Gemeinde Fauljoppe
Gemeinde Friedrichswalde














Fauljoppe in: Alphabetisches Verzeichnis der Stadt- und Landgemeinden im Gau Niederschlesien 1939

Fauljoppe [1939]
Gemeinde, Kreis Lüben, 8 km, Post über Lüben Schlesien, 179 Einwohner, 49 Haushalte, Flurgröße 463 ha, 5 Gemeinderäte, Bürgermeister Paul Knobloch, Fernsprecher Vorderheide 33, Landratsamt, Finanzamt, Amtsgericht, Versicherungsamt, Landkrankenkasse, AOK Lüben / Regierungsbezirk, Landgericht, Amtsgericht, Versorgungsamt Liegnitz / Arbeitsamt Liegnitz, Nebenstelle Lüben / Standesamt Ossig / Schulgemeinde Fauljoppe / Gendarmeriebezirk Krummlinde / nächster Personen-, Güterbahnhof Vorderheide 5 km / nächste Kraftposthaltestelle Vorderheide 5 km.
Vorhanden: 1 Volksschule, Genesungsheim für Tuberkulose

Aus: Alphabetisches Verzeichnis der Stadt- und Landgemeinden im Gau Niederschlesien mit den dazugehörigen Ortsteilen, Kolonien, Siedlungen usw., Kurt-Gruber-Verlag Wirtschaft Recht, Dresden, 1939

Fauljoppe in: Amtliches Landes-Adressbuch der Provinz Niederschlesien 1927




Fauljoppe in: Alphabetisches Verzeichnis sämtlicher Ortschaften der Provinz Schlesien 1913


Fauljoppe in Nachschlagewerken von 1789 und 1845

Fauljoppe auf der Kreiskarte Lüben 1935

Fauljoppe [1927]
Dorf Kreis Lüben Regierungsbezirk Liegnitz 75 Einwohner Gemeindevorsteher Gerlach Postamt Eisenbahnstation Güterladestelle Vorderheide Entfernung 3 km Amtsgericht Lüben Landgericht Elektrizitätswerk Liegnitz
(Kraft 380 Volt Licht 220 Volt Drehstrom)
Gewerbegericht Finanzamt Gewerbeamt Zollamt Lüben evangelische Volksschule
Heller, Bruno, Schmiedemeister
Priemel, Eduard, Schmiedemeister

aus: Amtliches Landes-Adressbuch der Provinz Niederschlesien für Industrie, Handel, Gewerbe, Verlag August Scherl, Breslau, 1927

Fauljoppe [1913]
Dorf + Rittergut (mit Ziegelei): Kreis Amtsgericht katholisches Kirchspiel Lüben 9 km; Post Eisenbahnstation Vorderheide 4 km; Amtsbezirk evangelisches Kirchspiel Groß Reichen; Standesamtsbezirk Fauljoppe; 78 + 102 Einwohner

aus: Alphabetisches Verzeichnis sämtlicher Ortschaften der Provinz Schlesien, Verlag Wilhelm Gottlieb Korn, Breslau 1913

Gasthaus Dreilinden, Alfred Direske, später Zobel's Waldschänke

Gasthaus Dreilinden, Alfred Direske, später Zobel's Waldschänke.


Ausschnitt aus einem Messtischblatt von 1933


1939: Kaufladen, Schule, Kurheim (ehemals Schloss)

Fauljoppe 1939: Kaufladen, Schule, Kurheim (ehemals Schloss) - Mit Dank an Reinhard Fitzner!

Schloss Fauljoppe um 1903. Dank an Hans-Joachim Boyke!

Schloss Fauljoppe um 1903. Dank an Hans-Joachim Boyke!

Kurheim Fauljoppe

Das ehemalige Schloss wurde in den 1930er Jahren ein Genesungsheim für Tuberkulosekranke

Fauljoppe in den 1920er Jahren: Baum's Warenhandlung, Schloss, Schule, Zobel's Gasthaus "Zur Waldschänke"



Fauljoppe

Der Landschaft um Fauljoppe war, trotz der nicht zu weiten Entfernung zum Bahnhof Vorderheide, eine gewisse Unberührtheit zu eigen. Breit angelegte Fahrwege führten von hier zwar viele in die benachbarten Ortschaften, doch keiner von diesen war straßenmäßig ausgebaut, denn dazu waren die Gemeinden zu arm. Nach Westen, durch die Bahnunterführung, kam man, immer durch den weit ausgedehnten düsteren Liegnitzer Stadtforst, bis hinüber nach Bohlendorf; mehr nach Norden zu, über die Bahngleise, führte der Weg nach "Bräuerschdurf", wie wir zu Brauchitschdorf sagten.

Beim Wirtshaus, das während der zwanziger und dreißiger Jahre von den aus Klein-Reichen zugezogenen Eheleuten Zobel betrieben wurde, zweigte ein Weg nach Krummlinde und ein weiterer nach Groß-Reichen ab. Wollte man nach Petschkendorf, so hielt man sich dann mehr nach links. Halbwegs zwischen Fauljoppe und Petschkendorf stand auf etwas erhöhtem Gelände ganz einsam und verlassen ein einzelnes Haus, das seinerzeit von dem kinderlosen Ehepaar Nerger bewohnt wurde.

In früheren Zeiten soll dort eine Windmühle gestanden haben. Wenn wir von hier ins Dörfchen zurückgingen und beim Schachtmeister und Kolonialwarenhändler Baum durch Feld und Wald hinauswanderten, kamen wir nach Ossig. Alle diese Wege waren zum Teil mit schon alten Obstbäumen bestanden.

Baum's Warenhandlung in Fauljoppe

Die Pachtung dieser Alleen hatte in den zwanziger Jahren meines Wissens ein Händler namens Scholz, der seinen Wohnsitz in Krotzel am Zobtenberge hatte. Bis zur Aufsiedlung des Rittergutes, Mitte der dreißiger Jahre, war Fauljoppe ein ausgesprochenes Dominialdörfchen, mit ausgedehnten Gutsgebäuden, dem Schloß, einigen Kleinbauern- und Häuslerstellen, dem Wirtshaus und dem Kramladen. Das Schulhaus war draußen am Waldessaum, wo ganz in der Nähe die Züge nach Liegnitz und Lüben vorbeibrausten. Eine Haltestelle bekam Fauljoppe beim Bau der Strecke - es war wohl während der 1870er Jahre - nicht.

Weil es für die Dörfer Neurode, Kaltwasser, Krummlinde, Reichen, Petschkendorf und Mühlrädlitz günstiger war, legte man den Bahnhof etwa 2 km weiter südlich von Fauljoppe an. Dort entstand dann auch die unvergeßlich schöne Wochenendsiedlung Vorderheide, wo viele Liegnitzer zum Wochenende Erholung suchten. Die Böden der großen Ackerflächen eigneten sich vortrefflich zum Anbau von Kartoffeln und man betrieb dort deshalb auch eine Brennerei, von der jetzt allerdings nur noch der Schornstein stehen soll. Diese schönen mehligen Kartoffeln gehörten daheim auch zu den Grundnahrungsmitteln - und waren eine besondere Freude für die Hausfrau! Eine gewisse Einförmigkeit der Mahlzeiten war z. B. beim Abendbrot, da das manchmal nicht zu vermeiden war.

Ich kann mich noch entsinnen, daß es damals bei meiner Schwiegermutter außer sonnabends und sonntags des Abends nur Bratkartoffeln gab. Und so war es sicher auch in vielen Familien bei uns daheim. Im Gegensatz zu heute, wo nichts mehr so richtig schmecken will, hat man damals das alles mit dem größten Appetit gegessen. Auch für die Mittagsgerichte gab es eine feste Ordnung, und die sogenannten "Klößeltage" standen fest und hier sicher auch wieder nicht nur bei uns auf dem Land.

Doch zurück nach Fauljoppe: Dies Dörfchen bildete bis zuletzt eine selbständige Gemeinde, sie gehörte zum Amtsbezirk Reichen und die überwiegend evangelischen Bewohner hielten sich zum Kirchspiel Groß-Reichen. Dort wurden auch bis etwa 1928 die Verstorbenen begraben. Politische Stürme sind auch über dieses friedliche Dörfchen hinweggebraust und haben die früheren Bewohner über alle deutschen Lande verstreut...

Martin Sperling (1896-1977) in LHB 1/1971


... und nicht nur über alle deutschen Lande!
Aus Schweden sandte Wolfgang Gerlach die folgenden Fotos von Fauljoppe, aufgenommen 1965, als sich das Dorf kaum verändert hatte. Ein herzliches Dankeschön!

Dorfpartie Fauljoppe (1965)

Dorfpartie Fauljoppe

Ehemalige Schule von Fauljoppe (1965)

Ehemalige Schule von Fauljoppe

Elternhaus Gerlach in Fauljoppe (1965)

Elternhaus Gerlach in Fauljoppe

Großelternhaus Füssel in Fauljoppe (1965)

Großelternhaus Füssel in Fauljoppe


Zu den Personalkarten
der Lehrer von Fauljoppe

auf der Website der Bibliothek
für Bildungsgeschichtliche Forschung
des Deutschen Instituts
für Internationale Pädagogische Forschung


Das Copyright der Bilder liegt bei BBF/DIPF-Archivdatenbank.
Konrad Girke
Konrad Girke
Fritz Wieland
Fritz Wieland