1 Volksschule

Tirlitz in:  Alphabetisches Verzeichnis der Stadt- und Landgemeinden im Gau Niederschlesien 1939

Tirlitz [1939]
Ortsteil, Gemeinde Kriegheide, Kreis Lüben, Post Parchau über Lüben, 20 Einwohner, 5 Haushalte, nächster Personen-, Güterbahnhof Kotzenau 7 km / nächste Kraftposthaltestelle Kriegheide oder Parchau je 1 km

Aus: Alphabetisches Verzeichnis der Stadt- und Landgemeinden im Gau Niederschlesien mit den dazugehörigen Ortsteilen, Kolonien, Siedlungen usw., Kurt-Gruber-Verlag Wirtschaft Recht, Dresden, 1939

Kriegheide in: Amtliches Landes-Adressbuch der Provinz Niederschlesien 1927 Kriegheide [1927]
Dorf Kreis Lüben Regierungsbezirk Liegnitz Gemeindevorsteher Schulz Post Jakobsdorf Eisenbahnstation Güterladestelle Kotzenau Entfernung 7 km Amtsgericht Kreissparkasse Finanzamt Gewerbeamt Lüben Landgericht Elektrizitätswerk Liegnitz ( Kraft 550 Volt Licht 220 Volt Drehstrom) Zollamt Polkwitz evangelische Kirche und Volksschule Fortbildungsschule zugehörig: Häusergruppen Tirlitz
Dehmel, Emil, Tischlerei
Melde, Paul, Schuhmachermeister
Mischke, Hulda, Zigarrenmacherin
Nixdorf, Emma, Hebamme
Nixdorf, Wilhelm, Tischlermeister
Porst, Hermann, Schuhmachermeister
Schliebs, Fritz, Bäckerei
Thomas, Ida, Tischlerei
Thomas, Paul, Fahrradhandlung
Trevert, Fritz, Gastwirt
Warmuth, Gustav, Fahrradhandlung
Züchner, Oskar, Gastwirt

aus: Amtliches Landes-Adressbuch der Provinz Niederschlesien für Industrie, Handel, Gewerbe, Verlag August Scherl, Breslau, 1927

Kriegheide in: Alphabetisches Verzeichnis sämtlicher Ortschaften der Provinz Schlesien 1913

Tirlitz in: Alphabetisches Verzeichnis sämtlicher Ortschaften der Provinz Schlesien 1913

Kriegheide [1913]
Dorf: Kreis Amtsgericht Lüben 24 km; Post Jacobsdorf (Bezirk Liegnitz) 4 km; Eisenbahnstation Persel 4 km; Amtsbezirk Standesamtsbezirk Parchau; evangelisches Kirchspiel Kriegheide; katholisches Kirchspiel Kotzenau;
246 Einwohner

Tirlitz [1913]
Kolonie [Kriegheide]: Kreis Lüben 24 km; Post Parchau (Schlesien) 2 km; Eisenbahnstation Persel 5 km;
[28 Einwohner]

aus: Alphabetisches Verzeichnis sämtlicher Ortschaften der Provinz Schlesien, Verlag Wilhelm Gottlieb Korn, Breslau 1913

Kriegheide und Tirlitz auf der Kreiskarte Lüben 1935

Kriegheide in Nachschlagewerken von 1789 und 1845

Grenzkirche zu Kriegheide



Fritz Schliebs' Bäckerei und Warenhandlung, Schule, Kirche, Kriegerdenkmal

Fritz Schliebs' Bäckerei und Warenhandlung, Schule, Kirche, Kriegerdenkmal (1940)


Kriegheide: Pfarrhaus, Kirche, Gasthof zur Hoffnung Inhaber Hermann Röhr, Carl Senftlebens Warenhandlung

Kriegheide: Pfarrhaus, Kirche, Gasthof zur Hoffnung Inhaber Hermann Röhr, Carl Senftlebens Warenhandlung.
Mit einem herzlichen Dank an den uneigennützigen Sammler Reinhard Fitzner!

Kriegheide: Kirche, Bäckerei und Warenhandlung Fritz Schliebs, Pfarrhaus, Kriegerdenkmal

Kriegheide: Kirche, Bäckerei und Warenhandlung Fritz Schliebs, Pfarrhaus, Kriegerdenkmal

Kriegheide: Dehmel's Warenhandlung, Schule, Kriegerdenkmal, Kirche

Kriegheide: Dehmel's Warenhandlung, Schule, Kriegerdenkmal, Kirche

Kriegheide 1906: Warenhandlung von Senftleben, Irrgang's Gasthaus, Kirche

Gruss aus Kriegheide, den 8.8.1906
Meine liebe Mutter!
Wie lange gedenkst Du und Trude noch in Cottbus zu bleiben? Falls Du die Schlüssel brauchst, bitte um Nachricht! Die ganze Woche habe ich noch hier zu thun. Sonst geht's leidlich. Herzliche Grüße an Trude, Onkel, Tante und an Dich Dein Dich liebender Sohn Paul


Kriegheide

In der schlesischen Heide, umgeben von Wald, liegt am Rande des Kreises Lüben unser Heimatdörfchen Kriegheide. Es zieht sich etwa 2 km hin und zählte einst rd. 220 Einwohner. Hier fanden wir kleinere und mittlere bäuerliche Betriebe und einige Arbeiterfamilien, die im nahen Kotzenau ihren Verdienst fanden.

Der Wanderer, der sich unserem Dorfe näherte, nahm schon von weitem von dem Wahrzeichen unseres Dorfes, der evangelischen Grenzkirche, Kenntnis, die in diesem Jahre das 300jährige Jubiläum feiern würde. In der Dorfmitte stand unsere Kirche, daneben das Schulhaus. Wir fanden zwei Tischlereien, zwei Reparaturwerkstätten, zwei Gasthäuser, drei Lebensmittelgeschäfte und eine Bäckerei (1898 eingerichtet). So konnte sich ein Dorf mit dem Nötigsten versorgen und bildete eine gute Gemeinschaft, die sich in vielen Dingen zum Wohle der Allgemeinheit auswirkte.

Kantor Waschipki verstand es, seinen Gesangverein zu leiten und mit diesem etwas zu schaffen, was für ein kleines Dorf anerkennend erwähnt werden muß. - Unter der Leitung der Herren Waschipki und Dehmel schuf sich die Dorfgemeinschaft aus der alten Kiesgrube einen Dorfanger, auf dem zwei Podien errichtet wurden, so daß hier jeweils 400 Sänger Platz fanden. Der Gesangverein hielt alljährlich im Gasthaus Dehmel das Wintervergnügen ab, bei dem stets ein Theaterstück aufgeführt wurde, wobei man immer erkennen konnte, wie schlesisches Brauchtum gewahrt und gepflegt wurde. So sah man den Gesangverein geschlossen in schlesischer Tracht.

Der Wanderer, der im Dorf Einkehr gehalten hatte, wurde von der Blumenpracht im Grundstück des Bäckermeisters Schliebs angezogen. So denken wir noch gern an die Blütenpracht der 600 Dahlienstöcke, die ein besonderes Prunkstück darstellten und von der Blumenliebe des Besitzers zeugten.

Die Einwohner dieses kleinen Dorfes sind in alle Winde verstreut, in unseren Gedanken aber finden wir uns immer wieder daheim...

Heinz Schliebs in LHB 11/1956

Kriegheide: Kirche, Pfarrhaus, unten rechts Schule

Kriegheide: Kirche, Pfarrhaus, unten rechts Schule, Hofbesitzer links: wer kennt den Namen?


Die Grenzkirche in Kriegheide

Martin Rinkart und Paul Gerhardt sangen aus vollem dankbaren Herzen dem Herrn ihre Loblieder, daß er nach seiner großen Barmherzigkeit dem armen, schwer heimgesuchten, fast verbluteten Deutschland nach den dreißig Jahren Krieg, des schrecklichsten von 1618 bis 1648, wieder Frieden bescherte. Der Westfälische Frieden brachte aber nicht überall die ersehnte Religionsfreiheit. Besonders in Schlesien begann nach dem Kriege für die Evangelischen in vielen Landesteilen eine Zeit schwerer Bedrückung und Verfolgung. Im Feuer der Trübsal sollten viele treue Bekenner des Evangeliums ihren Glauben bewähren. Trotz aller demütigenden Bitten und Vorstellungen seitens treu-evangelisch gesinnter Adliger in Schlesien. Bei Kaiser Ferdinand III. und Leopold I. wie auf den Reichstagen zu Regensburg (1653, 1654, 1663) wurde den Evangelischen namentlich in den Fürstentümern Breslau, Schweidnitz, Jauer, Glogau und Sagan Religionsfreiheit, welche sie über 100 Jahre und zum Teil schon länger genossen hatten, nicht mehr gewährt. Die Gegenreformation, welche wesentlich in der Wegnahme der Kirchen und in der Verjagung der lutherischen Pastoren gipfelte, wurde auch in solchen Städten und Dörfern, deren Bewohner alle evangelisch waren, gewaltsam durchgeführt, so auch im Glogauer Fürstentum. Das waren tränenreiche Tage von Advent 1653 bis Ostern 1654 für viele Tausende treuer Christen, die ihren evangelischen Glauben nicht verleugnen wollten. Zu diesen gehörten auch meine Vorfahren in Weißig und Parchau.

Kriegheide: Palmenbaum in der Kirche, Evangelische Kirche, Pfarrhaus

Am 7. Februar 1654 wurden in Parchau, am 9. Februar 1654 in Weißig Kirche und Pfarre von den Römischen in Besitz genommen. Die Gemeinden blieben ganz evangelisch, die katholischen Priester hielten die Messe meist nur mit ihren Küstern vor leeren Kirchenbänken ab. So geschah es auch in Primkenau, Thamm (später Buchendamm), Kunzendorf und in vielen anderen Dörfern. Man ließ den Evangelischen nur das Recht, die wenigen Gnadenkirchen in Schlesien zu besuchen. Das war für viele, die zehn Meilen und mehr bis zu diesen Kirchen wandern mußten, unerträglich. Mir selbst sind noch viele Fußwege bekannt, die diese Kirchenbesucher zur Abkürzung der Wegstrecke geschaffen haben. Doch der Herrgott sorgte bald für die verstörten und beängstigten Bekenner. Der Besuch der nächstliegenden Gotteshäuser der benachbarten evangelischen Fürstentümer, wie Liegnitz, Brieg und Wohlau, dann der sächsischen und brandenburgischen Lande wurde ihnen gestattet.

So entstanden Grenzkirchen. Einige Kirchen wurden als Zufluchtsstätte für die verfolgten Evangelischen auch neu an den Grenzen erbaut. Zu letzteren gehört auch die Kirche in Kriegheide für die Gemeinden im südlichen Teile des Glogauer Kreises und im östlichen Teil des Kreises Sprottau, wo sie in den Jahren 1656 bis 1741 den Trost des Wortes Gottes und der heiligen Sakramente fanden.

Kriegheide war ein kleines Vorwerk von Klein-Kotzenau und seit 1540 in das evangelisch-lutherische Kotzenau eingepfarrt. Erhard schreibt in seiner Presbyterologie des evangelischen Schlesiens (1730 bis 1789 herausgegeben) über Kriegheide folgendes: "Die zwei Dörfer Kriegheide und Tirlitz sind zu einer Gemeinde kombiniert und waren vor der Stiftung hiesiger Kirche nach Kotzenau eingepfarrt, daher auch der Pastor von Kotzenau noch jetzt den Decem von Kriegheide und Tirlitz jährlich in Empfang nimmt. Es war dieser Ort in den letzten Jahren des Dreißigjährigen Krieges ganz verwüstet und die Einwohner verstreut. Als 1664 die erste Generalkirchenvisitation gehalten wurde, hatten sich wiederum 23 Wirte (allesamt blutarme Leute, wie es im Protokoll heißt) allhier ansässig gemacht."

Der Palmenbaum in der Grenzkirche zu Kriegheide

Über und neben dem alten Scheunenbansen, in dem zwei Jahre die Gottesdienste stattfanden, wurde nach Osten zu das Gotteshaus errichtet. Mit großem Eifer wurde der Kirchenbau betrieben. Der Rohbau aus schönsten, kernigen Kiefern und Eichenholz wurde bis zum 17. September 1656 fertiggestellt. Wolf Alexander von Stosch, der ältere der genannten Brüder, wurde Patron der Kirche und hat derselben mit seiner frommen Gemahlin, geborenen von Kottwitz, stets durch große Opfer seine Liebe bezeugt. Davon gibt die Inschrift auf der großen Glocke, die 1670 angeschafft worden ist, einen deutlichen Beweis. Dem Vorbild des gütigen Patrons folgend, haben auch die Gemeinden und ihre Gutsherren viel freiwillige Opfer gebracht, wiewohl sie in dieser Zeit, acht Jahre nach dem Dreißigjährigen Kriege, wenig vermögend waren.

Der Chronist schildert sodann einiges über die äußere und innere Entwicklung des kirchlichen Lebens in der Kriegheider Grenzkirche. Von den Gutsherren aus den Orten des Glogauer Fürstentums, welche sich seit 1656 nach Kriegheide hielten, sind besonders die frommen Herren von Schkopp auf Kunzendorf, Ottendorf und Parchau zu nennen, welche bei Erbauung und zur inneren Ausschmückung wie zur Erhaltung der Kriegheider Kirche viel getan haben. Der einfache, aber würdige freundliche Altar ist ein Geschenk des Herrn von Schkopp auf Kunzendorf vom Jahre 1657 im September, also wohl zum ersten Kirchweihfest.

Wie sehr man bestrebt gewesen ist, die neue Kirche so viel wie möglich würdig und in recht biblisch-evangelischem Sinne zu schmücken, das zeigen die biblischen Bilder an den Emporen. Fast alle Hauptmomente der heiligen Geschichte des Alten und des Neuen Testamentes kommen zur Darstellung. Die meist recht treffenden Verse unter den Bildern sind der Ausdruck eines lebendigen Glaubens und innerer Versenkung in das Schriftganze. Diese Bilder, wie auch die übrige Malerei an den Wänden und an der Decke, stammen aus den Jahren 1684 bis 1688. In den alten Kirchenrechnungen finden sich darüber interessante Mitteilungen und Vermerke über die erheblichen Kosten für diese Malerei, zu denen aus den Gemeinden viele freiwillige Gaben dargebracht worden sind.

Der damalige Pfarrer, Daniel Ebersbach, gab vielfache Anregung zur inneren Ausschmückung der Kirche. Unter seinem Bilde, das in der Kirche hängt, finden sich die Worte: "... war zwanzig Jahre bemüht, daß dieses Gotteshaus blüht an Zierat, Ordnung, Christentum, itzt blüht in Gott und Tod sein Ruhm."

Zur selben Zeit ist in der Mitte der Kirche vor der Kanzel der merkwürdige Palmenbaum errichtet worden - eine Einrichtung ganz seltener Art, die wohl einzig dasteht. Was hat dieser merkwürdige Palmenbaum zu bedeuten? Er sagt uns, daß man in Liebe und Not erfinderisch wird. Reichte früher der Scheunenbansen nicht aus, die andächtigen Bekenner des Evangeliums, die sich hier in Kriegheide versammelten, zu fassen, so reichte bald auch das Schiff der großen neuen Kirche nicht aus, auch die Emporen und Logen nicht, die herzuströmenden Gemeinden zu fassen. Man durchbrach die Decke, brachte auf dem Kirchenboden, nach Süden, ein großes Fenster an und Aufgänge von außen. So fanden viele Hunderte Platz auf dem Boden. Sie wollten nichts sehen, nur hören - das Wort des Lebens. Wahrlich, ein schönes Bekenntnis der Demut und Treue! Wie viele würden wohl in unserer Zeit bereit sein, jahrzehntelang mit einer solchen Kirchstelle vorliebzunehmen? - Die Zweige des Palmenbaumes, eine hübsche, durchaus kunstfertige Arbeit in Holzschnitzwerk, deckten die Öffnung zur oberen Versammlung.

Der Turm ist im Jahre 1670, vierzehn Jahre nach Gründung der Kirche, erbaut, und die schöne, große Glocke wurde in dem gleichen Jahre angeschafft. Patron und Gemeinde scheuten hierbei keine Kosten. Man schätzt den Wert dieser Glocke auf mindestens 500 Taler. Sie ist reich an Inschriften, die zugleich ein Zeugnis opferfreudiger Liebe und fröhlichen Bekennermutes sind. Am Glockenrande ist der schöne Spruch (Psalm 12, V. 6) zu lesen: "Weil denn die Elenden verstört werden und die Armen seufzen, will ich auf, spricht der Herr, ich will eine Hilfe schaffen, daß man getrost lehren soll." Auf der Abendseite finden sich zwei lateinische Verse, in denen die Worte vorkommen: Testis ego exilli duri (ich bin Zeuge des harten Exils), auf der Ostseite steht: anno 1670 clangor ut aures - Concio sie mentes, darunter deutsch: Glockenklang in Ohren klinge, Gottes Wort das Herz durchdringe. Dann folgen die Namen: Georgius Petzoldus, Pfarrer, Johann Dorn, Schulmeister, Caspar Logisch, Christoph Ilner, Kirchväter. - Fusa a (gegossen von) Schroetero (in Liegnitz).

Die kleine Glocke wurde im Jahre 1685 für 100 Taler aus dem durch reiche Einlagen in den Kirchensäckel allmählich entstandenen Kirchenärar angeschafft. Der obere Rand hat eine schöne Verzierung mit Engeln. Die Inschrift lautet: Gloria soli Deo. Darunter deutsch: "Dem wahren Gott allein soll stets die Ehre sein! Sigmund Götz goß mich in Breslau 1685." Bald darauf wurde eine Orgel auf dem Chore der Westseite erbaut, worüber in den Akten keine näheren Angaben zu finden sind.

Der Palmenbaum in der Grenzkirche zu Kriegheide

Nun noch etwas über die Ausdehnung des Grenzkirchspiels Kriegheide. Wurden bei der Gelegenheit der Kirchenvisitation im Jahre 1674 in Kriegheide 3500 Kommunikanten pro anno und 150 Taufen angemerkt, so stiegen diese Zahlen in den darauf folgenden Jahren, namentlich im Anfang des 18. Jahrhunderts, bedeutend. Die politische Ohnmacht des habsburgischen Kaiserhauses, die aufsteigende Macht des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm und besonders das energische Auftreten des Königs von Schweden Karl XII. für die Evangelischen in Schlesien bewirkte 1706 wohl, daß auch im Glogauer Fürstentum die Hoffnung und Freudigkeit der evangelischen Bekenner wuchs, und obwohl nach dem Erlöschen des evangelischen Herzoglichen Hauses des alten Piastenstammes in Liegnitz dieses Land unter die Herrschaft der römisch-katholischen Königlich Böhmischen Regierung kam (November 1675), nahm der Zulauf zu den Liegnitzer Grenzkirchen, so auch nach Kriegheide, sichtlich zu.

Die Zahl der Kommunikanten stieg seit 1674 von 3500 allmählich bis auf 11 500, ebenso stieg die Zahl der Taufen, wie die noch vorhandenen Taufbücher (seit 1656) nachweisen. 1674 waren nur 150 Taufen, so aber gibt es Jahrgänge, die 200 und mehr Taufen aufweisen; 1683: 253 - 1698: 269 - 1708: 334 - 1729: 304. Nach der Eroberung durch Friedrich den Großen wurde den Evangelischen alsbald das Recht gewährt, in ihren Heimatorten Bethäuser zu errichten und ungehindert - zunächst unter freiem Himmel und in größeren Räumen, so auch in Primkenau, Buchwald, Kunzendorf und in vielen anderen Orten - wieder Gottesdienste zu veranstalten. Und damit hörte mit dem Jahre 1741 auch die große Kirchfahrt nach Kriegheide auf.

Wenn ich nachstehend noch die Orte aufführe, die in dieser Notzeit Kriegheide für die kirchlichen Handlungen aufsuchten, kann man ermessen, wie groß die Unterdrückung der Evangelischen in dieser Zeit war. Folgende Orte waren in den Kirchenakten verzeichnet: Aus dem Kreise Sprottau: Primkenau, Krampf, Karpfreiß, Baierhaus, Neuvorwerk, Lauterbach, Heidau, Langen, Armadebrunn, Wolfersdorf, Neithart, Petersdorf, Klein-Gläsersdorf, Weißig, Haselbach, Klein-Heinzendorf, Zeisdorf, Ottendorf, Langheinersdorf, Giesmannsdorf, Niederleschen, Oberleschen, Reuthau, Wichelsdorf, Walddorf, Altgabel, Scheibe, Dittersdorf, Metschlau, Ludwigsmühl, Sprottisch-Kauche, Giesdorf, Ebersdorf. Der Weg vom letztgenannten Ort betrug ca. 30 km. Aus dem Kreise Glogau: Kunzendorf, Neuhammer, Neudeck, Thamm, Buchwald, Klemnitz, Groß-Logisch, Wiesau, Jakobskirch, Quaritz, Polkwitz, Nieder-Polkwitz, Arnsdorf, Neusorge, Oberzauche, Greif, Töppendorf, Wirchwitz, Heinbach, Leipe, Pudel, Andersdorf, Rensdorf. Aus dem Kreise Freystadt: Beuthen an der Oder. Aus dem Kreise Lüben: Herbersdorf, Neuguth, Neudorf, Wengeln mit Mühlheide, Jakobsdorf.

Die Leidenszelt der Evangelischen erstreckte sich über 90 Jahre. Entnommen wurden diese Aufzeichnungen verkürzt aus einer Schrift, die der von 1881-1921 in Kriegheide amtierende Pastor Friedrich Baltzer herausgegeben hat. Hinzugefügt wurden von mir nur die noch in meiner Jugend aus dieser Zeit bestehenden Kirchstege. Es wäre mir eine Freude, wenn diese Aufzeichnungen nicht nur von den älteren Lesern zur Kenntnis genommen würden sondern wenn auch unsere Jugend teilnimmt an dem, was in unserer schlesischen Heimat vor hunderten von Jahren geschah.

Richard Hoffmann, früher Roggendorf, Kr. Glogau, in LHB 3-6/1965


s. auch Informationen über die Kirche in den Berichten der Provinzial-Konservatoren zwischen 1896 und 1934. H. T.
NTZ Folge 279 vom Sonnabend, dem 28. November 1936 / 6. Beilage - Schlesiens Land und Volk
(NTZ: Niederschlesische Tageszeitung wurde 1943 mit dem Liegnitzer Tageblatt - LiTa - zusammengelegt.)
Eine sterbende Mühle erzählt Geschichte
Vom Pachtkorn, von Rechten und Pflichten des Müllers, der "anständig" gegen seine Herrschaft sein muß
Kriegheide, 28. November
In unserm Dörfchen, das bekannt ist durch die schöne alte Grenzkirche, steht noch ein Zeuge längst vergangener Zeit. Die alte Windmühle, die seit Jahrzehnten schon nicht mehr in Betrieb, langsam ihrer Todestunde entgegen geht. Die Mühle, die heute etwa 200 Jahre alt ist, zeugt von der Zeit, da der Mensch noch nicht die ungeheuren neuen Errungenschaften der Arbeitstechnik kannte, sondern in der er die Arbeitskraft nahm, wie sie ihm die Natur bot. In unserer wasserarmen Heide war der Wind die große Kraftquelle. Diese nutzte man durch die großen Windmühlen, von denen manche schon stumm geworden und verschwunden ist. Die beiden Jakobsdorfer Windmühlen drehen noch lustig und klappernd ihre Flügel, während die Kriegheider Mühle seit Jahrzehnten ruht und verfällt.
Den alten Urkunden nach ist die Mühle kurz nach 1730 erbaut worden. Ihr erster Besitzer war ein Friedrich oder Heinrich Pusch, der wahrscheinlich auch ihr Erbauer war. Die Mühle ist eine große Bockmühle. Die mächtigen Balken des Bockes setzen heute noch den stillen Beschauer in Verwunderung. In den 200 Jahren haben 8 Müller dort ihr Handwerk getrieben und den Erntesegen zu Mehl gemahlen. Ehe die Gutsdienste abgelöst wurden, zinste die Mühle der Herrschaft in Kotzenau. Wenn auch auf der Mühle eine bedeutende Zinssumme ruhte, so genoß doch der Müller allerlei Vorteile. Zumal die Herrschaft ein großes Interesse daran hatte, die Mühle in Betrieb zu halten. Aus einem alten Vertrage vom 25. Oktober 1783, in dem ein Johann Gottfried Scholtz die Mühle und die dazugehörige Häuslerstelle für 250 schlesische Thaler erwirbt, gehen die Leistungen und Lasten genau hervor.
Der Besitzer, dem die Mühle als Erbeigentum gehört, zahlt der Herrschaft jährlich 30 Scheffel Pachtkorn "rein wie es in den Metzkasten geschüttet wird" und zwei Scheffel Mengsel nach Breslauer Maß. Wenn es die Not erfordert, muß er auch das herrschaftliche Branntweinkorn schroten. Für das Schroten des herrschaftlichen Malzkornes erhält er "ein Mühmel Bier". Zum Schutze der herrschaftlichen Jagd muß er bei seiner Mühle vom April bis Michaelis den Habichtskorn aufstellen und erhält für jeden Habicht das festgesetzte Fanggeld.
Als Vergünstigung und Recht erhält der Müller alle Jahre 3 Beete gedüngten Acker zu Flachs, Kraut und Rüben auf dem Vorwerk Jakobsdorf. Er darf eine Kuh halten und auch vom herrschaftlichen Schäfer vortreiben lassen. Für diese bekommt er auch jährlich ein Fuder Heu oder Grummet. Für die Unterhaltung und Ausbesserung der Mühle hat der Müller stets selbst Sorge zu tragen. Er muß sich die Mühlsteine kaufen, die Steindrehhemme besorgen und Schmiede- und Zimmerlohn selbst bezahlen. Dagegen erhält er aber von der Herrschaft alle zehn Jahre eine neue Rolle, alle acht Jahre ein Paar neue Arme, alle drei Jahre einen Spließbaum und in zwei Jahren ein Fuder und eine Füderchen Schirrholz aus der herrschaftlichen Heide. Alle Fuhren für Holz und die Mühlsteine stellt ihm das herrschaftliche Wirtschaftsamt. Dafür ist er des weiteren verpflichtet, so lange die Mühle in seinem Besitze ist, den Betrieb sorgfältig und gewissenhaft wahrzunehmen. Insbesondere muß er Rücksicht auf die Herrschaft und die Mahlgäste nehmen. Wenn er die Mühle verkauft, hat er darauf zu achten, daß er sie einem verkauft, der das Müllerhandwerk versteht und der vor allen Dingen die Gewißheit gibt, daß er "sich der Herrschaft gegenüber anständig" benimmt. Klagen dürfen über ihn nicht kommen. Irgend einem Eigentumsvergehen am Korn der Kundschaft beugt man von Seiten der Herrschaft vor, indem man dem Müller verbietet, Hühner oder Tauben zu halten. Heute nun steht die Mühle verlassen da mit ihrem einen Flügel. Unbeachtet steht sie abseits vom Dorfe, und wohl selten denkt ein Vorübergehender daran, daß sie ein Zeuge vergangener Jahrhunderte ist.
(Dank für den Zeitungsausschnitt an Wolfgang Bartsch!)