Freiwillige Feuerwehr Lüben
Schützenverein und Vogelschießen














Die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Lüben



Bezirksverbandstag der Feuerwehr am 4. August 1907 in Lüben, im 25. Jahr der Freiwilligen Feuerwehr Lüben

Das freiwillige Feuerlöschwesen hat sich in Deutschland anfangs sehr langsam entwickelt. Nach dem Kriege 1870/71 versuchten die meisten Städte, ihren Feuerlöschdienst zu verbessern, indem sie ihn auf freiwilliger Grundlage aufbauten. In der Regel stellten sich die Turnvereine zur Verfügung, die dann unter der Bezeichnung "Turnerfeuerwehr" ihre Übungen abhielten und sich nach und nach zur "Freiwilligen Feuerwehr" nach heutiger Auffassung entwickelten. In Lüben ging die freiwillige Feuerlöschhilfe nicht aus dem Turnverein hervor, sondern der Gründer der Wehr war Ratsherr Schornsteinfegermeister Paul Wucherpfennig.

Nach einem Großfeuer, das am Nachmittag des 19. Juli 1882 in der Nieder-Glogauer Straße ausbrach und dem einige Häuser zum Opfer fielen, erkannte Ratsherr Wucherpfennig, daß neben der Pflicht-Feuerlöschhilfe das Bestehen einer gut durchorganisierten freiwilligen Feuerwehr in einer Stadt wie Lüben unbedingt notwendig ist, um in ständiger Bereitschaft, bei Tag und Nacht, ungeachtet der drohenden Gefahren, Hab und Gut der Mitmenschen zu schützen und zu retten.

Über das Großfeuer in der Nieder-Glogauer Straße berichtete das Lübener Stadtblatt:

"Lüben, den 19. Juli 1882. Kurz nach zwei Uhr wurde die hiesige Einwohnerschaft plötzlich durch Feuerlärm überrascht. Der Herd des Brandes befand sich in der wegen ihrer Feuergefährlichkeit denkbar ungünstigsten Stelle der Stadt, in der Nieder-Glogauer Straße. Dort bilden die Häuser der Nieder-Glogauer Straße und der Ober-Glogauer Straße, sowie der Ringfront ein einziges Viertel. Die Häuser sind sämtlich alt, nur zum geringsten Teil voneinander durch Brandmauern getrennt und teilweise sogar ineinandergebaut. Die Befürchtungen, daß dieser ganze Häuserkomplex niederbrennen könnte, waren deshalb durchaus gerechtfertigt. Zum Glück ist dieser Fall jedoch nicht eingetroffen, wenngleich auch einige Häuser dem Brande zum Opfer fielen.
Ausgekommen war das Feuer in dem Hause des Schneidermeisters Schmidt, hatte sich dann nach dem Uhrmacher-Aisch'schen Hause hin verbreitet und auch die anstoßenden Häuser des Töpfermeisters Haupt und Lohnkutschers Neufert in Mitleidenschaft gezogen. Die letztgenannten beiden Häuser haben jedoch vorzugsweise durch Rettungsmaßnahmen gelitten. Dagegen sind die ersteren beiden Häuser ein Raub der Flammen geworden. Der energisch eingreifenden Löschhilfe ist es lediglich zu verdanken, daß das Feuer auf diese beiden Häuser beschränkt geblieben ist. Größere Gefahr war entschieden vorhanden und mußten auch die sämtlichen angrenzenden Häuser der Nieder-Glogauer Straße geräumt werden. Sowohl von Seiten des Zivils als auch des Militärs, welch letzteres namentlich reichlich vertreten war, wurden aufopferndste Anstrengungen zur Bewältigung des Brandes gemacht. Als großer Akt der Selbstverleugnung verdient das Vorgehen des Herrn Kaufmann Otto Haertle, sowie der Herren Schornsteinfegermeister Theodor Dietrich und Paul Wucherpfennig hervorgehoben zu werden, die in ihren besonders exponierten Stellungen sich um die Bewältigung des Brandes in denkbar kürzester Zeit hervorragende Verdienste erwarben. Nicht nur die Bewohner jenes Viertels, sondern die ganze Einwohnerschaft mag es als ein Glück betrachten, daß der Brand trotz des sich in der ersten Zeit fühlbar machenden Wassermangels gedämmt werden konnte. Der Schaden würde ein unübersehbarer geworden sein. Schwer geschädigt sind die Bewohner jener Häuser, die, wie wir hörten, sämtlich unversichert sind.
"

Am 30. Juli 1882 richtete Ratsherr Wucherpfennig nachstehenden Aufruf an die Mitbürger Lübens:

"Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr! Es ist wünschenswert, auch für unsere Stadtgemeinde eine freiwillige Feuerwehr zu errichten. Deshalb ersucht Unterzeichneter seine hiesigen Mitbürger, ihren Beitritt schriftlich durch Zeichnung ihres Namens zu erklären. Die Zusammenkünfte sollen durch das Stadtblatt unter der Chiffre F. W. nebst Datum und Zeit bekannt gemacht werden, und wird der Unterzeichnete der ersten Versammlung einen Statutenentwurf vorlegen. Paul Wucberpfennig, Schornsteinfegermeister"

Auf diesen Aufruf hin erklärten sofort ihren Beitritt: Schornsteinfegermeister Theodor Dietrich, Schmiedemeister Fritz Gugsch, Färbermeister Jäschke und Kaufmann Fedor Schumann. Am 1. September 1882 versammelten sich im Gasthof Zum schwarzen Adler eine Anzahl Bürger von Lüben, die unter Vorsitz des Ratsherrn Wucherpfennig nach einer regen Aussprache den "Feuerwehr-Verein zu Lüben" gründeten. In dieser ersten Versammlung meldeten sich vierzehn neue Mitglieder. Die bereits beigetretenen und vorerwähnten Herren bildeten den Vorstand. Als Vereinslokal wurde der Gasthof "Zum schwarzen Adler" gewählt.

Eine Woche später informierte das "Lübener Stadtblatt" die Öffentlichkeit über die Gründung des "Feuerwehrvereins" :

"Lüben, den 8. September 1882. Unter dem Eindruck der großen Gefahr, welche unserer Stadt gelegentlich des Brandes in der Nieder-Glogauer Straße am 19. Juli drohte, sind eine Anzahl junger Bürger zusammengetreten und haben in aller Stille einen Verein konstituiert, dessen Tätigkeit eine opferfreudige, für die Mitbürger berechnete sein soll. Wenngleich wir auch von ganzem Herzen hoffen, daß der neugegründete Verein nie oder sehr selten in praktische Tätigkeit treten möge, so begrüßen wir doch die Errichtung einer Freiwilligen Feuerwehr am hiesigen Orte - denn um eine solche handelt es sich - mit vollster Genugtuung. Wir wünschen dem neuen Verein, der sich der Sympathie nicht nur unserer städtischen Behörden, sondern auch der gesamten Bürgerschaft zu erfreuen haben wird, das beste Gedeihen. Es ist ein hochherziges Unternehmen, sich dem Schutz seiner Mitbürger in Zeiten der Gefahr zu widmen, und wir sind der festen Überzeugung, die hiesige Einwohnerschaft wird den Wert dieser neuesten Gründung voll und ganz zu würdigen wissen. Die Statuten sind durchberaten und der Behörde zur Genehmigung eingereicht worden. Die letztere soll bereits erfolgt sein. Der Vorstand besteht gegenwärtig aus den Herren Schornsteinfegermeister Wucherpfennig als Vorsteher, Schornsteinfegermeister Dietrich als Vorsteherstellvertreter, Färbermeister Jäschke jun. als Kassenwart, Kaufmann Fedor Schumann als Schriftwart und Ackerbürger F. Gugsch als Zeugwart. Wie wir erfahren, dürften auch die städtischen Behörden geneigt sein, das Unternehmen in finanzieller Hinsicht zu unterstützen."

Bei der 50-Jahrfeier im Jahr 1932 lebten von den ersten vierzehn Mitgliedern noch Kaufmann Albert Eckart und Klempnermeister Bernhard Raffel. Das älteste aktive Mitglied war Rohrmeister Gustav Winter, der am 2. September 1889 der Wehr beigetreten war und als Zeugwart seine Kräfte in den Dienst der Allgemeinheit stellte.

Werbung für Albert Eckarts Geschäft

Werbung aus dem Jahr 1942 für Albert Eckarts Geschäft
Klempnermeister Bernhard Raffel 1863-1954

Klempnermeister Bernhard Raffel am 91. Geburtstag

Gleich nach der Gründung der Wehr wurde der Magistrat um Überweisung einer Spritze mit Zubehör gebeten. Nach kurzer Zeit erhielt die Wehr nicht nur eine Spritze, sondern auch eine Schiebeleiter. Am 23. Oktober 1882 trat die Wehr zum ersten Male an die Öffentlichkeit, indem sie geschlossen an dem in Haynau stattgefundenen Verbandstag des "Östlichen niederschlesischen Feuerwehrverbandes" teilnahm. Der Lübener Bürgerschaft zeigte sich die Wehr zum ersten Male am 6. November 1882 bei einer "allgemeinen Spritzenprobe" auf dem Lübener Marktplatz, über die das "Lübener Stadtblatt" schrieb:

"Lüben, den 8. November 1882. Am 6. November nachmittags fand eine allgemeine Spritzenprobe auf dem hiesigen Marktplatz statt, welche die Prüfung der Leistungsfähigkeit der Wasserleitung mit zur Hauptaufgabe hatte. An die Wasserleitung wurden drei Spritzen an drei verschiedenen Hydranten angelegt, während eine vierte Spritze (die Karrenspritze) noch durch einen gewöhnlichen Wasserspender gespeist wurde. Inwieweit die Wasserleitung der an sie gestellten Anforderung entsprochen und ob noch eine Steigerung der Leistung durch Schließung der Absperrhähne ermöglicht werden kann, wird Sache der städtischen Sicherheitsdeputation sein, welche dieser Angelegenheit ein reges Interesse widmet. An dieser Spritzenprobe beteiligte sich zum erstenmal unsere Freiwillige Feuerwehr, welche nachher noch eine Steigerübung an dem neuerbauten Hause des Herrn Uhrmachers Aisch vornahm. Wir freuen uns, konstatieren zu können, daß wir mit Rücksicht auf die kurze Zeit ihres Bestehens und die wenigen Übungen, welche der Verein bis jetzt abhalten konnte, mit seinen Leistungen recht zufrieden waren. Wir sprechen hierbei den Wunsch aus, daß der junge Verein sich recht viele Gönner und Freunde erwerben möge, da den Mitgliedern, welche ja für ihre Mitbürger Opfer an Zeit und Arbeit bringen, nicht gut zugemutet werden kann, auch noch große Geldopfer zu bringen. Das Statut gestattet die Aufnahme inaktiver Mitglieder und werden die Beiträge lediglich zur Anschaffung von Utensilien und Ausrüstungsstücken, alle zum Wohle der Allgemeinheit, verwendet. Da das Eintrittsgeld nur 1,- Mark, der jährliche Beitrag nur 2,- Mark beträgt, so möchten wir unseren Mitbürgern recht dringend empfehlen, den Verein in seinen Bemühungen, dem allgemeinen Wohl zu dienen, durch ihren Beitritt zu unterstützen."

Die Aufforderung im "Lübener Stadtblatt" ist nicht ohne Erfolg geblieben. Es meldeten sich immer mehr neue Mitglieder, so daß in der Zeit von zwei Jahren die Wehr bereits 32 aktive Mitglieder zählte. Über die weitere Entwicklung der Wehr und über den Ausbau des Feuerlöschwesens in der Stadt Lüben berichtet das von der Wehr geführte Protokollbuch:

  • Im Februar 1886 erhielt die Wehr eine neue Landspritze von der Firma Müller in Döbeln (Sachsen). Im Juli 1886 wurde der Steigerturm am Turnplatz gebaut und am 2. August der Wehr übergeben. Auf Veranlassung des Vorsitzenden Wucherpfennig wurde kurze Zeit später noch eine Abprotzspritze von der Stadtgemeinde angeschafft und der Wehr übergeben. Am 20. Juli 1890 erhielt die Wehr eine neue mechanische Leiter von Magirus aus Ulm und einen Rettungssack mit Zubehör. Am 25. April 1892 kaufte die Stadt Lüben zwei neue Rauchmasken.

  • Am 5. Mai 1901 gründete der Vorsitzende, Ratsherr Wucherpfennig, den Kreisfeuerwehrverband Lüben. Siehe dazu auch Raudten und Braunau. Am 15. September 1901 fand der erste Verbandstag in Lüben statt.

  • Im Laufe des Jahres 1901 kaufte die Stadtgemeinde eine zweite Landspritze von der Firma Müller Döbeln, die ebenfalls der Wehr zur Verfügung gestellt wurde.

    • Aus Gesundheitsrücksichten legte am 2. März 1903 Ratsherr Wucherpfennig sein Amt als Vorsitzender nieder. An seine Stelle wurde Schornsteinfegermeister Dietrich als erster und Dachdeckermeister Emil Adler als zweiter Brandmeister gewählt. Aus Anhänglichkeit und Liebe zur Wehr ließ es sich Ratsherr Wucherpfennig nicht nehmen, den weiteren Versammlungen beizuwohnen, bis er am 7. Oktober 1903 zur Großen Armee abberufen wurde. Unter großer Beteiligung der Lübener Wehr, des Kreisverbandes Lüben, der städtischen Behörden sowie der Bürgerschaft wurde er zur letzten Ruhestatt begleitet.

    • Brandmeister Dietrich legte nach zwei Jahren, am 1. Mai 1905, ebenfalls aus gesundheitlichen Gründen den Vorsitz nieder. An seine Stelle wurde am 15. Mai 1905 Schlossermeister Emil Förster als Brandmeister gewählt und kurze Zeit darauf vom Landrat zum Kreisbrandmeister bestätigt. Im August 1906 schied auch Emil Adler aus der Wehr.

    Geschäft des Dachdeckermeisters Emil Adler um 1900 am Ring

    Geschäft des Dachdeckermeisters Emil Adler um 1900 am Ring
  • An seine Stelle wurde am 1. Oktober 1906 Gasthofbesitzer Gärtig als 2. Brandmeister gewählt. Der ausgeschiedene Brandmeister Dietrich wurde am 2. September 1907 bei der Feier des 25jährigen Bestehens der Wehr zum Ehrenmitglied ernannt.

  • Über die 25jährige Jubelfeier berichtete u.a. das "Lübener Stadtblatt": "Im festlichen Schmucke prangte unser liebes Städtchen, frohgestimmten Herzens sahen wir die Bewohner auf den Straßen, und mit freudigen Gesichtern empfing man am Sonnabendnachmittag und Sonntagvormittag die auswärtigen Gäste, die in großer Anzahl gekommen waren, um an dem 25jährigen Stiftungsfest unserer Freiwilligen Feuerwehr teilzunehmen. Wohl kein Haus in den Feststraßen war ohne Schmuck. Fahnen und Laubgewinde wiegten sich im Winde, und grüne Birken- und Eichenreiser schmückten die Gebäude, säumten die Bürgersteige ein. Und mit dem festlichen Gewande der Stadt wetteiferte das Himmelsgestirn, das - nachdem in der Nacht ein kräftiger Regen den Staub gelöscht - ausnahmsweise gestern in ungetrübter Klarheit erglänzte. Am Sonntagmorgen trat unsere Wehr auf dem Turnplatz zu den Übungen an, die, ebenso wie die Übungen der Sanitätskolonne, exakt ausgeführt und von der Kritik lobend besprochen wurden. Alle diese Übungen nahmen sich auf das vorteilhafteste aus und boten Gewähr, daß wir uns einmal im Ernstfall voll und ganz auf unsere tapfere Feuerwehr verlassen können.
    Um 12 Uhr erfolgte dann eine Angriffsübung auf die Pianomechanikfabrik. In kürzester Zeit waren die Mannschaften mit den Löschgeräten zur Stelle und sofort schoß das Wasser aus sechs Schläuchen auf das angenommene Brandobjekt. Schießhaus-Besitzer Paul Wecke. Aufdruck auf Postkarte. Das Festdiner im Schießhaus wies etwa 160 Teilnehmer auf, und den Spenden von Küche und Keller des Herrn Wecke wurde alle Ehre angetan. Im Verlaufe des Diners brachte der Vorsitzende des Provinzial-verbandes von Schlesien, Herr Syndikus Hellmann/Neisse, den ersten Toast - auf Se. Majestät den Kaiser - aus, während Herr Stadtrat Paul Uhlich/Lüben, in Vertretung des leider abwesenden Herrn Bürgermeisters Otto Faulhaber, die Wehren und Gäste namens der Stadt Lüben begrüßte. Stadtverordnetenvorsteher August Kullmann gedachte der Bürgerschaft und aller, die zum Gelingen des Festes beigetragen. Auch den Damen der wackeren Wehrmänner wurde ein "Gut Wehr" gebracht. Das Mahl verlief in angenehmster Weise. - Um 3 Uhr wurde zum Festzuge angetreten, der sich nach dem Rathause bewegte, dort die Ehrengäste aufnahm und sich dann wieder nach dem Schießhause begab, wo ein von der Dragoner-Regiments-Kapelle gegebenes Konzert ein großes Publikum herbeigezogen hatte, das bei den Klängen der Kapelle eifrig promenierte. Während des Konzerts belustigten sich die Kameraden auch durch ein Preisschießen, wobei Herr Chauffeur Karl Kühn den ersten und Herr Paul Birk den zweiten Preis davontrugen. Von den Damen erhielten Preise Fräulein Förster und Frau Förster. Abends wurde den Kameraden ausgiebige Gelegenheit gegeben, Terpsichoren zu huldigen. Die Veranstaltungen im Schießhause sowohl wie im Anker wiesen eine große Teilnahme auf. Wie uns mitgeteilt wurde, soll es dabei urgemütlich hergegangen sein, was ja bei den wackeren Wehrmännern auch gar nicht anders möglich ist."

  • Am 1. November 1909 erhielt die Wehr auf Antrag des Brandmeisters Förster eine zweite mechanische Leiter von Magirus aus Ulm.

  • Im April 1911 wurde die Wehr wieder in große Trauer versetzt. Das Ehrenmitglied Brandmeister Theodor Dietrich war gestorben. Auch dieser alte und bewährte Feuerwehrmann wurde von allen Kameraden, von Vertretern der Behörden und von vielen Freunden auf seiner letzten Fahrt begleitet.

  • Auch das Jahr 1913 stand erneut für die Wehr im Zeichen der Trauer. Am 6. Februar erhielt die Wehr die traurige Nachricht, daß Brandmeister Emil Förster, fern von daheim, in Bad Charlottenbrunn, wo er Genesung suchte, die Augen für immer geschlossen hatte. Die Wehr verlor mit ihm einen Vorgesetzten von altem Schrot und Korn. Auch er wurde unter großer Anteilnahme zu Grabe getragen.

  • Bei der am 20. März 1913 stattgefundenen außerordentlichen Generalversammlung wurde Brandmeister Gärtig zum Vorsitzenden und ersten Brandmeisters gewählt und kurze Zeit darauf vom Magistrat bestätigt.

  • Um mit der Stadtverwaltung in engere Fühlung zu kommen, wurde am 13. November 1913 von der Versammlung der Antrag eingebracht, den Dezernenten Ratsherrn Steinsetzmeister Gustav Wilhelm zum 1. Vorsitzenden zu wählen. Am 8. Dezember 1913 fand dann die Wahl statt, und am 8. Januar 1914 wurde ihm der Vorsitz der Wehr übertragen. Es war kein Fehlgriff, denn in aufopfernder Weise ist er jederzeit für die Wehr eingetreten.

  • Durch Anschaffung neuer Geräte wurde der im Bauhofe stehende Holzschuppen, in dem die Geräte vorübergehend untergebracht waren, zu klein. Es wurde zum Bau eines neuen Feuerwehrgerätehauses geschritten. Damit ging der langgehegte Wunsch der Wehr in Erfüllung. Am 1. Juni 1915 wurde das Gerätehaus durch Bürgermeister Faulhaber der Wehr feierlich übergeben, worauf sämtliche Geräte in das neue Haus überführt wurden. Wegen des Krieges wurde von einer größeren Einweihungsfeier Abstand genommen, da die meisten Kameraden im Felde standen.

  • In den Kriegsjahren war die Wehr bis auf elf Mann zusammengeschmolzen. Dreimal wurden vom Vorstand während des Krieges junge Leute ausgebildet. Waren sie soweit herangebildet, wurden sie zum Heere einberufen.

  • Am 10. April 1916 hatte die kleine Anzahl von Kameraden eine schwere Aufgabe zu erfüllen. Es brannte das Sägewerk des Zimmermeisters Max Müller, Haynauer Straße. Darüber berichtete das "Lübener Stadtblatt" u. a.:

    "Lüben, den 10. April 1916. Großfeuer! Heute vormittag gegen 10 Uhr kündeten Feuersignale den Ausbruch eines Schadenfeuers in der Stadt an und bald darauf zogen dichte Rauchschwaden über der Stadt am Himmel entlang. Das Dampfsägewerk und die Parkettfabrik des Zimmermeisters Müller in der Haynauer Straße war in Brand geraten. Im Trockenraum soll das Feuer seine Entstehung gefunden haben, welches in den Holzvorräten, die in dem Gebäude lagerten, reiche und dem gierigen Elemente willkommene Nahrung fand. Binnen kurzer Zeit hatte sich das Feuer über das ganze Gebäude ausgebreitet, welches einem einzigen großen Flammenmeer glich..."

  • Beteiligte erzählten, nicht achtend der eigenen großen Gefahr griff die kleine Lübener Wehr tatkräftig ein, so daß es ihr im Verein mit der Langer'schen Fabrikfeuerwehr gelang, nach mehrstündiger Arbeit des Brandes Herr zu werden.

  • Der erste Weltkrieg hat in der Wehr große Lücken gerissen. Es fielen die Kameraden Amandus Pohl am 10. 11. 1914, Alfred Wuttig am 15. 11. 1914, Max Wucherpfennig am 6. 4. 1915, Paul Schirrwitz am 16. 10. 1915, Max Bäsler am 3. 7. 1916, Max Förster am 14. 4. 1917, Paul Stenzel am 2. 6. 1917. Zu Ehren der gefallenen Kameraden wurde auf Veranlassung des Vorsitzenden Ratsherrn Wilhelm im neuen Gerätebaus eine Gedenktafel angebracht. Das Gerätehaus wurde am 20. Februar 1919 in Gegenwart des Bürgermeisters Faulhaber und einiger Magistratsmitglieder sowie der aus dem Kriege heimgekehrten Kameraden feierlich eingeweiht.

  • Am 4. Oktober 1921 wurde Sattlermeister Bernhard Habicht, der bisher Führer der 2. Spritze war, zum 2. Brandmeister gewählt.

  • Zur besseren Alarmierung der Wehr wurde am 3. Januar 1922 eine Dampfsirene von der Stadt Lüben angeschafft und an der Städtischen Gasanstalt angebracht.

  • Am 26. Januar 1922 wurde Brandmeister Gärtig zum Kreisbrandmeister gewählt und vom Landrat bestätigt.

  • Schlesische ProvinzialfeuersozietätIm Jahre 1925 wurde wieder eine Verbesserung des Feuerlöschwesens in der Stadt Lüben vorgenommen, indem von der Firma Fischer Görlitz, eine Motorspritze mit 1000 Liter Wasserverdrängung/Minute angeschafft wurde. Im April 1928 wurde der Wehr ein neuer Rettungsschlauch übergeben, da der vorhandene Rettungssack nicht mehr gebrauchsfähig war. Um eine schnellere Beförderung der Motorspritze und der Mannschaften bei Stadt- und vor allem bei Landfeuern zu ermöglichen, wurde auf Antrag der Wehr von der Stadt Lüben, mit Unterstützung des Kreises und der Provinzialfeuersozietät, ein automobiler Mannschaftswagen von der Firma Garitz/Liegnitz angeschafft und am 4. Oktober 1929 der Wehr übergeben. Diese Verbesserungen des Lübener Feuerlöschwesens waren ein Verdienst des Vorsitzenden Gustav Wilhelm, der damals Beigeordneter der Stadt Lüben war. Zur gleichen Zeit erhielt die Wehr auch ein größeres Gasschutzgerät, einen Dräger-Apparat.

  • Wie die Erfahrung bei Landfeuern gelehrt hatte, geht den ankommenden Spritzen wegen der Unkenntnis der Wasserstellen sehr viel Zeit verloren. Um nun eine schnelle Gewißheit über die Wasserstellen zu erlangen, hat die Freiwillige Feuerwehr auf eigene Rechnung einen sechssitzigen Personenkraftwagen gekauft, der bei Bekanntwerden eines Landfeuers mit dem Brandmeister und einigen Feuerwehrleuten abrückt, um sofort Erkundigungen über die Lage der Wasserstelle einzuziehen.

  • Am Tage der 50-Jahrfeier standen der Wehr folgende Geräte zur Verfügung: 1 automobiler Mannschaftswagen mit Motorspritze, 2 Handdruckspritzen, 2 mechanische Leitern, 1 Schiebeleiter, 6 Stück Hakenleitern, 2 Schlauchwagen, 1 Rettungsschlauch, 1 Dräger-Apparat, 2 Gasmasken mit Einsatz, 4 Minimaxapparate, 4 Trockenlöscher, 1000 Meter Schlauch und 1 privater Personenwagen. Außerdem gehörten noch 2 Landspritzen älteren Modells der Wehr, die auf den der Stadt gehörenden Gütern untergebracht waren.

LHB 6-10/1962


Ergänzungen zum Bericht über die Freiwillige Feuerwehr Lüben
von Hermann Kube

Werbung der Schlosserei Hermann Kube im Jahr 1942

Als letzter Kreisfeuerwehrführer des Kreises Lüben möchte ich dem Bericht noch einiges ergänzend hinzufügen. Da mir keine Unterlagen zur Verfügung stehen, hoffe ich aus dem Gedächtnis heraus genaue Angaben machen zu können.

Zunächst will ich kurz berichten, wie ich zur Feuerwehr kam. Meine Laufbahn begann im Jahre 1923 nach meiner Verheiratung, als ich bei der Fa. F. Langer & Co., Inhaber G. Gadebusch, im Grundstück Haynauer Straße 8 (Anbau Ernsthaus) eine Werkswohnung bekam, gleichzeitig mit der Verpflichtung, der Werkfeuerwehr anzugehören. Es gab eine Vergütung für den Feuerwehrdienst, verbilligte Wohnung und freie Heizung. Zur Pflicht wurde gemacht, eine Woche Bereitschaftsdienst, bei dem man das Haus nicht verlassen durfte. Der Stand der damaligen Werkfeuerwehr konnte als mustergültig bezeichnet werden.

Jedem Feuerwehrmann standen moderne Geräte zur Verfügung, außerdem eine Motorspritze und eine fahrbare Leiter. Die Ausbildung lag in den Händen des Platzmeisters Paul Nitschke, die von ihm gewissenhaft nach den bestehenden Vorschriften durchgeführt wurde. Ich selbst war als Maschinist zur Motorspritze zugeteilt. Und dabei erinnere ich mich noch des Brandes an den sogenannten Triebel-Scheunen. Die Werkfeuerwehr wurde damals ebenfalls alarmiert und wir rückten mit unseren Geräten durch das Tor Haynauer Straße ab. In einem Höllentempo ging es los, denn wir wollten die ersten am Brandherd sein. Als wir an der Breiten Straße über die sogenannte Spinnbahn fegten, sahen wir schon in Höhe des Gasthofes "Anker" die Freiwillige Feuerwehr erscheinen, die wir als unsere Konkurrenz ansahen. Und wir waren doch die ersten dort und hatten auch als erste den Oberflur-Hydranten angeschlossen. Als wir unsere Pflicht getan hatten, durften wir "unseren Durst löschen", wozu uns eine Spende des Gutsbesitzers Triebel und unseres Chefs Herrn Gadebusch verhalf.

Als ich mich im Jahre 1928 selbständig machte und aus der Firma F. Langer & Co. ausschied, trat ich der Freiwilligen Feuerwehr bei. Dort wurde ich zunächst auch der Motorspritze zugeteilt. Der erste große Brand, den ich mitmachte, war der im kalten Winter 1928/29 in der Lübener Gurkeneinlegerei; auch hier kam die Werkfeuerwehr der Pianomechanikfabrik dazu, um das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Bei der damals herrschenden Kälte von -30 mußten erst die Hydranten aufgetaut werden. Eine kurze Unterbrechung in der Wasserzuleitung ließ schon die ausgelegten Schläuche zu Eis erstarren. Kameraden waren buchstäblich an die Leiter angefroren und es gab viele Erfrierungen an Füßen und an Händen. Aber ein solcher Einsatz zeigte so recht die Bereitschaft der Feuerwehrmänner, uneigennützig, selbstlos, Zeit und Gesundheit zu opfern, um des Nächsten Hab und Gut zu schützen. Die Normalstärke betrug 45 bis 50 Mann und setzte sich aus allen Schichten der Bevölkerung zusammen. Erschwerend war immer die Alarmierung durch das Feuerhorn. Bevor die Feuerwehrleute beisammen waren, hatten sich am Gerätehaus schon soviel Schaulustige eingefunden, daß das oft recht hindernd wurde, wenn das Ausfahren der Geräte schnell vor sich gehen sollte. Als die Sirene angeschafft war, ging das Ausrücken dann schneller, da die Bekanntgabe jeden Feuerwehrmann sofort erreichte. Später wurde dann eine Weckeranlage eingebaut, die von der Gasanstalt aus bedient wurde. Es waren etwa 20 Feuerwehrmänner angeschlossen, und zwar solche, die ihre Beschäftigung zu Hause hatten. Als aber dann der Alarm durch die Sirene wieder ausfiel, weil sie für den Fliegeralarm bestimmt war, mußten wir wieder zum Feuerhorn greifen, und wie oft kam es vor, daß meine Tochter Ilse per Rad Straßen abfuhr und aus Leibeskräften das Horn blies.

Anzeige Sattlerei Raupach

Wenn ich hier auch nicht mehr namentlich der Vorsitzenden gedenke, da es bereits im ersten Bericht getan wurde, so aber haben sie wesentlichen Anteil am weiteren Aufbau der Freiwilligen Feuerwehr Lüben gehabt und gaben wirklich ein gutes Erbe in berufene Hände. Bisher unerwähnt blieb der Schriftführer, es war Sattlermeister Max Raupach, und Kassenwart war Bäckermeister Erich Eiselt.

Erst nach 1930 bekam Niederschlesien eine eigene Feuerwehrschule. Sie wurde in Waldenburg errichtet und mit den neuesten Geräten und Schulungsmaterial, sowie erstklassigen Lehrkräften ausgestattet.

Im Jahre 1934 kam eine vollständige Umorganisation aller Feuerwehren. Im Zuge des neuen Feuerlöschgesetzes wurden neue Dienstvorschriften und Verordnungen erlassen, die auch Entscheidungen mit sich brachten, die im ersten Augenblick als Härte empfunden wurden. Die Altersgrenze der aktiven Feuerwehrmänner wurde auf 60 Jahre festgesetzt. Wer also das 60. Lebensjahr erreicht hatte, wurde aus dem aktiven Dienst zurückgezogen und in die Altersabteilung überführt; er blieb somit Mitglied.

1935 Kreisfeuerwehrführer Günther Hübner

Dadurch wurde die Neubesetzung des Führungsstabes erforderlich. Nachdem die Umorganisation schrittweise und mit Unterstützung der alten Führer vonstattenging, wurde zunächst Baumeister Günther Hübner Führer der Freiwilligen Feuerwehr Lüben, zugleich auch Kreisfeuerwehrführer. Durch eine weitere Verordnung durfte der Kreisfeuerwehrführer als feuerwehrtechnischer Berater der Kreis-Polizeibehörde (des Landrats) kein weiteres Amt ausüben. Im Zuge dieser Verordnung wurde ich zum Brandmeister der Lübener Feuerwehr ernannt (nachdem ich vorher einige Kurse an der Feuerwehrschule in Waldenburg gemacht hatte). Nach den neuen Dienstvorschriften (Gruppen- und Zugeinteilung) wurden Kamerad Eiselt und später Kamerad Eigert als Brandmeister und ich als Oberbrandmeister eingesetzt. Als aber die Aufgaben größer wurden und der Kreis Lüben infolge seiner großen Ausdehnung eine intensivere Bearbeitung benötigte, wurde ich zur Unterstützung des Kreisfeuerwehrführers als dessen Stellvertreter eingesetzt.

In diese Zeit fiel die Hauptarbeit dem damaligen Kreisfeuerwehrführer Baumeister Hübner zu, der sein besonderes Augenmerk auf die Motorisierung der Wehren des Kreises Lüben richtete. Er setzte an den maßgeblichen Stellen alles daran, um das voranzutreiben. Denn nicht immer waren die Herren Bürgermeister bereit, durch Beschaffung einer Motorspritze ihre Gemeindekasse zu belasten. Doch gelang es Kamerad Hübner immer, alle zur Verfügung stehenden Mittel auszuschöpfen, um den Gemeinden Gelder zukommen zu lassen. Zu dieser Zeit hatte der Kreis Lüben 36 Kraftspritzen. Im Zuge der fortschreitenden Motorisierung erwuchsen neue Schwierigkeiten, nämlich die Beschaffung des Löschwassers, was nützt die beste Motorspritze, die eine Leistung von 800 Liter in der Minute hat, wenn das nötige Wasser fehlt. Die Gemeinden mit offenen Wasserstellen (Teichen und Gräben) waren dieser Sorge enthoben; andere Gemeinden aber mußten Feuerlöschteiche und Brunnen anlegen. In den Landgemeinden mit ungenügender Wasserversorgung wurden dann Übungen durchgeführt, die zeigen sollten, wie man der Wasserknappheit begegnet. Über diese Maßnahme gäbe es viele interessante Beispiele aufzuzählen, alle Übungen haben immer wieder neue Erfahrungen sammeln lassen.

Schwieriger wurde es, als im Jahre 1939 die ersten Einberufungen zur Wehrmacht erfolgten und dadurch die ersten Lücken in den Feuerwehren entstanden. Unser Kreisfeuerwehrführer wurde als Hauptmann zur Luftwaffe eingezogen,
so daß nun die gesamte Betreuung des Kreises mir oblag. Je nach Größe der Kreise wurden Unterführer eingesetzt, so wurde auch der Kreis Lüben in drei Unterkreise eingeteilt. Der erste Unterkreis umfaßte die Gemeinden in der Umgebung von Lüben mit Oberbrandmeister Eigert, der zweite die Gemeinden um Kotzenau mit Oberbrandmeister Lausch und der dritte die Gemeinden um Raudten mit Oberbrandmeister Kurt Finster. Diese Unterkreisführer haben ihre Aufgabe jederzeit mustergültig erfüllt. Hinzu traten nun noch Aufgaben im Luftschutz, so daß die Arbeit immer umfangreicher wurde, und die zur Wehrmacht einberufenen aktiven Mitglieder mußten durch Jugendgruppen ersetzt werden, mit denen aber z. T. sehr gute Arbeit geleistet wurde.

Den schwersten Schlag jedoch, den unser Kreisfeuerwehrverband erlitt, war der, als unser Kreisfeuerwehrführer Baumeister Günther Hübner, Hauptmann der Luftwaffe, 1941 zur Großen Armee abberufen wurde. Der Verstorbene wurde aufrichtig betrauert von allen seinen Feuerwehrkameraden, die seinen gerechten und kameradschaftlichen Geist als Vorbild in ihren Reihen fortleben ließen.

Nun übernahm ich als Stellvertreter auch das Amt der Führung des Kreisfeuerwehrverbandes und wurde noch im gleichen Jahre als Nachfolger von Kamerad Hübner bestätigt. Ich war mir der schweren, arbeitsreichen Aufgabe bewußt, die mir damit zufiel, zumal mit der Fortdauer des Krieges die Arbeit immer schwieriger wurde. Die Beschaffung von Ausrüstung und Geräten war fast unmöglich. Die vielen schriftlichen Arbeiten erledigte unser damaliger Schriftführer Kamerad Stephan. So war jeder an seinem Platz und erfüllte die ihm übertragenen Arbeiten. Ende 1944 erkannten wir die aussichtslose Situation, und zwar als wir von Oberschlesien Geräte bekamen, und uns fragten, ob auch unsere Stunde gekommen sei, wo das, was Generationen vor uns aufgebaut hatten, was von uns übernommen und weiter ausgebaut worden war, um es einst unseren Kindern zur Fortführung zu geben, nunmehr im Stich gelassen werden mußte. Ich erhielt den Plan zur Rückführung unserer gesamten Feuerwehrgeräte, soweit sie motorisiert waren. Es wurde alles genau festgelegt, die erforderlichen Feuerwehrkameraden für die Fahrzeuge eingeteilt, Tankausweise bereitgehalten und manche andere Vorkehrung getroffen. Aber es kam ganz anders.

Ich wurde Dezember 1944 zu einem Kurzlehrgang in die Kaserne in Lüben kommandiert und mußte dort mit vielen Lübener Bürgern eine kurze militärische Volkssturm-Ausbildung mitmachen. Obwohl es meine Aufgabe sein sollte, die Feuerwehrfahrzeuge in den Kreis Dresden zu leiten, wurde ich in letzter Stunde beordert und marschierte am 22. Januar 1945 mit dem Lübener Volkssturm nach Parchwitz. Dann ging in diesen schicksalsschweren Tagen alles verloren, unsere Heimat, unsere Existenz und unsere Feuerwehren...

Hermann Kube, LHB 12/13/1962


Aus der Geschichte des Kreisfeuerwehr-Verbandes

Der damalige Landrat des Kreises Lüben, Georg Freiherr von Tschammer und Quaritz ( 1954), hatte für den 5. Mai 1901 zu einer Versammlung im "Anker" in Lüben eingeladen. Der Zweck der Zusammenkunft war die Gründung eines Kreisfeuerwehr-Verbandes. Er sollte alle im Kreise vorhandenen Wehren in einem fest organisierten Verbande vereinigen. Nach kurzer Aussprache erklärten alle anwesenden Vertreter ihren Beitritt.

So vereinigten sich zunächst die Wehren von Lüben, Ziebendorf, Kniegnitz, Schwarzau, Herzogswaldau, Dittersbach, Mühlrädlitz und Kotzenau. Zum Vorstande des neugegründeten Verbandes wurde der damalige Vorstand der Lübener Feuerwehr gewählt, Ratsherr Wucherpfennig, Schornsteinfegermeister Dietrich (Stellvertreter) und Klempnermeister Habicht (Kassenführer).

Man ging auch sogleich an die Arbeit, und so fand der erste Verbandstag mit einer Übung noch im selben Jahre in Lüben statt; 1902 wurde in Ziebendorf getagt, 1903 in Schwarzau, 1904 in Kotzenau. So kam jeder Ort an die Reihe. Eine Unterbrechung erfuhren die Tagungen durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges, und so fand die letzte Tagung am 21. Juni 1914 in Seebnitz statt. Die nächste wurde wiederum in Seebnitz, und zwar am 27. April 1919, durchgeführt. Über die Entwicklung des Kreisverbandes sei nachstehende Übersicht festgehalten:

  • 1901 waren es 8 Wehren mit 206 Mitgliedern, 13 Spritzen und 1557 Meter Schlauch;
  • 1910: 12 Wehren, 287 Mitglieder, 14 Spritzen, 2177 Meter Schlauch;
  • 1931: 33 Wehren, 888 Mitglieder, 40 Spritzen, 6180 Meter Schlauch.

Die stärkste Wehr war die in der Marienhütte Kotzenau mit 43 Mitgliedern. Danach folgte Lüben mit 41 Mitgliedern. Die stärkste Wehr auf dem Lande war die von Dittersbach mit 37 Mitgliedern, danach kamen Groß-Kotzenau mit 35 Mitgliedern, Jakobsdorf-Wengeln mit 33 Mitgliedern, Seebnitz mit 32 Mitgliedern, Kaltwasser und Parchau mit je 30 Mitgliedern.

Die 1879 gegründete Hüttenfeuerwehr in Kotzenau war die älteste Wehr, die Wehr Lüben wurde 1882 gegründet, Ziebendorf 1886, Schwarzau 1893, Dittersbach und Herzogswaldau 1896, Mühlrädlitz 1898; die anderen wurden erst nach 1900 ins Leben gerufen.

Die Vorstandsämter des Kreisverbandes waren wie folgt besetzt: Vorsitzender Bürgermeister Feige, Kreisbrandmeister Gärtig, Schriftführer und Kassierer Jung. Männer wie Wucherpfennig, Dietrich, Förster, Danzmann, Wärschky und Hasse sind mit der Geschichte des Lübener Kreisfeuerwehr-Verbandes eng verbunden.

LHB 11/1961 S. 230/231


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