Gemeinde Oberau
Gemeinde Oberdammer
Einwohner von Oberau














Oberau in: Alphabetisches Verzeichnis der Stadt- und Landgemeinden im Gau Niederschlesien 1939

Oberau [1939]
Gemeinde, Kreis Lüben Schlesien, 5 km, Post Lüben Schlesien-Land, 598 Einwohner, 166 Haushalte, 1675 ha, 5 Gemeinderäte, Bürgermeister Oskar Hälbich, Fernsprecher Oberau (öffentlich), Landratsamt, Finanzamt, Amtsgericht, Versicherungsamt, Landkrankenkasse, AOK Lüben / Regierungsbezirk, Landgericht, Arbeitsgericht, Versorgungsamt Liegnitz / Arbeitsamt Liegnitz, Nebenstelle Lüben / Standesamt Ober Gläsersdorf, Kreis Lüben / Schulgemeinde Oberau / Gendarmeriebezirk Brauchitschdorf, Kreis Lüben / nächster Personen-, Güterbahnhof Lüben Schlesien 0,5 km, Kleinbahn Ober-Oberau und Mittel-Oberau 0,5 km / nächste Kraftposthaltestelle Oberau (2 Haltestellen)

Aus: Alphabetisches Verzeichnis der Stadt- und Landgemeinden im Gau Niederschlesien mit den dazugehörigen Ortsteilen, Kolonien, Siedlungen usw., Kurt-Gruber-Verlag Wirtschaft Recht, Dresden, 1939

Oberau in: Amtliches Landes-Adressbuch der Provinz Niederschlesien 1927

Ober-Oberau in: Amtliches Landes-Adressbuch der Provinz Niederschlesien 1927

Oberau auf der Kreiskarte Lüben 1935

Oberau [1927]

Dorf und Gemeindebezirk Kreis Lüben Regierungsbezirk Liegnitz 500 Einwohner Gemeindevorsteher Peukert Gutsvorsteher Buck Postamt Güterladestelle Oberau Eisenbahnstation Lüben Entfernung 6 km Amtsgericht Gewerbeamt Kreissparkasse Stadtsparkasse Finanzamt Zollamt Lüben Landgericht Elektrizitätswerk Liegnitz 1 evangelische Kirche 2 Volksschulen
Zeitungen 'Lübener Stadtblatt' 'Liegnitzer Tageblatt'
Buchwald, Hermann, Fleischermeister, Haus 25
Elektro-Genossenschaft Oberau eGmbH
Gräber, Oswald, Schneidermeister, Haus 48
Guder, Hermann, Schmiedemeister, Haus 22
Gutsche, Otto, Schmiedemeister, Haus Nr. 43
Gutsche, Paul, Schuhmachermeister, Haus Nr. 45
Härtwig, Karl, Gastwirt
Hellmich, Otto, Stellmachermeister
Neumann, Hermann, Bäckermeister, Haus 22
Neumann, Reinhold, Tischlermeister, Haus 60
Puff, Paul, Bäckerei, Haus Nr. 26
Richter, Karl, Sattlermeister, Haus Nr. 54
Scharf, Georg, Schuhmachermeister, Haus Nr. 68
Scharf, Paul, Stellmachermeister, Haus Nr. 21
Seyler, Konrad, Gastwirt
     (siehe auch Geschäftsanzeige von 1928: Conrad Seiler!)
Walter, Julius, Tischlermeister, Haus Nr. 62
= Firma ist handelsgerichtlich eingetragen

Ober-Oberau [1927]

Gemeindebezirk Kreis Lüben Regierungsbezirk Liegnitz 90 Einwohner Gutsvorsteher Adolf Scholtz Postamt Oberau Eisenbahnstation Güterladestelle Ober-Oberau Amtsgericht Finanzamt Zollamt Lüben Landgericht Liegnitz Elektrizitätswerk Liegnitz (Kraft und Licht 220 Volt Wechselstrom) evangelische Kirche und Volksschule Fortbildungsschule Oberau
Landwirtschaftliche Spiritusbrennerei

aus: Amtliches Landes-Adressbuch der Provinz Niederschlesien für Industrie, Handel, Gewerbe, Verlag August Scherl, Breslau, 1927

Oberau in: Alphabetisches Verzeichnis sämtlicher Ortschaften der Provinz Schlesien 1913

Oberau [1913]
Dorf (mit Kolonie Neu Oberau) + Ober Oberau Rittergut und Mittel Oberau Rittergut und Nieder Oberau Rittergut: Kreis Amtsgericht Post Eisenbahnstation katholisches Kirchspiel Lüben (Schlesien) 5-6 km; Amtsbezirk Standesamtsbezirk evangelisches Kirchspiel Oberau; 465 + 63 und 77 + 37 Einwohner

aus: Alphabetisches Verzeichnis sämtlicher Ortschaften der
Provinz Schlesien, Verlag Wilhelm Gottlieb Korn, Breslau 1913

Oberau in einem Nachschlagewerk von 1845


Oberau 1937: Seylers Gasthof, Schloss, Kirche, Kriegerdenkmal, Pfarrhaus

Oberau: Seyler's Gasthof, Kriegerdenkmal, Kirche, Ober-Schloss, Pfarrhaus, Mittel-Schloss

Seyler's Gasthof, Kriegerdenkmal, Kirche, Ober-Schloss, Pfarrhaus, Mittel-Schloss
Mit einem herzlichen Dank an Reinhard Fitzner!

Karl Härtwigs Gasthof zum Schwarzen Adler

Karl Härtwigs Gasthof zum Schwarzen Adler
Mit einem herzlichen Dank an Rudi Kurzke!

Rittergut Ober-Oberau

Rittergut Ober-Oberau: Fabrik, Hof, Schloss
Mit einem herzlichen Dank an Tomasz Mastalski


Erinnerungen an die Kirche meiner Heimat Oberau
von Reinhard Graf Stolberg

Wenn ich diese Zeilen schreibe, so gedenke ich aller lieben Oberauer. Vielleicht ist noch einer oder der andere, der sich meiner, des jüngsten Sohnes aus dem Mittel-Oberauer Schlosse, erinnert. Beim Gedenken an meine geliebte verlorene Heimat, sehe ich mich mit meiner Mutter und einem Teil meiner Geschwister auf der vorderen Veranda meines Elternhauses stehen. Es tobte eines der uns Oberauern so bekannten schweren Gewitter. Blitz auf Blitz und Donner auf Donner folgten. Über die Gebäude unseres Gutshofes konnten wir den Kirchturm sehen. Zu unserem Schrecken sahen wir, wie einer der riesigen Blitze in unseren schönen, alten Kirchturm fuhr. Auf den Blitzschlag hin flogen die alten Holzschindeln des Turmdaches herum. Der Blitz war über die Glocken und weiter, ohne zu zünden, in die Kirche übergesprungen und hatte an der Decke eine lange Bahn von kleinen Löchern hinterlassen, bis er, an einem der Kronleuchter niederfahrend, eine Kirchenbank zersplitterte. Im Oberdorf brannte zur gleichen Zeit ein Bauerngehöft ab.

Dank der Bemühungen meiner Mutter wurde der Turm wiederhergestellt, wie er gewesen war, mit seinem doppelt gebrochenen, nadelspitzen Dach. Statt Holzschindeln wurde Schiefer verwendet. Ein Glück war es, daß die wunderschönen alten Glocken durch den Blitz nicht gelitten hatten. Für mich als Jungen war es immer ein besonders interessantes Ziel, die steile gewundene Treppe und die daran sich anschließenden Leitertreppen zu ersteigen, um dann die Glocken von nahem zu besehen. Ein früherer Besitzer von Nieder-Oberau, ein Herr von Brauchitsch, hatte im 16. Jahrhundert die große Glocke gestiftet. Sein Wappen zierte die Glocke und ein Spruchband umschloß sie.

Die Erinnerung an den Kirchturm nahm ich vorweg, da er an der Oberauer Kirche durch seine Schönheit auffiel. An den Kirchturm schloß sich ein massiver Bauteil der Kirche an, der wohl mit seinen hohen schmalen Fenstern und den zwei kleinen Kirchentüren der älteste Teil war. Wahrscheinlich war der Kirchenraum zu eng geworden, daher hatte man einen Fachwerkteil darangebaut mit kleineren viereckigen Fenstern mit bunten Scheiben.

Schloss Oberau

Schloss Mitteloberau. 1883-1914 im Besitz der Grafen von Stolberg-Wernigerode, danach der Grafen von Ballestrem-Ober Gläsersdorf.

Der Innenraum der Kirche birgt für mich so viele schöne Erinnerungen. In der Nähe des Altars, dicht an der westlichen Haupttür, war unsere Loge. Vor dieser waren zwei Frauenbänke. Nicht weit von unserer Loge, an der Außenwand, hatte mein Vater einen Grabstein einer Frau von Brauchitsch aufrichten lassen. In fast Lebensgröße stand in mittelalterlicher Tracht, mit um ein kleines Gebetbuch gefalteten Händen, die alte Dame da. Der barocke Altar hatte als Altarbild eine Kopie der Rubens'schen Kreuzabnahme. Rings um das Kirchenschiff gingen die Emporen. Unserer Loge gegenüber war die Empore der Bauern. Die Empore über uns trug mehrere auf Leinwand gemalte Bilder aus dem Leben Jesu. Das Bild der Himmelfahrt blieb mir besonders in Erinnerung, da man wohl darauf die gen Himmel blickenden Apostel sah, doch von Christus nur Füße am äußersten oberen Bildrande wahrnehmen konnte.

Die barocke Kanzel war mit Bildern geschmückt, deren Bedeutung nicht mehr recht festzustellen war. Dem Altar gegenüber war die Orgel, die in meiner Jugendzeit auch eine große Rolle spielte. Unser lieber alter Kantor Jänisch meisterte sie, obwohl er an der linken Hand nur den Daumen und an der rechten Hand nur Daumen und einen verkrüppelten Zeigefinger hatte. Als junger, eben nach Oberau berufener Kantor war er auf dem Wege von Oberau nach Alt-Raudten zu seiner Braut in einen Schneesturm geraten, hatte mit dem tiefen Schnee so zu kämpfen gehabt, daß er sich mit den Händen weiterarbeiten mußte. Als man ihn fand, waren die Hände erfroren, so daß die Finger amputiert werden mußten. Der völlig verzweifelte Kantor fand aber in der gütigen Frau des Patrons, Frau v. Festenberg-Pakisch, geb. v. Schweinitz aus Alt-Raudten, eine warme Fürsprecherin. Sie setzte es durch, daß der Verunglückte in seinem Amt als Kantor verblieb.

Schloss Mitteloberau

Als ich älter war, habe ich oft die liebe alte Orgel gespielt, wenn ich jemanden fand, der die etwas halsbrecherischen Bälge trat. Die Haupterinnerung für mich sind aber die Bilder in der Kirche. Sie standen in meiner Kindheit verstaubt und unkenntlich hoch oben auf einer Mauernische. Als Junge von 14 Jahren erbat ich mir von unserem damaligen Geistlichen, Herrn Pastor Kuske, die Erlaubnis, die Bilder nach Mittel-Oberau nehmen zu dürfen. Mit einem mir jetzt unverständlichen Mut machte ich mich an die Restaurierung der großen Bilder früherer Besitzer von Nieder-Oberau und einstiger Kirchenpatrone: ein jüngerer Herr von Zischwitz und ein sehr großes Bild, in einem von Kriegswaffen starrenden Rahmen, eines Oberwachtmeisters von Kirschbaum. Erstaunlicherweise gelang mir die Restaurierung so gut, daß die Bilder an der unserer Loge gegenüberliegenden Empore angebracht wurden.

Unsere Kirche lag mitten im alten Friedhof. An der Ostseite der Kirche standen große, alte, schöne Linden, unter denen eine frühere Pastoren-Familie Berndt begraben lag. Hier fiel ein schöner großer Stein auf, gekrönt von einer Urne. Nach dem Geschmack der damaligen Zeit war die Lebens- und Leidensgeschichte der dort ruhenden Frau Berndt aufgezeichnet, aus der zu entnehmen war, daß die Unglückliche vierundzwanzigmal an der Wassersucht operiert worden war. Dieser Stein und die schönen Steine und Grüfte der Familie von Pakisch sind von einem späteren Geistlichen entfernt worden. Ebenso wurde die schöne, abgebrochene Marmorsäule auf einem Sockel vernichtet. Auf dem Sockel waren zwei blühende Rosen und zwei geknickte, welkende Rosen eingemeißelt. Darunter stand der Vers: "Wir blühten wie die Röslein auf, und unsere Eltern hofften drauf, da kam der Tod und brach uns ab und bracht' uns in das kühle Grab."

Die schöne alte Kirchhofmauer aus bunten großen Feldsteinen, gekrönt mit halbrunden, schwarzen Schlacken, mußte einer unschönen Ziegelmauer weichen. Die ältesten Sehenswürdigkeiten in und um unsere Kirche waren in der Turmhalle ein großes Renaissance-Epitaph eines Ehepaars Brauchitsch, beide in voller Lebensgröße dargestellt. Außerhalb der Kirche war der uralte Taufstein, den eine nicht sehr pietätvolle Zeit aus der Kirche entfernt und ihn, mit der Kuppa nach unten, vor eine der kleinen Kirchentüren als Almosentisch aufgestellt hatte. Zu meiner Zeit war fast kaum noch etwas von der Kuppa zu sehen, da der massive schwere Stein bereits tief eingesunken war.

Reinhard Graf Stolberg in LHB 6/1958

Kirche zu Oberau mit dem beschriebenen Kirchturm und dem Fachwerkanbau

Kirche zu Oberau mit dem von Reinhard Graf Stolberg
beschriebenen Kirchturm und dem Fachwerkanbau
Kirche zu Obora im Jahr 2010

Kirche zu Obora im Jahr 2010 fotografiert von Piotr K.


Die versunkene Glocke von Oberau
von Pastor Rudolf Irmler

Wenn man von Lüben aus zur großen Niederschlesischen Heide wanderte, sah man bestimmt den schlanken und spitzen Turm der Dorfkirche von Oberau. Er schaute so aus, als ob man drei Tüten übereinander gesteckt hätte. Das Wertvollste an diesem Turm aber war die große Glocke. Aus dem Jahre 1605 stammte sie. In der Glockengießerei zu Liegnitz wurde sie von dem Meister "Johann mit dem Bart" gegossen. Wallensteinglocke wurde sie genannt. Man erzählte, daß Wallenstein im 30jährigen Kriege die Glocke abnehmen lassen wollte, um aus ihr Kugeln gießen zu lassen. Die Turmlöcher waren jedoch zu klein, man bekam die Glocke nicht heraus. So blieb sie im Turm hängen. In einer alten Schrift stand sogar, daß demjenigen ein Unheil geschähe, der es wagen würde, die Glocke aus dem Turm zu holen. Es soll ja manchmal etwas Wahres hinter einer alten Mär stehen!

Da kam der Zweite Weltkrieg, in dem auch unsere Wallensteinglocke von der Ablieferung erfaßt werden sollte. Ich schrieb damals auf den Fragebogen, daß es sich doch um eine historische Glocke handele, die der Nachwelt erhalten bleiben müsse. Alles Bitten war jedoch umsonst. Die Aholungskommission erschien. Der Sohn des Kirchvaters war als Bauarbeiter mit der Abnahme beauftragt. Als er sah, wie schwierig es sein würde, die große Glocke aus dem Turm zu bringen, wurde kurzerhand die kleine, wenig wertvolle neue Glocke abgegeben. Es sollte eben so sein, daß die Wallensteinglocke hängen blieb und weiter läutete über die Wälder und Felder der Heimat.

Das Innere der Kirche zu Oberau

Es kam dann der schwere Augenblick, als man nach dem Zusammenbruch die Heimat verlassen mußte. Die ganze Gemeinde wanderte ab. Die Glocke blieb im Turm hängen, vielleicht wäre sie gar zu gern mitgewandert. Als ich im Dezember 1945 wieder in Oberau ankam und die Kirche erblickte, galt mein erster Gedanke der alten Glocke. Sie hing wirklich noch da oben, während die Kirche völlig ausgeräumt war, die Fenster zerschlagen und die Orgel vernichtet. Die Glocke war stumm geworden, es gab keine Gemeinde mehr, die sie rufen konnte. Die kleine Schar sammelte sich nur alle 14 Tage im Wohnzimmer eines Hinterhauses.

Dann aber geschah etwas Unerwartetes. Eines Morgens ratterte ein Wagen durch die Oberauer Dorfstraße. Er kam aus Lüben und brachte deutsche Leute mit. Sie sollten auf höheren Befehl die Wallensteinglocke aus dem Turm holen. Man hatte sie gewarnt, mit der Glocke habe es eine eigene Bewandtnis. Doch der Befehl sollte ausgeführt werden. Man wollte die Glocke nach Lüben bringen, um sie in der dortigen katholischen Kirche aufzuhängen. Ihr herrlicher tiefer Klang war bekannt. Widerwillig machten sich die Männer an die Arbeit. Flaschenzüge wurden angebracht. Und da man die Glocke nicht aus der Turmöffnung herausbekam, mußten viele Steine aus der Mauer gestemmt werden. Endlich war alles soweit. Und die Wallensteinglocke schwebte an langen Seilen in die Tiefe. Unsere kleine Gemeinde schaute schweren Herzens zu.

Aber es hatte eben seine Bewandtnis mit der Glocke. Kaum war sie auf der Erde angelangt, da riß eines der langen Drahtseile und stürzte krachend herunter. Im Fallen traf es einen der biederen Lübener, einen Schlosser, der völlig zusammenbrach. Man brachte den Ärmsten sofort zu einer deutschen Familie, die ihn treu versorgte. Später lud man ihn auf den Wagen, der eigentlich die Wallensteinglocke nach Lüben bringen wollte, und fuhr mit ihm ins Krankenhaus. Dort hat er Wochen gebraucht, um wieder arbeitsfähig zu werden.

Das Innere der Kirche zu Oberau

Die Glocke stand indessen zwei Tage allein auf dem Oberauer Friedhof. Als die Kommission wieder mit dem Wagen aus Lüben kam, um sie zu holen, war sie verschwunden. Alles Suchen war vergeblich. Der Landrat aus Lüben, die katholische Geistlichkeit, auch der gute Pfarrer Kletzel aus Obergläsersdorf bemühten sich, den Aufenthaltsort der Glocke zu finden. Doch umsonst - sie blieb verschwunden.

So verging ein halbes Jahr. Da erfuhr ich eines Tages, wo sie geblieben war. Eine Konfirmandin war als Hilfe auf dem Gut des polnischen Bürgermeisters in Oberau beschäftigt. Beim Arbeiten stieß sie plötzlich im Misthaufen an etwas Hartes: Die Wallensteinglocke! Unglaublich! Was war geschehen? In der Nacht hatten einige Männer die Glocke vom Friedhof geholt und sie im Misthaufen des Bürgermeisters versteckt. Man wollte sie verkaufen. "Zappzarapp" nannte man das damals. Ein viel gehörtes Wort in jener schrecklichen Zeit. Keiner durfte das von dem Misthaufen wissen. Meine Konfirmandin hatte es mir nur geheimnisvoll anvertraut. Sie hatte aber dem Bürgermeister zu verstehen gegeben, daß die Glocke in dieser Umgebung doch ihren schönen Klang verlieren würde.

Ich konnte nun zunächst nichts tun, um die "versunkene" Glocke wieder zu heben. Doch dann kam der Tag unserer Ausweisung. Ich mußte alle Kirchen, Gebäude und Ländereien in meiner Superindententur dem polnisch-evangelischen Pfarrer übergeben, der aus Liegnitz zu mir kam. Er schrieb alles gewissenhaft auf und wollte zum Starosta gehen, um dort das große Erbe festzulegen. Es ging ja in die Millionen. Zum Schluß erzählte ich ihm die Geschichte von der versunkenen Glocke und daß sie im Misthaufen zu Oberau stecke. Da ging er sofort zur Verwaltung, um alles zu erzählen. Noch am gleichen Tage fuhr die Miliz nach Oberau, verhaftete den Bürgermeister, durchsuchte den Misthaufen und fand die Wallensteinglocke.

Was ist weiter aus ihr geworden? Ich weiß es nicht mehr. Ob sie noch einmal einem "Zappzarapp" zum Opfer fiel? Möglich ist alles. Und daß dann wieder ein Unglück kommt, wenn man die alte Künderin der Ehre Gottes so mißhandeln würde. Vielleicht läutet sie aber auch wieder, ruft eine Gemeinde und singt wie früher das "Soli deo gloria".

Pastor Rudolf Irmler in LHB 5/1997


Konrad Seyler's Gasthaus, Kriegerdenkmal, Paul Puff's Bäckerei, Neumann's Bäckerei, Kirche, Buchwald's Fleischerei, Schloss, Schule, Pfarrhaus

Seyler's Gasthaus, Kriegerdenkmal, Puff's Bäckerei, Neumann's Bäckerei, Kirche, Buchwald's Fleischerei, Schloss, Schule, Pfarrhaus.
Mit Dank an Kazimierz Bełz!

Oberau: Schloss, Evangelische Kirche, Gasthof zum Schwarzen Adler von Härtwig, Bäckerei und Warenhandlung Heinrich Wittig

Oberau: Schloss, Evangelische Kirche, Gasthof zum Schwarzen Adler von Karl Härtwig, Warenhandlung Heinrich Wittig