Kolonialwarenhändler Willy Kirchner und Familie
Erinnerungen von Rudolf Kleindienst














Der Name Kirchner kam häufiger in Lüben vor.
Am Ring nahe dem Hotel Grüner Baum hatte Emilie Kirchner ihren Laden für Weißwäsche. Mehrere alte Ansichtskarten hat der Verlag Friedrich Kirchner herausgegeben und auf einer Kunstpostkarte hat A. Kirchner 1909 das sogenannte "Mannschießfest" zeichnerisch dargestellt.

Auf Willy Kirchner wies mich erst 2019 Werner Merz in einem Gästebuch-Beitrag hin. Im Adressbuch von 1927 ist er als Kolonialwarenhändler in der Liegnitzer Straße 32 aufgeführt.

Werner Merz, dessen Großmutter Helene geb. Schneider die Schwester von Willy Kirchners Ehefrau Johanna geb. Schneider war, übermittelte mir dieses Foto von Willy Kirchner mit Ehefrau Johanna und Tochter Charlotte aus dem Jahr 1940.

Im Lübener Heimatblatt 1960 sind kurz nacheinander Glückwünsche zum 70. Geburtstag und die Nachricht von seinem Ableben zu lesen.

Eine Abbildung des Kolonialwarenladens von Willy Kirchner habe ich zwar nicht gefunden. Aber immerhin eine Ansichtskarte der Liegnitzer Straße 32 vom Anfang des 20. Jahrhunderts! Der unbekannte Verfasser hat die Hausnummer vermerkt und neben den Dachfenstern ein Kreuz gemacht, um zu zeigen, wo man wohnt. Der Laden unten gehörte derzeit noch nicht Willy Kirchner, zeigt aber, wo er sich befand. Direkt gegenüber von der 1906 erbauten Katholischen Kirche, die auf dem hier noch eingezäunten Gelände links errichtet wurde.


Hier noch einige Dokumente der Familie.
Das älteste ist ein Auszug aus dem Taufbuch der evanglischen Kirchgemeinde Altenburg (Thüringen) aus dem Jahr 1857, der die Taufe von Ernst Schneider (künftiger Schwiegervater von Willy Kirchner) und die Namen seiner Eltern bestätigt. Es folgt 1863 das Taufzeugnis der Amalia geb. Nollain aus Himmelwitz, die einmal Ernst Schneider heiraten wird.

Ihre gemeinsame Tochter Helene Amalie wird 1887 schon in Lüben geboren. Die Urkunde ist als Kopie von 1936 erhalten.

Ernst Schneider und Amalia geb. Nollain hatten 1886 in Petschkendorf geheiratet. Amalia wohnte derzeit in Fauljoppe. Die Kopie wurde 1936 in Petschkendorf ausgestellt, im gleichen Jahr wie die Geburtsurkunde von Amalia. Es war die Zeit, als nach dem Erlass der "Nürnberger Rassegesetze" nachzuweisen war, dass man "arischer" und nicht "jüdischer" Abstammung war. Das sollten wir nicht vergessen, wenn wir heute froh sind, solche Familiendokumente zu besitzen.