Luftbild und Informationen nach Johanna Danne, Gast auf Erden, Henske-Neumann Verlag Hofheim/Taunus, 1997.
Dort genannte Einwohner von Altstadt: Munderloh, Schreiber-Wilhelm, Seifert-Ernst, Weiß, Seifert-Berta, Hartert, Weidner, Scholz-Karl, Lange-Otto, Grosser-Karl, Hoffmann-Karl, Laux, Hohberg, Irrgang, Urban, Fengler, Kessel, Hoffmann-Paul, Schreiber, Friese, Helbighaus, Schägner, Liehr, Prüfer, Quack, Schneider.
Altstadt Kirche, C. Weigelts Gasthaus, Gartenpartie, Schloss.
18. Aug. 1900.
Lieber Bruder!
Bin vor 2 Stunden hier Altstadt
eingetroffen. Ich liege geradeüber von obigem Gasthof. Essen sehr gut heute. Der Gasthof ist hier noch besser. Kann es leider nicht ausnutzen. Soeben wird die "Hubris" auf Clavier und Geige gespielt. Morgen machen wir auf eigene Faust hier Tanzkränzchen. Sei so gut und schicke ein paar Groschen ab, ich brauch es notwendig. Mit herzlichem Gruß an Mutter Frieda, Paul (Adresse bleibt dieselbe)
Altstadt um 1920: Max Urbans Gasthof und Garten, Kirche, Dorfstraße
1917: Bäckerei und Kolonialwarenhandlung Alfred Weiss, Schloss, Kirche, Schule.
Mit einem herzlichen Dank an Klaus Thielsch!
Die Aufnahme links oben wird hier nur "Warenhandlung und Bäckerei" genannt. Aber die Aufschrift an der linken Seite des Hauses lässt erkennen "Fahrradhandlung Reparatur ... Fritz Löwen ..." An der rechten Hausseite ist lesbar: Motor- & Fahrr. - Darunter: Fritz Hohberg - Schmiedemeister. Einige Details lassen vermuten, dass diese Aufnahme während der Umbauarbeiten nach der Übernahme des Grundstücks durch Fritz Hohberg gemacht wurde. (Zuletzt gehörte die Schmiede übrigens Schmiedemeister Emil Irrgang. Davon ist jedoch kein Bild vorhanden.) Oben rechts Max Urban's Gasthaus, unten zwei Dorfpartien.
Lüben-Altstadt um 1928:
Hohberg's Schmiede und Warenhandlung, Urban's Gasthof, Dorfpartie, Kriegerdenkmal, dahinter Kirche und Friedhof
Schmiede von Adolf Stach um 1910. Er war der Vorgänger von Fritz Hohberg. Dank Tomasz Mastalski!
Und hier die gesamte Ansichtskarte. Wilhelm Schlaffke schreibt am 11.9.1910: "Liebste Mie! Übersende dir hiermit aus dem Speckquartier die herzlichsten Grüße und Busserln. Obiger Schmiedemeister hat die Ehre, mich und Semmler zu beherbergen. Dienstag früh geht's weiter. Heute über 8 Tage Neusalz in Schl. Nochmals Bussi, Wilhelm
Besten Gruß an Friedel
Auf der Rückseite dieser Karte vom Verlag J. Hiller, Lüben, Breitestr. 24 die Ergänzung:
Schreibe ok wieder mal. Werscht du? Beste Grüße an ganz Zehlendorf. W. Schlaffke, Manövergelände der 10. Division"
Altstadt 1925: Schloss, Schule, Dorfpartien
Lüben Altstadt: Schloss, Kirche, Warenhandlung und Bäckerei (s. oben), Schule. Dank an Tomasz Mastalski!
Altstadt bei Lüben
Altstadt war früher ein Dorf vor den Toren Lübens. 1922 wurde es eingemeindet, so daß die Altstädter Einwohner die Würde städtischer Bürger erhielten.
Bei dem Gehöft Schreiber (Nr. 1) begann die Dorfstraße, die sich - rechts und links umsäumt von Häusern - bis hinunter zur Zuckerfabrik zog.
Weite Flächen von Wiesen und Feldern erstreckten sich hinter den Häusern. Die Kotzenauer "Bimmelbahn" gehörte zum alltäglichen Bild. Wenn die nicht mehr ganz moderne Lokomotive mit ihren drei Wagen durch die Wiesen schnaufte - so daß man bei einiger Entfernung glaubte, man könne neben dem Gespann herlaufen -, dann wußten die Bauern auf den umliegenden Feldern, daß zu Haus das Mittagessen bereitstand.
Bei klarem Wetter grüßten in der Ferne Rübezahls Berge! Selten wurde der Dorffrieden durch aufregende Ereignisse unterbrochen. Gern gesehen waren die Lübener Reiter, die in dem stolzen Bewußtsein, hoch zu Roß zu sitzen, oft durch das Dorf galoppierten, um den Pferden in der Umgebung die nötige Bewegung zu verschaffen, sich selbst aber dabei in der Kunst des Reitens zu üben.
Neben der Bäckerei Röhrig befand sich die Dorfschmiede. Hier sah die Jugend oft genug dem Schmied Irrgang bei der Arbeit zu, wenn er furchtlos den Pferden die Hufe mit neuen Eisen beschlug. An ein Original des Dorfes erinnern wir uns gern - den Langner-Wilhelm. In der kalten Jahreszeit kam er auf die Gehöfte zum Federnschleißen. Ihm wurde nachgesagt, daß er einem guten Tropfen nicht abgeneigt sei und die Arbeit, wenn es ging, dann anderen überließ. Er war Junggeselle im besten Alter und deshalb bei der Weiblichkeit gern gesehen. Fast auf jedem Hof wurde er gefragt, wann er zu heiraten gedenke? Als Antwort kam: "Das muß meine Schwester Berta entscheiden."
In unserem Dorf wurde die tägliche Arbeit ohne Hast getan. Wir wissen nicht, wie es damit heute daheim wäre, wenn wir die Heimat nicht hätten verlassen müssen. Ob der Schmied überhaupt noch sein Brot verdienen könnte? Vielleicht wäre die Arbeit auch in unserem beschaulichen Städtchen fast restlos mechanisiert worden und die Straßen und Wege vom Motorenlärm erfüllt.
Wir aber haben unser Altstadt in schöner Erinnerung, mit einem Leben in Ruhe und Frieden, - uns gehörte diese Erde dort. Altstadt besaß nichts, was es anderen Ortschaften gegenüber besonders ausgezeichnet hätte - und doch, es war eben Heimat!
Gertrud Nowicki in LHB 11/1959