Gemeinde Polach
Gemeinde Queißen














Polach in: Alphabetisches Verzeichnis der Stadt- und Landgemeinden im Gau Niederschlesien 1939

Polach [1939]
Gemeinde, Kreis Lüben, 16 km, Post Polach, 136 Einwohner, 34 Haushalte, Flurgröße 450 ha, 4 Gemeinderäte, Bürgermeister Peukert, Fernsprecher Polach (öffentlich), Landratsamt, Finanzamt, Amtsgericht, Versicherungsamt, Landkrankenkasse Lüben / Regierungsbezirk, Landgericht, Arbeitsgericht, Versorgungsamt Liegnitz / Arbeitsamt Liegnitz, Nebenstelle Lüben / Standesamt Eisemost / Schulgemeinde Polach / Gendarmeriebezirk Raudten / nächster Personenbahnhof Raudten-Stadt 3 km und Kleinbahn 1 km, nächster Güterbahnhof Raudten-Stadt 3 km.
Vorhanden: 1 Volksschule.

Aus: Alphabetisches Verzeichnis der Stadt- und Landgemeinden im Gau Niederschlesien mit den dazugehörigen Ortsteilen, Kolonien, Siedlungen usw., Kurt-Gruber-Verlag Wirtschaft Recht, Dresden, 1939

Polach auf der Kreiskarte Lüben 1935

Polach in einem Nachschlagewerk von 1845

Polach in: Amtliches Landes-Adressbuch der Provinz Niederschlesien 1927

Polach [1927]
Dorf und Gemeindebezirk Kreis Lüben Regierungsbezirk Liegnitz Postamt Eisenbahnstation Güterladestelle Raudten Entfernung 2 km Amtsgericht Lüben Landgericht Liegnitz evangelische Kirche katholische Kirche Raudten
Gärtner, Gustav, Schmiedemeister

aus: Amtliches Landes-Adressbuch der Provinz Niederschlesien für Industrie, Handel, Gewerbe, Verlag August Scherl, Breslau, 1927

Polach in: Alphabetisches Verzeichnis sämtlicher Ortschaften der Provinz Schlesien 1913

Polach [1913]
Dorf + Rittergut: Kreis Amtsgericht Lüben 15 km; Post evangelisches Kirchspiel katholisches Kirchspiel Raudten (Bezirk Breslau) Ort 2 km; Eisenbahnstation Polach; Amtsbezirk Standesamtsbezirk Pilgramsdorf; 98 + 48 Einwohner

aus: Alphabetisches Verzeichnis sämtlicher Ortschaften der Provinz Schlesien, Verlag Wilhelm Gottlieb Korn, Breslau 1913


Das Ende von Polach
Polach versank Ende der 1970er wie Barschau und Pilgramsdorf in diesem Schlammteich, der den Abraum des Kupferbergbaus aufnimmt.

Polach ist in diesem Stausee versunken

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Vom Stausee verschlungen
von Leopold Beyl

Auch Polach versank ab 1978 in den Wassern des sich bildenden Stausees. Das Dorf lag 2 km westlich von Raudten, 2 km östlich von Barschau, 2 km nördlich von Pilgramsdorf und 3 km südlich von Kreidelwitz (Lindenbach) in dem weiten Tal zwischen den Kreidelwitzer und Jauschwitzer und Pilgramsdorfer Höhen. Durch den Ort floß das Eisemoster Wasser nach Raudten.

Polach gehörte jahrhundertelang zum Weichbild und zur Bannmeile der Stadt Raudten. Das Dorf oder zumindest ein herzogliches Gut muß bereits vor 1394 bestanden haben, denn am Sonntag nach Pauli Bekehrung dieses Jahres verkaufte Herzog Heinrich VIII. von Glogau Polach an Hermann Wollgefahr aus Glogau. Diesen Verkauf erwähnt Pastor Söhnel in seinen Beiträgen zur Geschichte der ev. Stadtpfarrkirche zu Raudten...

Nun etwas über die drei Gewerbebetriebe des Ortes. Ein Kretschmer wird 1567 und 1591 erwähnt. Er war 1591 nicht nur Gastwirt, sondern auch Schmied. Auch damals wird die Dorfschenke und -schmiede wie in unserer Zeit am Dorfende Richtung Barschau und an der Ecke des Weges nach Kreidelwitz gestanden haben. Die Saule (Säule), ein Holzbalken in der Mitte der Gaststube, der die Decke stützte und um die bei festlichen Veranstaltungen getanzt wurde, war ein Merkmal einer ländlichen Schenke. Das Besitztum gehörte seit 1902 der Familie Scholz. Der Land- und Gastwirt Gustav Scholz hatte es von dem Vorbesitzer Hahn übernommen. Das Grundstück umfaßte das Wohnhaus mit Gaststube, eine Scheune, die Schmiede und 11 ha Land. Sein Sohn Alfred war seit 1938 sein Nachfolger gewesen, bis er im Krieg fiel.

Die Schmiede hatte die Familie Scholz verpachtet. 1929 war Pächter der Schmiedemeister Fritz Keller. Er beendete 1938 das Pachtverhältnis. Bis 1945 führte der Raudtener Schmiedemeister Bruno Nickels die Schmiede weiter.

Der dritte Gewerbebetrieb war die Wassermühle. Sie lag südlich des Gutes am Eisemoster Wasser und am Rande der "Blutigen", eines sumpfigen, verschilften, mit Erlen bewachsenen Geländes, in dem sich ein großer Teich befand. Hier sollen 1813 Soldaten der französischen Armee umgekommen sein. Hinter der Mühle war ein großer Obstgarten, an dessem Ende sich der Mühlteich befand, der durch einen Feldweg von der Blutigen getrennt war.

Messtischblatt-Ausschnitt Polach 1938

1. Gut mit angrenzendem Park 2. Wassermühle Familie Paulitschke
3. Gehöft Familie Meißner 4. Schule / Bf = Bahnhof, Sch = Scheune

Von einem Müller erfahren wir erstmals aus der Raudtener Musterungsliste des Jahres 1567. Er hieß Georg Heuseler. Der letzte Müller war August Strempel, von dem (oder dessen Erben) mein Vater, der Raudtener Drogerei-Besitzer Rudolf Beyl, um 1900 herum das zwei Morgen große Grundstück kaufte. Der Mühlenbetrieb wurde eingestellt. Das Wasserrad wurde nicht entfernt. Es wurde oft in Betrieb gesetzt, um aus einem Brunnen auf den Dachboden Wasser für die Wasserleitung zu pumpen. Das alte Wohnhaus hatte mein Vater abreißen und dafür ein Gebäude mit einem Flachdach bauen lassen. Eine Wasserleitung ließ er auch hineinlegen. Wenn das Mühlrad ging, hörte man es rumpeln. Im erhöhten Erdgeschoß hatte mein Onkel Reinhold Beyl seine Feinmechaniker- und Optiker-Werkstatt. Im ersten Stock waren die Wohnräume, darüber der große Boden und der Wassertank. Als 1916 mein Onkel nach Polkwitz verzog, siedelten wir mit unserem schwerkranken Vater nach Polach über. Die Drogerie in Raudten wurde geschlossen. Meine Mutter betrieb, erschwert durch die Kriegsverhältnisse, in Polach das Geschäft notdürftig weiter. Waren waren kaum noch zu beziehen. Die Marken für markenpflichtige Waren mußte sie in der Kreisstadt Lüben abliefern. Dort erhielt sie auch Bezugsscheine für neue Warenbestellungen. Die Bauern, die selbst butterten, mußten bestimmte Mengen Butter bei uns abliefern, die meine Mutter wöchentlich in Lüben abzuliefern hatte. Eine meiner Schwestern und ich gingen bei jedem Wetter nach Raudten in die Schule von der Marie Wenzel und der Emma Wenzel, "der Dicken und der Dünnen". 1919 verkaufte meine Mutter das Grundstück an Herrn Denke aus Oberschlesien, wo damals wegen der polnischen Aufstände große Unsicherheit über die Grenzziehung herrschte. Meine Mutter verlor den gesamten Kaufpreis während der folgenden Inflation. Denkes Nachfolger, Herr Paulitschke, wohnte hier bis 1945.

Auch die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges hatten das kleine Dorf heimgesucht. Die Bewohner flohen und kehrten erst nach Kriegsende 1648 zurück. Im 1658 angelegten neuen Schöppenbuch heißt es: "Weil der Allmechtige Gott umb unser vielfältigen Sünden willen seine gerechte Strafe den unseligen Krieg in die zwölf Jahr lang und drüber über uns ergehen lassen, anfenglich durch schwere Einquartierungen hernach gantz und gar in die Plünderung den frembden Krieges Völkern übergeben, ja bei diesem Zustande weder Recht noch Gerechtigkeit dieses und ander Orthe mehr hat können geheget und fortgepflanzet werden, also ist unser Land mit Krieg überschwemmet worden, daß letztliche beides Herrschaft und Unterthanen bey ihrem Haus und Hof nicht mehr bleiben, sondern verjaget und zerstöret, daß einer da das andre dorthin in fremde sichere Ort vorweichen und sich salvieren müssen, daß danhero lange Zeit Herrschaft und Unterthanen von einander getrennet, das Ihre mit dem Rücken angesehen und das Land zu einer jämmerlichen Wüstenei geworden, danhero seint die Leute bei diesem kummerhaften Zustande nebst mit Einfallung böser Staupen meistens durch den zeitlichen Tod gerafft worden, die Wenigsten aber durch diesen verterblichen Krieg ihr Leben davon gebracht und erhalten haben, indem aber leider bei solchem erbärmlichen Kriegeswesen das uralte allhiero Polachische bei dieser Gemeinde geführte Schöppen- oder Gerichtsbuch nach Rauden auf das Schloß in Verwahrung hineingeflüchtet, ist aber gleichwohl durch Verwahrlosung der Krieger das schöne Schloß in Brand gestecket und also damahls diese Schöppenlade und Gerichtsbuch darinnen zu Asche verbrennet worden."

Das im Dreißigjährigen Kriege zerstörte Polacher Schloß war eine Wasserburg. Reste des ehemaligen Wallgrabens waren noch sichtbar. Vom Schloß blieben nur die Keller übrig. Die Familie von Brauchitsch, die damalige Gutsherrschaft, wird das neue Gutshaus errichtet haben, das auch 1945 überstand. In der Mitte des 18. Jahrhunderts gehörte Polach auch zu den Gütern des Generalmajors von Winterfeld. 1759 kaufte Barberina Freifrau von Cocceji das Rittergut, das 1789 in ihre Gräflich v. Campanini'sche Stiftung einging, die 1944 verstaatlicht wurde (vgl. Barschau).

Bis dahin war wie bei Barschau und Porschütz (Kr. Glogau) ein Stiftsprobst der Bevollmächtigte der Stiftung. Das Rittergut Polach wurde wie die beiden anderen Güter seit den 1790er Jahren verpachtet, zuerst an die Familie Hübner in Barschau. Nach dem 1. Weltkriege war Hübners Schwiegersohn Friedrich Anders der Pächter. Nach den Schlesischen Adreßbüchern von 1921 und 1937 hatte das Rittergut eine Größe von 294,3 ha, nicht ganz 1200 preußische Morgen. Außer 180 ha Ackerland gehörten Wiesen, Wald, Weiden, Teiche, Park, Garten und ein großer Hof mit dem Gutshaus und den landwirtschaftlichen Gebäuden (Dominium genannt) zu dem Besitztum. Nach dem Güteradreßbuch von 1921 wurde ostfriesische Milchviehzucht und Schweinezucht betrieben. Im Güteradreßbuch von 1937 sind genannt Schwarzbuntes Niederungsvieh und Oldenburger Pferde. Die Barschauer Spiritusbrennerei wurde zusammen mit Polach betrieben. Die Milch wurde an die Raudtener Molkerei-Genossenschaft geliefert. Die Forstverwaltung blieb in den Händen der Barschauer Stiftsverwaltung. Die Feld- und Wiesenjagd war an den Raudtener Molkereidirektor Spittel verpachtet.

Kirchlich gehörten die Polacher zu Raudten und standesamtlich zu Pilgramsdorf, weshalb die Brautpaare in Pilgramsdorf standesamtlich aufgeboten und in Raudten in der evangelischen oder katholischen Kirche getraut wurden. Die Toten wurden in Raudten beerdigt. Vor 1797 werden die Polacher Kinder wie die Barschauer nach Pilgramsdorf zur Schule gegangen sein. Als dann in Barschau eine eigene Unterrichtsmöglichkeit vorhanden war, wird auch in Polach ein eigener Schulraum in einer Küche oder einer Stube eines Bauernhauses geschaffen worden sein, denn der erste Barschauer Lehrer Benjamin Kuttich wohnte in Polach und unterrichtete hier nachmittags.und vormittags in Barschau. Als der Lehrer wegen besserer Wohnverhältnisse 1826 nach Barschau verzog, gingen die Kinder im Sommer nach Barschau in die Schule. Im Winter unterrichtete der Lehrer auch in Polach, damit die Kinder nicht den über 2 km langen Schulweg ins Nachbardorf zu machen brauchten. Dieser Zustand wurde erst um 1921 geändert, als der Gesamtschulverband Barschau-Polach aufgelöst wurde und Polach einen eigenen Lehrer erhielt.

Der erste Lehrer war Herr Helmich. Er wohnte mit seiner Familie bei Denke bzw. dessem Nachfolger Paulitschke in der ehemaligen Wassermühle (siehe Ansicht rechts). Auch sein Nachfolger Gerhard Heymann wohnte hier. Er, der zweite und letzte eigene Lehrer des Dorfes, fiel im 2. Weltkrieg bei den Kämpfen um Leningrad. Die einklassige Schule ohne Lehrerwohnung muß schon im vorigen Jahrhundert gebaut worden sein, vielleicht um 1850, als auch Barschau mit Unterstützung der Stiftsverwaltung ein eigenes Schulhaus erhielt, denn Polach gehörte ebenfalls zu dem adeligen Fräuleinstift. Das Gebäude befand sich an dem Wege, der links der Dorfstraße von Raudten her gesehen jenseits des Dorfbaches, des Eisemoster Wassers verlief . Es lag zwischen den Grundstücken von Erich Schmidt und Oskar Scheibel. Zerstört wurde es 1945 erst nach Kriegsende. Besucht wurde die Schule von durchschnittlich 30 Kindern. Wer sie während des 2. Weltkrieges unterrichtete, ist mir nicht bekannt.*

Wenn man aus der Richtung von Raudten her das Dorf betrat, lagen an der rechten Seite der Dorfstraße die Gehöfte von Paul Stephan, in dem auch die Familie des Schwiegersohnes Schneidermeister Alfred Scheibel wohnte, von Paul Liebig, Paul Pohl und, wo die Straße des Dominiums wegen nach Norden abbog, von Hermann Meißner. An der Dominiumsecke verlief sie dann wieder gen Westen in Richtung Polkwitz. Zwischen Meißner und der Gast- und Landwirtschaft Scholz, die am Dorfende gegenüber dem Gutshof lag, war freies Feld. Die linke Straßenseite begann mit dem Gehöft von Erich Siebert. Hinter der Dorfbachbrücke und dem Dorfbachweg wohnte der Häusler Josef Meier. Dann kam das Dominiumhaus, in dem die Gutsarbeiter Stephanski, Püschel, Wilde und Frau Freitag wohnten. Hinter dem angrenzenden Gartengelände mündete der Pilgramsdorfer Weg in die Dorfstraße ein. Hier lag auch der Dorfteich, zwischen dem und dem Dominium ein Weg zu den Feldern führte.

Das Dominium hatte einen sehr großen Hof, den das Schloß, in dem die Familie des Rittergutspächters Friedrich Anders wohnte, Stallungen, Scheunen und Wohnungen der auf dem Gut Beschäftigten begrenzten.

Es waren dies die Familien Heider, Jeschke, Prochnow, Rosemann und Tscheu. An dem Weg links der Dorfstraße am Bach entlang befanden sich die Grundstücke von Erich Schmidt, das Schulhaus, von Oskar Scheibel und an der Ecke des Pilgramsdorfer Weges von Konrad Peukert, dem langjährigen Bürgermeister, zuvor Gemeindevorsteher genannt. Auf der gegenüberliegenden Seite des Pilgramsdorfer Weges, aber noch am Bachweg, war das Gehöft von Hermann Bartsch. Der Weg endete in dem Grundstück der ehemaligen Wassermühle, in der nach dem Ehepaar Denke Josef Paulitschke mit Frau wohnten. Auch die Dorfschullehrer hatten hier ihre Wohnung. Auf der anderen Bachseite waren die Gärten von Häusler Meier und dem Dominiumhaus.

Hinter der Brücke des Pilgramsdorfer Weges lag der Dorfteich, an den sich Wald anschloß. Vor der Gast- und Landwirtschaft Scholz ging rechts in nördlicher Richtung von der Dorfstraße der Kreidelwitzer Weg ab. Auf seiner rechten Seite waren Felder, auf der linken nach Scholz die Grundstücke von Gustav Meißner, Paul Tiesler, Alfons Walter, Hermann Kupitza und Willi Sander. Dann kreuzte die Kleinbahn Raudten-Polkwitz den Weg. Hier war auch die Haltestelle der Bimmelbahn.

Im 2. Weltkrieg verlor das Dorf sechs Männer, deren wir an dieser Stelle ehrend gedenken. Es sind Horst Anders, Sohn des Rittergutspächters, der bei Leningrad gefallene Lehrer Gerhard Heymann, der Angestellte Kurt Peukert, der seit 1945 vermißte Landwirt Oskar Scheibel, der 1943 gefallene Gast- und Landwirt Alfred Scholz und Walter Siebert.

Wassermühle und Dorfstraße in Polach

Wassermühle und Dorfstraße in Polach.
Dank an Bernd M. für die Abbildung
dieser Ansichtskarte von Polach!

Schloss/Herrenhaus Polach

Schloss/Herrenhaus Polach
Mit herzlichem Dank an Frieda Grummel!

Als Ende Januar 1945 die sowjetischen Truppen die Oder bei Köben überschritten hatten, flüchteten auch die Polacher mit Ausnahme von zwei Ehepaaren. Die Russen besetzten Polach Anfang Februar. Kampfhandlungen hatten wohl nicht stattgefunden*, denn Gebäude waren anfangs nicht zerstört, sondern nur ausgeplündert und demoliert, wie mir erzählt wurde. Polacher, die um 1970 ihre alte Heimat besuchten, stellten fest, daß das Dorf verfallen und teilweise zerstört war. Nur das Dominium war in Ordnung. Die Schmiede war nicht mehr vorhanden, ebenso die Häuser von Siebert, Schmidt, die Schule, Scheibel, Peukert, Bartsch, die ehemalige Wassermühle und das Haus von Hermann Meißner waren Ruinen. So wurde wohl der Untergang Polachs, Pilgramsdorfs und Barschaus vorbereitet.

Ich beende meinen Bericht mit einem besonderen Dank an Lydia Bartsch, Trudel Scholz, Martel Stephan und Egon Langner.

Leopold Beyl in LHB 11/12/1983


* Dazu schreibt Frieda Grummel geb. Meißner:

In Polach gab es sehr wohl Kampfhandlungen. Das kleine Wäldchen hätte wieder das "Blutige" heißen können. Es lag voller toter deutscher Soldaten. Wir sollten sie in Massengräber legen. Doch die Erde war viel zu festgefroren. So mussten wir sie in ihren Schützengräben liegenlassen und notdürftig bedecken. Ich nahm damals ihre Erkennungsmarken an mich, um sie später den Angehörigen zu übergeben. Doch als man uns aus dem Ort jagte, habe ich sie vergessen. Auf den Wiesen lagen auch überall tote russische Soldaten herum. Es war grauenvoll. Ich war doch damals ein junges Mädchen und konnte mit soviel Tod und Zerstörung gar nicht umgehen. Auch viele Häuser sind ausgebrannt. Unsere Scheune war die erste, Stefans und Seiberts Scheunen brannten ebenfalls und Paulitschkes Haus. Mutter und ich sind aus unserem Versteck in Sanders Keller gerannt und haben uns eine Axt gesucht, um das Vieh in den Ställen von den Ketten zu schlagen. Die wären doch sonst alle erstickt und verbrannt. Dann sind wir im Straßengraben zurück in den Keller gekrochen. Überall schlugen die MG-Kugeln ein...

Ich möchte an die gefallenen Polacher erinnern, die ich persönlich kannte. Dazu gehören Herbert Matischok und Günter May, Gustav Meißner, Paul Tiesler und Scholz. Wir haben ja nicht nur unsere Heimat verloren, sondern auch die Gräber unserer Angehörigen, als man Polach flutete. Und weil es so wenig Bilder von Polach gibt, werden spätere Generationen überhaupt nichts mehr von Polach wissen. Deshalb dürfen Sie gern alle Fotos, die ich Ihnen schicke, auf diese Seite setzen!

Einschulung am 13. April 1937. Von links: Margarete Tscheu, Ursula Tiesler, Editha Paulitschke. Über die Brücke (eine morsche Holzbohle) mussten die Kinder täglich über den Bach zur Schule balancieren.
Das Transformatorhäuschen kann zur Orientierung dienen! Im Hintergrund mit dem Giebel zum Betrachter das Gutshaus, rechts daneben Haus und Stallung der Familie Meißner, Wohnhaus Paul Pohl.

Stärkster Jahrgang einer Einschulung in dem kleinen Dorf! Um 1940. Das Mädchen links ist Vera Paulitschke.

August 1942. Alle Schüler des Dorfes. Sie wurden in der einklassigen Dorfschule in einem Raum unterrichtet. Im Hintergrund ein Wirtschafts-gebäude von Oscar Scheibel und das Wohnhaus der Familie Peukert. Hinten links die Lehrerin Elisabeth Müller (1921-2013), davor von links: Ursula Tiesler, Margarete Tscheu, Gerhard Rosemann, Frieda Meißner, ihr Vetter Helmut Meißner, Erna May, davor -, -, -, Kurt Schmidt, vorn Kurt Peukert (* 1934), Hubert Scheibel, zwei Buben von Willi Sander.

Ach, ja... Damals hätte man Lehrer sein müssen... Kreisspiele in der Pause vor der Schule. Daneben floss der Dorfbach, aus dem in der großen Pause Wasser zum Zähneputzen geholt wurde. Die Becher mit den Zahnbürsten standen neben der Tür im Schulzimmer.

Das Schulhaus in Polach im Juni 1942

Juni 1942. Wo mögen sie drei Jahre später gewesen sein?

Hochwasser nach der Schneeschmelze, um 1941/42. Links Stallung vom Rittergut, weit dahinter die Feldscheune des Gutes. Hinter dem Transformatorhäuschen der gesamte Hof der Familie Meißner. Meta, Editha, Vera Paulitschke mit Kindern.

Dieses Foto hat Gerda Spittel geb. Anders, die Tochter des Rittergutspächters Friedrich Anders, in den 1960er Jahren in Kalinówka (Polach) gemacht. Links die Stallung des ehemaligen Rittergutes (s. Bild links). Sie war mit dem oben genannten Molkereibesitzer von Raudten verheiratet.

Herr Heymann war unser Lehrer. Als er eingezogen wurde, mußten wir im Sommer nach Pilgramsdorf und manchmal sogar nach Barschau zur Schule laufen. Im Winter kamen Lehrer aus Raudten zu uns. Ich erinnere mich an Herrn Bartsch, Herrn Zischkale und Herrn Nerger. Später kam Lehrer Schroeckh aus Barschau zu uns. Als auch er 1941 in den Krieg mußte, kam zu uns Fräulein Elisabeth Müller (1921-2013), eine Junglehrerin aus Ennepetal-Königsfeld. Als dann der Lehrer in Queißen eingezogen wurde, mußte sie dorthin, und wir Polacher Kinder gingen nach Raudten. So haben wir die ersten Auswirkungen des Krieges gespürt. Meine alte Lehrerin lebt heute in Schwelm und wir holen sie mehrmals im Jahr zu uns.
Die Vergangenheit ist nicht tot. Es gibt immer noch Zeitzeugen.
Frieda Grummel geb. Meißner, Bochum, Juni 2009

Ihr und der Polacher Lehrerin Elisabeth Müller (1921-2013) verdanken wir die Bilder und Erinnerungen!


Die beharrliche Recherche nach weiteren Bildern des Dorfes durch Herrn Berndt von Bock und Polach, einen Nachfahren der Polacher Gutsbesitzer (ab 1528), war von Erfolg gekrönt! Hier sind sie! Auch ihm ein großes Dankeschön! Nun wird um Hinweise, Erinnerungen und Beschreibungen zu den Bildern gebeten! Gern werden Bilder mit höherer Auflösung übermittelt.

Frieda Grummel, die treue Seele aus Polach, hat einige Anmerkungen zu den Fotos gemacht:

Ende 1930er Jahre? Rechts hinter dem Ortsschild war der große Obstgarten und dahinter der Bauernhof von Paul Stephan. Ganz hinten der Hof von Erich Sieber (früher Hermann und Gustav Sieber). Die Straße wurde erst in meiner frühen Kindheit in den 1930er Jahren asphaltiert.

Ortsschild: Polach, Kreis Lüben, Regierungsbezirk Liegnitz.
Aufgenommen aus Richtung Raudten kommend.

Gutshaus, links dahinter Wohnhaus der Gutsangestellten, auf dem Hof mehrere Stallungen (siehe dazu auch den Bericht von Leopold Beyl).

Der Teich gehörte wohl zum Rittergut. Daneben befand sich ein großer Park, wunderschön begrenzt von Fliederhecken. Hier sieht es aus, als habe ein Sturm gewütet. Die höheren Bäume scheinen umgebrochen zu sein. Ich kann mich an so ein Unwetter nicht erinnern. Vielleicht lag es noch länger zurück. Im Winter hatte der Teich eine dicke Eisschicht. Aber darauf durften wir Kinder nicht etwa schlittern! Nein, das Eis wurde von den Gutsarbeitern in Schollen zerschlagen und auf Ackerwagen in die Gaststätten nach Raudten gebracht. Im Sommer wurden abends die Pferde am Teich getränkt.

Hier befand sich zuvor die Abbildung eines zweistöckigen Gebäudes und mehrerer Ladengeschäfte im Hintergrund. Das gab es in Polach nicht.
In Wahrheit handelte es sich um das Rathaus und den Ring in Raudten! Frieda Grummel geb. Meißner aus Polach

Was für ein Glück, dass es noch Zeitzeugen mit einem guten Erinnerungsvermögen gibt! Danke, Frau Grummel!

Zu den Personalkarten der Lehrer von Polach auf der Website der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung

Ernst Hellmich
Ernst Hellmich
Gerhard Heymann
Gerhard Heymann
Elisabeth Müller
Elisabeth Müller
Eberhard Sukany
Eberhard Sukany
Johannes Zimpel
Johannes Zimpel


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