Südwestliche Ringseite - Apothekenseite - Obermarkt
Haus Nr. 26 am Ring - Das Krockow'sche Haus














Apothekenseite

In dem Haus links neben der Apotheke hatte Gustav Otto Weber im Jahre 1882 ein Kolonialwaren- und Delikatessen-geschäft gegründet. Etwa 1888/89 kaufte er das schräg gegenüberliegende Grundstück Nr. 4 gegenüber von der Buchhandlung May in der Tiefen Straße 1. Den Kolonialwarenladen übernahm nach ihm Ewald Finster. Nach diesem zog dort die Mittelstandsbank ein. Im ehemaligen Weber-Haus betrieb die Modistin Albrecht eine Zeitlang ihr Geschäft und nach ihr Schneidermeister Rockstein. Dieses Eckhaus kaufte im Jahre 1903 die Stadt, um es drei Jahre später abzubrechen, weil es den zunehmenden Straßenverkehr zwischen der schmalen "oberen Bahnhofstraße" und dem Ring behinderte. Die Apotheke daneben gehörte damals Dr. Hentschke, von ihm erwarb sie Franz Gottschalk. Siehe auch die Anzeigen der Geschäftsleute vom Ring.
(Die zeitlichen Angaben auf dieser Seite widersprechen sich teilweise. Ich gebe sie hier so wieder, wie ich sie in verschiedenen Dokumenten gefunden habe.)

Hier schreibt am 25.7.1908 ein Julius X. an Zimmermeister Albert Schütze in Dessau - leider in fürchterlicher Handschrift: "Mein lieber Herr Schütze, endlich habe ich noch --- gefunden und sende Ihnen dasselbe mit freundlichem Gruß --- Julius ---" Die wichtigsten Informationen sind leider nicht zu entziffern! Was hat er gefunden? Was sendet er Herrn Schütze?
Ein Vergleich mit dem Bild darüber zeigt, dass hier leider das Haus links, in dem sich bis 1906 die Buchhandlung der Familie May befand, weggeschnitten wurde. Dass es sich um die gleiche Aufnahme handelt, beweist die junge Frau, die dort in der damals "obere Bahnhofstraße" genannten Einmündung steht! Dafür ist die rechte Seite weiter gefasst und im Scan in höherer Auflösung sind dort die Aufschriften weiterer Geschäfte gut zu lesen. Rechts neben der Apotheke befindet sich D.C. Jambours Hut- und Mützenlager. Es folgt die Weiss- und Wollwaren-Handlung von Julius Pretsch und ganz rechts preist A. Krüger sich als Schneidermeister an. Darunter befindet sich der Laden von Oscar Rothe. Im Schaufenster sind Uhren ausgestellt. Vielen herzlichen Dank, Tomasz Mastalski, für dieses schöne Zeitdokument!

Apothekenseite

Im letzten Jahrzehnt des 19. Jhs. gehörte das Haus links neben der Apotheke Schneidermeister C. Rockstein, der nach dem Abriss in das Haus neben Eisenwarenhandlung Schütze einzog. Dieses Bild ist nach dem Umbau der Apotheke (1894) aufgenommen worden. Dieser Umbau hatte das rechts daneben stehende zwei Fenster schmale Haus (siehe oben) in das Apotheken-Gebäude eingefügt bzw. beseitigt. Auf diesem Bild, das wir wieder einmal Tomasz Mastalski verdanken, ist ein weiteres Geschäft zu erkennen! Neben der Apotheke sind die Schaufenster von Kürschner Richard Zaake und W.&H. Schmidt Inh. Wally Fritsch.

Blick vom Ring in die obere Bahnhofstraße

Blick vom Ring in die obere Bahnhofstraße nach dem Abriss des Eckhauses, dem Umbau der Apotheke, dem Bau von Kaiser's Kaffeegeschäft mit dem charakteristischen Türmchen am Beginn der Tiefen Straße. In der Mitte der linken Seite ist das E vom Namen des Eisenwarenhändlers Emil Schütze, des Vorgängers meines Großvaters Konstantin Moch, zu sehen. Der Blick in die Bahnhofstraße geht auf der rechten Seite bis zur Joppich-Brauerei. Rechts neben der Apotheke: Dresslers Reparaturwerkstatt für Fahrräder und Nähmaschinen (dazu unten mehr). Danke für diese seltene Abbildung an Bernd M.!

Mochseite Ecke Apotheke

Auf dem Bild wird deutlich, wieviel Raum durch den Abriss des Weber-Hauses für die Einmündung der oberen Bahnhofstraße geschaffen wurde. Die May-Buchhandlung ist abgelöst von einer Filiale von Kaiserís Kaffeegeschäft, das um die Jahrhundertwende noch neben Schützes Eisenwarenhandlung war. Daneben in Richtung Bahnhof das Pelzgeschäft von Walter Tschöpe. Links die Ringseite mit Friseur Bessenroth, Bäckerei Gillert, Emil Schütze - Eisenwaren (Vorgänger meines Großvaters Konstantin Moch), daneben Herren-Knaben-Garderobe Rockstein, seit 1888/89 Kolonialwarenladen Gustav Otto Weber, später Ewald Finster, zuletzt die Filiale der Mittelstandsbank. Daneben die Einbiegung in die Tiefe Staße.

Apothekenseite

Nr. 31. Apotheke, Nr. 30: Ed. Dressler Fahrräder Nähmaschinen, Reparaturwerkstatt, (Dieses Geschäft übernahm später Elektromeister Richard Pohl). Nr. 29: Konrad Klose erwähnt, dass das Haus ursprünglich ein bischöfliches Absteigequartier war, später W. & H. Schmidt, Inh. Wally Fritsch, Gerling & Rockstroh / Erdmann Schuhe, E. Pessler, Posamentierwaren, Putz- und Modewaren. Nr. 28: Hotel Schwarzer Adler. Nr. 27: Uhrmachermeister Ernst Werner.

Apothekenseite

Eine winterliche Aufnahme dieser Ringseite, die trotz ihrer Qualitätsmängel einige interessante Neuentdeckungen ermöglicht! Haus Nr. 29, das ehem. bischöfliche Absteigequartier, hat auf allen älteren Bildern einen oben horizontalen Abschluss des Giebels mit zwei weiteren Fenstern über den darunter befindlichen. Hier ist eine Aufnahme, auf der der Giebel den übrigen rechts und links angepasst ist. Auf der Rathaus-Seite ist ein weiteres Bild nach diesem Umbau. Noch eine Entdeckung ist der Laden von Otto Dirkens zwischen Gerling & Rockstroh und dem Hotel Schwarzer Adler. Bisher war nur eine Abbildung bekannt, auf der sich das Geschäft auf der Seite der Eisenwarenhandlung meines Großvaters befindet.

Nr. 30 Elektromeister Richard Pohl, wirbt im Lübener Heimatkalender 1942 mit einer Geschäftsanzeige als Fachgeschäft für Licht-, Kraft-, Radio- und Blitzschutz-Anlagen. Richard Pohl und seine Ehefrau Marta geb. Klüm waren noch in der Nachkriegszeit eng mit meinen Großeltern befreundet.

Apothekenseite vor Kirche

Nr. 28 Hotel zum Schwarzen Adler links das erste Gebäude. Daran schloss sich Nr. 27 an: Uhrmacher W. Rothe (später Ernst Werner). Das Krockowsche Haus (Ring Nr. 26), in dem Friedrich II. mehrfach nächtigte. Es war später die Alte Post, bis die Stadt es 1849 von Postdirektor von Rüdiger kaufte und zum Königlichen Amtsgericht umfunktionierte. Dem neuen Zweck entsprechend wurde es baulich verändert, dazu gehörte auch das Flachdach. (Das neue Postgebäude entstand in der Bahnhofstraße). Daneben Paul Lax Inh. Georg Goldmann und Otto Haertle.

Interessant an dieser neuen Abbildung, die wir Tomasz Mastalski verdanken, ist, dass sie eine genaue zeitliche Einordnung erlaubt. Das Bild darüber zeigt das ursprüngliche Krockowsche Haus. Hier ist der Umbau schon vollzogen. Die Geschäfte daneben von Paul Lax Inh. Georg Goldmann und Otto Haertle sind noch immer in der Hand dieser Geschäftsleute. Auf dem folgenden Foto sind schon Liebrecht & Hirsch eingezogen.

Apothekenseite Ecke Kullmannseite

Nach dem Neubau des Amtsgerichts 1905 übernahm Schneidermeister Ernst das Haus Nr. 26 und ließ das Krockowsche Haus mit Spitzdach und Erker wiedererstehen, zeitweilig befand sich darin die Mittelstandsbank, zuletzt Hutgeschäft Arthur Albrecht, daneben Nr. 25 Liebrecht und Hirsch (zuletzt Dudeck/Dudek), Nr. 24 Otto Haertle (zuletzt Breutmann). Das Eckhaus zwischen Großer Kirchgasse und Niederglogauer Straße war Destillation Leopold Weiß Likörfabrik. Rechts die Kullmann-Seite mit Stoffladen A. Elkusch Inh. Johannes Hecker, Hutgeschäft Emil Stenzel, August Kullmann Inh. Georg Geisler.

Apothekenseite Ecke Kullmannseite

Herzlichen Dank Tomasz Mastalski für diese Ansicht vom Ring. Links das Geschäft von Uhrmachermeister Ernst Werner.
Taschenuhr von Ernst Werner Lüben i. Schlesien Von ihm werden noch heute Uhren online versteigert wie diese Taschenuhr mit der Inschrift Ernst Werner Lüben i. Schlesien.

Daneben ist im Haus Nr. 26 ein Laden mit der Aufschrift KOSA zu sehen. Dabei handelte es sich um eine Filiale der Kosa-Schokoladenfabrik Niederoderwitz, in der es nicht nur Schokolade und Süßigkeiten, sondern auch Südfrüchte gab. Das Hauptwerk wurde 1930 gegründet.

Schriftzug der Kosa-Schokoladengeschäfte

Im Lübener Kosa-Geschäft war Hildegard Aßmann Verkäuferin.

Apothekenseite Ecke Kullmannseite

Während diese Ansichtskarte 1941 verschickt wurde, waren die jüdischen Geschäftsleute auch in Lüben längst enteignet, vertrieben und die ersten Lübener Juden in Konzentrationslagern und Ghettos ermordet. Lesen Sie auf einer Gedenkseite die Namen einiger von ihnen. In der NS-Zeit gibt es auch in Lüben keine jüdischen Geschäfte mehr. Jetzt gehören die Läden Hellmuth Dudeck und Erwin Breutmann.