Postkarte des Gymnasiasten Günther Tscharntke von 1929
Soldaten grüßen den Kaiser 1931 im Exil














Der älteste Sohn des letzten deutschen Direktors des Lübener Gymnasium, Günther Tscharntke (1910-1976), besuchte selbst das Gymnasium. Am 4.6.1929 schrieb er die folgende Postkarte an seinen Onkel, den Bruder seiner Mutter, Kurt Sturm. Darin berichtet er über die Ergebnisse seiner Abiturprüfung.

S. H.
(Schrieb man damals noch an
"Seine Hochwürden"?)

Herrn Dipl.-Ing.
Kurt Sturm, Berlin-Steglitz, Zimmermannstr. 18

Lieber Onkel!
Gestern habe ich meine Reifeprüfung mit "Gut" bestanden. Ich habe alles gut außer Latein, Religion, Turnen.
Herzlichen Gruß
Dein Günther Tscharntke
Lüben/Schles.

Aus dem gleichen Jahr gibt es ein Foto mit ihm, auf dem Familie Tscharntke mit anderen Honoratioren der Stadt fröhlich und unbefangen Silvester feiert, wenige Jahre vor der Machtübernahme durch die NSDAP. Welchen Zwängen gerade auch Lehrer und deren Kinder in der NS-Zeit ausgesetzt waren, erfahren wir in den Erinnerungen von Konrad Feige, dem ältesten Sohn des bis 1933 amtierenden Bürgermeisters. Er berichtet über die Verstrickungen Günther Tscharntkes in das System und über dessen Rolle bei der Absetzung des demokratisch gewählten Bürgermeisters Hugo Feige. Wie sehr sich viele der Mitläufer DANACH für ihr Verhalten geschämt haben, macht auch Konrad Feiges Satz deutlich "Später wollte niemand etwas davon wissen." Günther Tscharntke wurde ein anerkannter promovierter Arzt.