Zoe Droysen (1884-1975)
Zoe Droysens Bücher und Manuskripte














Zoe Droysen (1884-1975)

Zoe (eigentlich Eva Helene) Droysen entstammte väterlicherseits einer alten Berliner Gelehrten- und Künstlerfamilie. Sie war eine Enkelin des Geschichtsprofessors Dr. phil. Johann Gustav Droysen (1808-1884) und dessen Ehefrau Emma Michaelis (1829-1881). Deren Sohn Dr. phil. Hans Droysen (1851-1918) und seine Ehefrau Margarete geb. Lührß (1856-1907) waren Zoe Droysens Eltern. Sie war die mittlere Tochter. Ihre ältere Schwester Emma Droysen (1881-1945) war verheiratet mit dem Cousin Otto Droysen, die jüngere Schwester Anna (*1886) mit dem Arzt Dr. med. Karl Veit.

Zoe Droysens Urgroßvater mütterlicherseits Fedor (Johann Friedrich) von Rüdiger war Postdirektor in Lüben. Die Poststelle und seine Wohnung befand sich damals im Haus Nr. 26 am Ring. Später erwarb die Familie ein Grundstück in der Liegnitzer Str. 29. Dort entstand das Postgut, das spätere Stiftsgut. Im Gartenhaus in seiner Nähe erlebten die Enkelkinder wundervolle Sommerferien. So war Zoe Droysen von Kindheit an mit Lüben verbunden. Noch im hohen Alter beschrieb sie den Pfeffergraben, der das Grundstück begrenzte. In dieser Abgeschiedenheit, erlebte Zoe Droysen zu allen Zeiten die Natur und holte sich hier die Kraft zu ihrem Schaffen.

Als die Wohnung der Droysens 1943 in Berlin zerbombt wurde, zog Zoe Droysen mit ihrer kranken älteren Schwester Emma nach Lüben. Sie lebte bescheiden und zurückgezogen. Über ihr Leben drang wenig an die Öffentlichkeit. Dennoch pflegte sie ein herzliches Verhältnis zu den Lübenern, wovon u. a. auch ihre Würdigung von Bäcker Richard Kassner zeugt. Bevor sie am 29. Januar 1945 mit ihrer Schwester Lüben verlassen musste, wanderte sie noch einmal durch den Park, der tief verschneit dalag. Den Abschied vom alten Gartenhaus in Lüben verarbeitete sie in der Novelle Der alte Garten.

Viele ihrer anrührenden Beschreibungen, Erzählungen und Gedichte wurden im "Lübener Heimatblatt", im Heemteglöckla, den Rundbriefen der Heimatgemeinschaft Krummhübel-Brückenberg, in Meine liebe Heimat Du, den Jahrbüchern für die Stadt- und Landkreise des Riesen- und Isergebirges, veröffentlicht.
In Buchform erschienen:

Schwälbchen, 1942
Jo aus der Webergasse, 1942
Renate Cornelius, 1948
Der alte Garten, 1948
Sidonie's Kellerbande, 1949
Der Kantor zu St. Nikolai, 1952
Wang im Riesengebirge, 1956
Autofahren, das macht Spass!, 1959

Zoe Droysen 1916 in Lüben

Tief berührt erfuhr ich im Frühjahr 2007 von zwei handschriftlichen Tagebüchern, die sich neben anderen Nachlass-Sachen von Zoe Droysen im Besitz des Antiquariats Tarter befinden. Eines schrieb sie als 20jährige über ihren Italien-Aufenthalt (vom 4. Oktober 1904-1.2.1905) . Es ist weniger interessant, da es sich in einer Aufzählung der von ihr besuchten Museen, Bauwerke und Landschaften erschöpft. Es scheint, als habe ihr Vater, der 1875 im gleichen Schreibheft seine Italieneindrücke festgehalten hatte, diese Aufzeichnungen von Zoe und ihrer Schwester Emma - als Zeugnis ihrer Bildungsreisen - gefordert. Ihr Lübener Tagebuch dagegen begann sie Ostern 1944 in Lüben. Dass es Weihnachten 1948 in Erlangen endet, war zu Beginn nicht abzusehen und macht das Tagebuch zu einem bewegenden Zeitdokument. Sie beschreibt anfangs darin ihre tiefen Empfindungen gegenüber der Natur, ihre Kontakte zu den Einheimischen und zeigt auf erschütternde Weise, wie der Krieg in die Idylle der beschaulichen Kleinstadt einbricht. Minutiös hält sie die Flucht der beiden über sechzig Jahre alten Frauen in Eiseskälte, überfüllten Zügen und der Angst vor den Russen und später den Amerikanern fest. Ihre Schwester stirbt wenige Tage nach der Ankunft bei Bekannten in Erlangen an Erschöpfung und Herzeleid. Zoe Droysen leidet lebenslang unter dem Verlust ihrer Lübener Heimat. Zoe Droysen starb am 20. September 1975 in Ramsau bei Berchtesgaden, wo sie alljährlich Erholung bei guten Freunden fand, im Alter von 90 Jahren. Sie wurde in Erlangen auf dem Altstädter Friedhof beigesetzt.

Es hat mich tief erschüttert, dass keine Institution, die ich anschrieb, in der Lage war, sich mit dem Antiquariat über einen Preis zu einigen, um das Dokument vor dem Verfall zu retten. Schlimmer noch! Das "Lübener Heimatblatt", dem die Eigentümer des Dokuments ohne jegliche finanzielle Forderung eine auszugsweise Veröffentlichung angeboten hatten, teilte mir - obwohl niemand dort das Tagebuch gelesen hatte - mit, man sehe keine Verwendung für den Text, da die Leser nicht mehr an diese Zeit erinnert werden möchten. Das hat mich sprachlos gemacht. Inzwischen haben wir uns mit dem Antiquariat entschlossen, große Teile des Tagebuchs auf meiner Website Lüben-damals zu veröffentlichen. Dafür bin ich der Familie Tarter sehr dankbar. Damit wird das Andenken an Zoe Droysen und die Geschichte der Stadt Lüben auf angemessene Weise bewahrt. Es wäre wunderbar, wenn sich auf die Weise auch ein Käufer für den gesamten Nachlass der Schriftstellerin fände. (Warum nicht ich? Meine Lebenszeit ist begrenzt, so dass die Frage nach der Bewahrung des Tagebuchs schon bald wieder gestellt werden müsste. Heidi)

Der alte Garten von Zoe Droysen zwischen Stiftsgut und Katholischer Kirche