Gemeinde Jauschwitz
Gemeinde Kaltwasser














Jauschwitz in: Alphabetisches Verzeichnis der Stadt- und Landgemeinden im Gau Niederschlesien 1939

Jauschwitz [1939]
Gemeinde, Kreis Lüben, 12 km, Post Mlitsch über Lüben, mit Damm-Mühle und Jauschwitzer Mühle, 99 Einwohner, 28 Haushalte, Flurgröße 370 ha, 4 Gemeinderäte, Bürgermeister Schupke, Fernsprecher Raudten 115, Landratsamt, Finanzamt, Amtsgericht, Versicherungsamt, Landkrankenkasse, AOK Lüben / Regierungsbezirk Landgericht, Arbeitsgericht, Versorgungsamt Liegnitz / Arbeitsamt Liegnitz, Nebenstelle Lüben / Standesamt Eisemost / Schulgemeinde Alt Raudten / Gendarmeriebezirk Groß Rinnersdorf / nächster Personen-, Güterbahnhof Groß Rinnersdorf 2 km / nächste Kraftposthaltestelle Mlitsch 2 km. Vorhanden: Elektrisches Stromverteilungsnetz, 1 Gutshof, 1 Wassermühle
(Der Widerspruch zwischen der Feststellung von zwei Mühlen auf der ersten und von einer Mühle auf der letzten Zeile ist offenbar ein Fehler, der dadurch entstanden ist, dass die Jauschwitzer Mühle nach Aussagen von Max Zobel jun. - schon Mitte der 1930er Jahre stillgelegt worden ist! Beim Erscheinen des Buches gab es also nur noch die Damm-Mühle. Es bleibt unklar, warum niemandem der Widerspruch innerhalb eines so kurzen Textes aufgefallen ist.)

Aus: Alphabetisches Verzeichnis der Stadt- und Landgemeinden im Gau Niederschlesien mit den dazugehörigen Ortsteilen, Kolonien, Siedlungen usw., Kurt-Gruber-Verlag Wirtschaft Recht, Dresden, 1939

Jauschwitz in: Amtliches Landes-Adressbuch der Provinz Niederschlesien 1927

Jauschwitz [1927]
Dorf Kreis Lüben Regierungsbezirk Liegnitz Gemeinde-vorsteher Aler Postamt Raudten Eisenbahnstation Güterladestelle Groß Rinnersdorf Entfernung 2 km Amtsgericht Kreissparkasse Finanzamt Lüben
Hilse, Heinrich, Müllermeister
Malecha, Stanislaus, Gastwirt
Zobel, Hermann, Müllermeister (Damm-Mühle)

aus: Amtliches Landes-Adressbuch der Provinz Niederschlesien für Industrie, Handel, Gewerbe, Verlag August Scherl, Breslau, 1927

Jauschwitz in: Alphabetisches Verzeichnis sämtlicher Ortschaften der Provinz Schlesien 1913


Jauschwitz in Nachschlagewerken von 1789 und 1845

Jauschwitz [1913]
Dorf (mit Mühle) + Rittergut: Kreis Amtsgericht Lüben 11 km; Post katholisches Kirchspiel Raudten (Bezirk Breslau) Ort 4 km; Eisenbahnstation Groß Rinnersdorf 2 km; Amtsbezirk Koslitz 3 km; Standesamtsbezirk Jauschwitz; evangelisches Kirchspiel Alt Raudten; 57 + 59 Einwohner

aus: Alphabetisches Verzeichnis sämtlicher Ortschaften der Provinz Schlesien, Verlag Wilhelm Gottlieb Korn, Breslau 1913

Jauschwitz auf der Kreiskarte Lüben 1935

Etwa 2,5 Kilometer südwestlich von Alt Raudten, am Waldrand südlich des Venusberges, lag die kleine Gemeinde Jauschwitz. Sie war - gemessen an Fläche und Einwohnerzahl - eine der kleinsten im Kreise. Der Ort wurde schon 1339 erwähnt, als er durch Vertrag vom Herzogtum Steinau zum Herzogtum Liegnitz kam. Auf dem Venusberg wurden Eisenschlacken gefunden, die auf eine Besiedlung des Gebietes in der Früheisenzeit hindeuteten, in der das Raseneisenerz geschmolzen wurde.

Das Leben im Dorf war weitgehend vom Rittergut bestimmt. Es hatte, wie die Gemeinde selbst, eine bescheidene Größe von 255 ha, und weil es im gleichen Besitz wie das Rittergut Groß Rinnersdorf stand, wurde es von dort aus mitverwaltet. Das Gut befaßte sich intensiv mit Kartoffelbau (Saatgut) und der Zucht von Oldenburger Pferden, Rindern, und Schweinen. Im Dorf gab es 11 Landwirte, von denen einer außerdem Müller und einer auch Gastwirt war.

Da der kleine Ort keine eigene Kirche unterhalten konnte, waren die Evangelischen dem Kirchspiel in Alt Raudten und die Katholiken dem in Raudten anvertraut.

Heinz Boderke, Der Kreis Lüben, 1986


Leider gibt es bisher keine Ansichten vom alten Jauschwitz. Max Zobel jun., Enkel des Müllermeisters Hermann Zobel und Sohn von Max Zobel sen. (Damm-Mühle Jauschwitz), übermittelte mir jedoch mit seinen Erinnerungen auch folgende Ansichten. Es ist u. a. dieser Dorfplan von Jauschwitz. Max Zobel hat ihn aus der Erinnerung festgehalten. Leider sind die Jauschwitzer und die Damm-Mühle nicht enthalten. Aber es gibt ein Aquarell der Damm-Mühle und zwei Fotos der beiden Mühlen!

Die Damm-Mühle Jauschwitz

Max Zobel jun.: "Das Mühlengebäude der Damm-Mühle Jauschwitz. Ein Foto, das die Flucht überlebt hat! Es entstand unmittelbar nach ihrer Wiederinbetriebnahme. Die Leiter des Dachklempners steht schon. Der Dachklempner kam aus Lüben. An den Namen erinnere ich mich nicht. Es gab mehrere Klempner in Lüben. Der Mühlenneubau erfolgte im Verlauf des Kalenderjahres 1942. Das Einmahlen der Mühle kurz vor Weihnachten 1942. Das Foto wurde im Frühjahr 1943 gemacht. Das Gebäude wurde vom Baumeister Bartsch Raudten errichtet. Die Mühlenbaufirma Gerhard Rauch aus Raudten erledigte den Innenausbau. Chefmonteur war Franz Bude."

Max Zobel jun. über das Aquarell: "Den Ursprung legte Erich Kade, Mittelschullehrer aus Liegnitz. Mein Vater und Herr Kade lernten sich 1939 auf dem Flugplatz in Lüben kennen. Er malte das ursprüngliche Aquarell, welches dem vorliegenden ganz ähnlich war, während eines sonntäglichen Besuches in Jauschwitz. Es blieb wie so vieles in Jauschwitz. Meine Schwester Herta hatte ein Foto vom Grundstück mit der neuen Mühle. Von diesem Foto zeichnete Herr Urban, über den ich nichts weiter weiß, von Herta beraten, 1953 das vorliegende Aquarell ab, welches dem von Herrn Kade verblüffend ähnlich war. Es wurde ein Erinnerungsgeschenk für unseren Vater zum 60. Geburtstag. Es hing bei unseren Eltern im Wohnzimmer."

Die Jauschwitzer Mühle 1937


Die folgenden Gebäudereste der Damm-Mühle Jauschwitz entdeckte Marcin Owczarek im Jahr 2015 auf seinen Spaziergängen in der Umgebung von Juszowice (Jauschwitz). Es war eine der beiden Wassermühlen am Raudtener Wasser. Sie gehörte einst der Familie Zobel.


Marcin Owczarek hat im Jahr 2015 in den Wäldern um Juszowice (Jauschwitz) Weiteres entdeckt, was einen Blick in die Vergangenheit öffnet. So zum Beispiel dieses erstaunlich gut erhaltene Holzkreuz für Friedrich Thaler * 16.11.1911 4.2.1945. Der Name Thaler kam im Kreis Lüben nicht vor. Vermutlich ist der Deutsche in den letzten Kriegstagen im Wald nahe Jauschwitz gefallen. Die sowjetische Armee hatte am 24. Januar 1945 die Oder bei Steinau überquert. Der Fluss war das letzte landschaftliche Hindernis vor Berlin. In den nächsten zwei Wochen wurde Lüben in Straßenkämpfen erobert, ging noch einmal in die Hände der Deutschen, um dann endgültig verloren zu sein. In diesen Tagen muss Friedrich Thaler seinen grauenvollen Tod bei eisigen Temperaturen im Wald gestorben sein. Und es sollten noch Tausende auf beiden Seiten der Front "fallen", bis endlich Frieden herrschte.


Peinlich und lächerlich das letzte Foto!
Hitler war Ehrenbürger des 99-Seelendorfes Jauschwitz! Ihn zu ehren wurde die Dorflinde 1933 mit dieser Tafel versehen.
Wir können uns heute nicht mehr vorstellen, welche Haltung die Jauschwitzer dazu einnahmen. Wir können uns nur wünschen, dass nie mehr ein einzelner zum unumschränkten Herrscher gemacht wird!