Allerlei Zeitdokumente - 1872-1935
Verschiedene Postsachen
Post aus der Zuckerfabrik 1886














Als Spende für meine Seiten erwarb Henry Näpelt bei Ebay ein Konvolut mit Postsachen aus Lüben und übermittelte mir das Material zur Veröffentlichung. Es sind Briefumschläge und Postkarten aus der Zeit von 1872 bis 1935. Die Briefumschläge zeigen neben dem Poststempel "Lüben" auch schöne Firmenstempel bekannter Lübener Geschäftshäuser. Leider enthalten sie keine Briefe. Aber die handschriftlichen Postkarten geben z. T. interessante Einblicke in das Geschäftsleben der Stadt. Herzlichen Dank!

Lüben, 15.8.1872, Herrn Pastor Gaupp, Hochehrwürden, Ohlau

Lüben, den 30.8.1898
Lieber Cousin!
Nun muß ich doch einmal anfragen, ob Du schon zuhause angekommen bist, oder ob Du Dich noch auf Reisen befindest. Wir haben jeden Tag auf eine Nachricht von Dir gewartet, aber immer vergebens. Gesund sind wir noch alle, was wir auch von Dir und Deiner Familie hoffen. Vater ist seit Sonnabend in Berlin zur Einsegnung. Wir hoffen aber, daß wir bald einmal etwas von Dir hören. Viele Grüße an Dich und Deine Frau von Deiner Tante und Cousine Anna

31.8.1898 Herrn Paul Hentschel Lehrer an der evangelischen Schule Gottesberg
In Lüben gab es mehrere Familien Hentschel.

14.9.1920 Buch und Kunstdruckereien Paul Kühn, Fernruf Nr. 14, Lüben i. Schles., Lübener Stadtblatt, Tageblatt und Anzeigen für Amtsgerichtsbezirk Lüben, Auflage rd. 4000 Exemplare.
Kotzenau i. Schl. Fernruf , "Kotzenauer Stadtblatt", Öffentlicher Anzeiger für Kotzenau und Umgebung. Nachweislich gelesenste Zeitung.
Durch Eilboten bestellen.
Herrn Paul Weh Görlitz Löbauer Str. 37 II

Paul Weh war Leiter einer Buchdruck-Setzerei.

Abs. Frau Schneidermeister Selma Watollik (* 1890)
Auf dem Foto vom Kegelclub "Gut Holz" ist sie 1920 mit ihrem Ehemann Max zu sehen!
Lüben i. Schlesien Faulhaberstr. 7, am 6.7.1927 an Weberei Hch. Schombert Lardenbach 28 Oberhessen

Lüben, den 6.7.1927 Weberei Hch. Schombert Lardenbach Bezugnehmend Ihr Inserat in der Vobach-Zeitung betreff "18 Meter Stoff gegen Einsendung aller Wollsachen" bitte ich, mir Muster und Bedingungen franko zusenden zu wollen. Die Zusendung meinerseits bestände aus prima Neutuch-Abfällen. Hochachtungsvoll Frau S. Watollik, Lüben i. Schlesien, Faulhaberstr. 7

In einer solchen Zeitung fand Schneidermeisterin Watollik die Anzeige!

26.10.1935 Einschreiben an die Vereinsbank Cottbus A. G.
von der Mittelstandsbank Liegnitz gegründet 1910 Zweigstelle Lüben, die Spareinlagen von jedermann entgegennimmt und die heimische Wirtschaft durch Hingabe von Krediten an den Mittelstand fördert.

Sie befand sich am Ring neben der Eisenwarenhandlung meines Großvaters Konstantin Moch.

Lüben 19.1.1881 An die Porzellan- und Glas-Handlung von Herrn Hengstmann Hoflieferant Berlin Leipziger Straße unweit der Friedrichsstraße vormals Bauakademie

Von dieser Firma findet man im Internet sogar noch Rechnungen mit Briefköpfen. In Lüben gab es mindestens zwei Geschäfte, die Porzellan- und Glaswaren verkauften. Firma Sondermann am Ring gegenüber dem Hotel Grüner Baum und Firma Albert Eckart laut Adressbuch Nachfolger von Karl Wiemer. Sie könnten zu den Kunden des Hoflieferanten Hengstmann in Berlin gehört haben.

20.11.1908 Stempel: Droguen- und Farbenhandlung Richard Grotius, Nachf. Georg Müller Lüben, Ober-Glogauer Str. 16 (Im Adressbuch 1927 wird Nr. 14 angegeben.) Herrn Bunge & Corte Halle a. S.

Lüben Schles., 20.XI.1908 Herren Bunge & Corte, Halle
Wie notieren Sie billigst Paraffin, liquid albissim. Ph G II incl. Barrel frachtfrei Bhf. Lüben? Hochachtungsvoll Stempel: Droguen- und Farbenhandlung Richard Grotius, Nachfolger Georg Müller Lüben, Ober-Glogauer Str. 16

Bunge & Corte war eine Paraffin- u. Mineralölfabrik und Handlung in Halle, Franckestraße 2.

Lb. K.! ... ist seit Freitag hier. Hat er eine unbedeutende Fleischwunde unter dem rechten Auge. Da er zum Glück das Fernglas gerade vor den Augen hatte, wurde das Geschoss hierdurch abgelenkt. Andererseits schlug ihn das Glas so vor das rechte Auge, dass dieses getrübt ist und er sozusagen mehr mit demselben sieht. Er fährt morgen zu einem guten Augenarzt nach Breslau, wird man dann ja wohl bestimmtes hören. Wie geht es Dir, lieber ? Was macht der Kleine? Wenn der Krieg noch lange

dauert, wird er wohl auch noch mitmüssen. Ich liege noch immer. Mit besten Grüßen an Levin und Dich, Rudolf
Lüben, 20.3.1915
An I. Hochgeboren Gräfin Metternich Eupen b. Aachen Rheinland

Lüben, den 3.11.1934 Meine lieben Kinder! Ganz unverhofft bin ich seit gestern (den 2.) schon in Lüben. Ich hatte ja das herzlichste Verlangen, bei Euch liebe Kinder, etliche Tage zu verweilen. Doch es sollte wohl nicht sein. Ich verpasste das Aussteigen in Breslau. Man sagte mir, es wären noch 2 Stationen und das erste wäre Brück. Ich wunderte mich, dass Brück so eine große Station ist, habe nirgends Aufschriften gesehen und wie der Zug sich in Bewegung setzte, sah ich erst, daß es Breslau war. Im Augenblick hatte ich das Gefühl, man hätte mir eine Lieblingsspeise von der Untertasse weggenommen. Ich mußte mich zufriedenstellen, denn ein Herr wollte auch in Breslau aussteigen, mußte stracks nach Liegnitz fahren, weil es ein Eilzug war, mußte der Ärmste 3 Stunden fuhr der Zug von Kattowitz bis Breslau, um 1 Uhr bin ich daraus gefahren und 6 war ich zuhause. Heute kann ich's noch nicht fassen, wie es geschah. Ich freue mich nur,

daß Ihr zum 15. in L. nicht gewesen seid und hoffe, daß Ihr zum Totenfest kommen werdet und wir sehen und sprechen uns wieder. Freds lassen Euch alle, auch die Kinder, herzlich grüßen. Ich bin sonst gesund und glücklich nach L. angelangt und auch alles in der besten Ordnung angetroffen. Bei Vater auch heute das Grab in Ordnung etwas gebracht. Schreibt bitte. Mit herzl. Gruß Eure Mutter
J. Ehlandt Lüben in Schles. Ring 26
Herrn Dr. Ing. H. K. Ehlandt Breslau 23 Goethestr. 101

Im Adressbuch Breslau von 1935 findet sich der Eintrag:


Für diese Seite noch einmal ein herzliches Dankeschön an Henry Näpelt! Nicht alle Dokumente werden für alle Besucher gleichermaßen interessant sein. Aber Familienforscher freuen sich über jedes Erinnerungsstück, und sei es nur der Bericht über eine missglückte Bahnfahrt oder die Antwort auf eine Tauschanzeige! Es wäre doch schön, wenn so etwas auch von uns übrigbleibt!