Vorwerkstraße - benannt nach Lübens Bürgermeister 1875-1898














Vorwerkstraße auf einer Postkarte von 1917. Blick Richtung Haynauer Str.

Vorwerkstraße auf einer Postkarte von 1917. Blick Richtung Haynauer Str. Danke Tomasz Mastalski!


Der Lübener Bürgermeister Ernst Vorwerk

Die Straße war nach Ernst Vorwerk benannt, der von 1875 bis zu seinem Tod am 1.10.1898 Bürgermeister der Stadt Lüben war. Konrad Klose beschreibt ausführlich, welche Entwicklung die Stadt unter seiner Leitung nahm: "Es war eine der ersten Taten des Bürgermeisters Ernst Vorwerk, daß er die Stadtväter dazu zu bewegen vermochte, den Bau einer Wasserleitung zu beschließen, dessen Kosten durch eine Anleihe bei der Sparkasse gedeckt werden sollten. Er wurde in den Jahren 1875/76 ausgeführt. Das Rohrnetz war 4090 Meter lang; es wurde im Laufe der Jahre erweitert und war bis 1900 auf 5488 Meter gewachsen. So erheblich der Fortschritt gegenüber dem früheren Zustande war, so hafteten doch der Wasserleitung gewisse Mängel an. Die städtischen Brunnen auf der Brunnenwiese lagen nicht hoch genug, um dem Wasser den nötigen Druck zu geben, und, da eine Kanalisation fehlte, konnten nur in den neueren Stadtteilen die einzelnen Häuser an die Wasserleitung angeschlossen werden. Das Brunnensystem blieb bestehen, und "die Wasserfrage" war endgültig noch nicht gelöst...

Indes wurde eine andere Frage je länger je brennender, die der Kanalisation. Die tiefen Rinnsteine mit ihren üblen Gerüchen im Sommer und ihren breiten Eisflächen im Winter paßten nicht mehr in die aufstrebende Stadt. Die Parallelstraße, welche 1889 von der Stadt übernommen worden war, wurde 1892 kanalisiert, die Bahnhofstraße 1893/94; am 14. Januar 1898 faßten die städtischen Körperschaften den Beschluß, die innere Stadt zu kanalisieren. Bürgermeister Vorwerk erlebte nicht mehr die Durchführung des für die Stadt bedeutungsvollen Projekts, er starb plötzlich am 1. Oktober 1898. Die Entwässerungsanlage, deren Kosten durch eine Anleihe von 90 000 Mark gedeckt wurden, erfuhr in den nächsten Jahren noch manche Erweiterungen, sodaß nunmehr fast die ganze Stadt dieser Wohltat teilhaftig geworden ist. Die Vervollkommnung der Wasserleitung war hinfort nur eine Frage der Zeit. Unter der Ägide des neuen Stadtoberhauptes Otto Faulhaber ward sie rasch und zielbewußt durchgeführt...

Zu den alten Kunststraßen nach Breslau, Liegnitz und Steinau traten in den Jahren 1879-1883 die nach Kotzenau, Parchau und Raudten...

Ein voller Erfolg war der Stadt bezüglich der Garnison beschieden. Seit 1860 beherbergte sie 2 Schwadronen der 4. Dragoner in ihren Mauern. Sie waren nach damaligem Brauche in Bürgerquartieren untergebracht. Daß dieser Zustand nicht von Dauer sein konnte, war nach dem Kriege 1870/71 jedem Einsichtigen klar.

Vorwerkstraße Lüben

Blick in die Vorwerkstraße Richtung Bahnhof

In den Jahren 1872/73 wurde die kleine Kaserne als Privatbau errichtet und vom Militärfiskus gemietet. Aber die Ausbildung der Truppen forderte nicht bloß die Konzentration der Mannschaften in der Kaserne, sondern nicht minder die des Regiments in einem Standort. Bisher lagen die 4. Dragoner in Lüben, Haynau, Beuthen a. O. und Polkwitz verteilt. Welche der vier Städte sollte Garnisonort für das ganze Regiment werden? Ein lebhafter Wettstreit entbrannte: Lüben blieb Sieger, dank der energischen Hilfe des damaligen Regimentskommandeurs Hann von Weyhern, dem die Stadt am 25. Januar 1885 mit Fug und Recht das Ehrenbürgerrecht verlieh. Die Verhandlungen mit dem Militärfiskus wegen des Kasernenbaus begannen 1878. Am 20. Februar bezw. 24. Juni 1879 wurde mit der Intendantur des V. Armeekorps der Vertrag abgeschlossen, kraft dessen die Stadt ein Areal von 6 Hektar an der Mallmitzer Grenze unentgeltlich zur Verfügung stellte, die Herstellung der nötigen Zufahrtswege und der Gasleitung übernahm, 400 000 Stück Ziegeln zum Selbstkostenpreise und sämtliches Bauholz 10 Prozent unter dem Taxwerte zu liefern versprach. Der Beginn des Kasernenbaus verzögerte sich indes, da vorerst der Reichstag die Mittel bewilligen mußte. Das geschah 1881/82. Nun wurde der Bau rasch gefördert und am 1. Oktober 1884 von drei Schwadronen bezogen, die letzte rückte am 1. Oktober 1886 in Lüben ein. Die Vereinigung des Regiments in Lüben bedingte freilich noch manche andere Ausgabe. Eine zweite Magazinscheune wurde 1889, die dritte 1893, die vierte 1914, das Körnermagazin 1898 errichtet..."

Konrad Klose, Chronik der Stadt Lüben, S. 267 ff.

Ansicht des Hotels "Prinz Wilhelm" an der Ecke Vorwerkstraße/Bahnhofsplatz um 1908.
Gut lesbar der Inhaber und sein Angebot: Wein, Diverse Biere und Billard! Hermann Weihrauch. Danke Tomasz Mastalski!

Vorwerkstraße Ecke Hotel Prinz Wilhelm am Bahnhof

1929 Vorwerkstraße an der Ecke Bahnhofsplatz - Hotel Prinz Wilhelm. Blick vom Bahnhofsplatz Richtung Haynauer Str. Das Hotel gehört auch in diesen wirtschaftlich schweren Zeiten immer noch Hermann Weihrauch. Inzwischen wirbt er nicht mehr für Getränke und Billard, sondern teilt seine "Fernsprech"-Nummer mit!

Vorwerkstraße Lüben

Vorwerkstraße mit Blick Richtung Bahnhof, ganz am Ende links etwas verdeckt Hotel Prinz Wilhelm.

Vorwerkstraße Lüben

Mehwalds Wagenfabrik in der Vorwerkstraße, gegründet 1881. Die Aufnahme stammt aus der Zeit des 1. Weltkrieges.
Vor dem Haus stehen (von rechts) die Zwillinge Johanna und Margarete, Walter und Else Lorenz, deren Familie in der
oberen Etage wohnte. Mutter Lorenz schaut dort aus dem Fenster ganz links. Neben den Lorenz-Kindern die beiden
Mehwald-Söhne Hermann und Walter, die wie ihr Vater Fritz Mehwald seit 1944/45 verschollen sind, siehe Volksbund.

Das sogenannte Eisenbahnerhaus in der Vorwerkstraße. Links aus einem alten Fotoalbum, vermutlich der Eisenbahnerfamilie Bischoff. Rechts eine Aufnahme von Hans-Werner Jänsch aus den 1970er Jahren.