Theo Dames (1898-1979)
Zoe Droysen














Theo Dames, 1953, mit einem Bild seines 1944 gefallenen Sohnes Wolfram

Theo Dames (1898-1979)

Theo Dames wurde am 8. Dezember 1898 als Sohn von Theo Dames sen. und seiner Frau Elfriede geb. Welke in Berlin geboren. Bald zog die Familie nach Lüben in Schlesien. Dort besuchte er das Gymnasium. (Von seinen Erfolgen berichtet u. a. der Jahresbericht des Gymnasiums aus dem Jahre 1914.) Die Wandervogelbewegung unter Leitung des Lübener Studienrats Dr. Martin Treblin wurde ihm zum Ideal jener Jahre. Nach dem Abitur 1917 wurde er Soldat. Ausgezeichnet mit dem Eisernen Kreuz kehrte er zurück und begann in Breslau an der Kunstakademie seine Studien bei den Professoren Otto Müller und Wilhelm Pinder. Daneben absolvierte er eine Ausbildung zum Sportlehrer. Nach in beiden Fächern bestandenem Staatsexamen heiratete er 1924 in Bolkenhain Hilde geb. König aus Liegnitz.

In Neumarkt war Theo Dames dann bis 1935 am dortigen Gymnasium tätig. Es war eine sehr glückliche Zeit für ihn und seine junge Familie. Die beiden Söhne Wolfram und Hartmut wurden geboren. Theo Dames erwarb sich rasch einen guten Namen als Portrait- und Landschaftsmaler. Öffentliche Aufträge schlossen sich an. Auch als Graphiker war er gefragt. Hier in Neumarkt war es auch, wo er den damals jungen schlesischen Dichter Friedrich Bischoff kennenlernte, dessen Werke ihn - insbesondere "Der Schlesische Psalter" - ein Leben lang begleiteten.

1935 wurde Theo Dames nach Liegnitz an das Johanneum versetzt, wo er bis 1939 unterrichtete. Seine besondere Liebe gehörte der vielfältigen und bewegten Schönheit des Bober-Katzbachgebirges nahe Hirschberg, einer Landschaft, die schon Alexander v. Humboldt in seinen Bann geschlagen hatte. Für die Augen und das Gemüt eine Malers ein Zauberland, das vom Kamm des Riesengebirges - mit der Schneekoppe als Krönung - abgeschlossen wurde. Hier in Seitendorf an der Katzbach, wo er ein Haus als Rückzugsgebiet für sich und seine Familie erwarb, lernte er auch den namhaften schlesischen Maler und Kupferstecher Rudolf Hacke kennen, der sich in diesem kleinen Dorf niedergelassen hatte. Es entwickelte sich eine Freundschaft, die sich im Künstlerischen befruchtete und bis zum Tode anhielt.

Den zweiten Weltkrieg hat Theo Dames als Offizier der Luftnachrichten in all seinen Phasen bis zum bitteren Ende mitgemacht. Neben dem herben Verlust der Heimat hat ihn insbesondere der Fliegertod seines erst 19-jährigen Sohnes Wolfram im Jahre 1944 geschmerzt. Wolfram wurde in Seitendorf an der Katzbach beigesetzt.

Theo und Wolfram Dames im Jahr 1944 auf dem Flugplatz Bautzen-Litten. Für die beiden Fotos Dank an Demeter Dames-Kaili, die Witwe von Wolframs Bruder Hartmut Dames.

Gedenken an den Sohn und Bruder Wolfram Dames

Nach Krieg und Gefangenschaft wurde Theo Dames nach Göppingen/Württ. entlassen, wo er mit seiner Familie zusammenfand. Nach einer sehr schweren Zeit wurde er 1947 wieder in den Schuldienst übernommen. Neben seiner Lehrertätigkeit am Hohenstaufen-Gymnasium war er noch 5 Jahre lang Dozent für Kunstgeschichte an der Volkshochschule in Göppingen. Theo Dames hatte die Gabe, sein Wissen und die Geschichte lebendig werden zu lassen. Seine Vorträge mußte er oft wiederholen, da das Interesse so groß und die Säle zu klein waren. Nebenher war er auch in der schlesischen Landsmannschaft tätig. Er hielt Vorträge über vielerlei schlesische Themen, über Kunst und Kunstgeschichte, über Malerei und Kirchenbau, und holte namhafte schlesische Persönlichkeiten wie Friedrich Bischoff, Edmund Glaeser, Hans Mertin, Dr. Helmuth Richter und andere zu Dichterlesungen und Vorträgen.

Nach seiner Pensionierung im Jahre 1962 zog er dann mit seiner Frau nach Leutkirch/Allgäu. Ein "zur Ruhe setzen" war das aber keinesfalls, denn jetzt fand er endlich die Zeit für kunstgeschichtliche und wissenschaftliche Arbeiten. So entstanden in dichter Folge Arbeiten über Liegnitz. Mit gleicher Intensität hat er darüber hinaus Lübener Themen in zahlreichen Beiträgen bearbeitet und veröffentlicht. Die neue Heimat Leutkirch gab Theo Dames neue Themen. So erschien eine Serie von Veröffentlichungen unter dem Titel "Auf den Spuren alter Kunst im Leutkircher Raum".

Theo Dames starb am 27. Januar 1979. Er fand seine letzte Ruhe in Oberrodenbach bei Hanau, wo sein Sohn Hartmut (1933-2013) lebte. Ihm verdanken wir diese eindrucksvolle Lebensbeschreibung und das Foto von Theo Dames an seinem Arbeitsplatz neben einem Bild seines gefallenen Sohnes Wolfram.

Nach: Hubert Unverricht, Liegnitzer Lebensbilder, Hofheim, Henske-Neumann, 2004, Band 3
Zu seiner Lehrer-Personalkarte

Zeichnung Lübens von Theo Dames auf Postkarte

Tomasz Mastalski verdanken wir diese Abbildung einer Postkarte mit Theo Dames' Zeichnung des Panoramas von Lüben. Leider ist die Rückseite weder signiert noch anderweitig beschrieben. Was für eine Freude hätte der leider im Jahr 2013 verstorbene Sohn Hartmut Dames an dieser Karte gehabt!


Den folgenden berührenden Brief von Theo Dames aus dem Jahr 1968 fand Ulrich Grüttner, Enkel des Hausmeisters des Lübener Gymnasiums Erwin Siebenhaar im Nachlass seiner Mutter. Theo Dames erinnert darin an die Familie des "Schulpedells", an seine Lehrer und Mitschüler bis zum Abitur im Jahr 1917. Ein herzliches Dankeschön an Ulrich Grüttner, der uns dieses wunderbare Zeitdokument und das darin erwähnte Foto nicht vorenthalten hat! Schneidermeister und Turnvater Paul Ernst wurde aufgrund seines Vollbarts Christus-Ernst genannt. Helene Schütze war eine Tochter des Ladenbesitzers Emil Schütze, dessen Geschäft mein Großvater um 1925 erwarb. Schicken Sie mir Ihre alten Lübener Fotos zur Veröffentlichung! Viele Personen können heute noch identifiziert werden. Und wir Nachfahren finden einen Zugang zur Vergangenheit unserer Familien.


Brief von Theo Dames an Gertrud Grüttner geb. Siebenhaar vom 14.12.1968
Dames, Leutkirch, den 14.12.1968

Sehr geehrte Frau Grüttner!

Haben Sie sehr herzlichen Dank für Ihren Brief, der mich ganz beson-
ders erfreute, - als Gruß des ehemaligen Lüben, - aus jener Zeit, da
wir alle noch "ach so jung" waren! Es war sehr lieb, daß Sie sich mel-
deten, sind Sie alle drei mir doch noch deutlich in Erinnerung. Ich
war ja bereits Schüler der oberen Klassen, als die drei Siebenhaar-
Mädchen zwischen uns im so sehr schönen Schulhof herumliefen. Ich ha-
be das alles noch in Erinnerung, sehe auch noch Ihren Herrn Vater,
der es mit uns Schülern stets gut meinte. Und überhaupt: unsere alte
(neue) Penne! Ich habe ja noch in der ehemaligen Schule Unterricht ge-
habt, in der später die Höhere Mädchenschule unterkam! Mit Eilert, an
den Sie sich ja auch noch erinnern. Und Professor Jüngling, und der
treue Zingel, der es mit uns in den unteren Klassen so gut verstand!
Oder ich denke an den sehr verehrten Dr. Caspari, der ein sehr tüch-
tiger Pädagoge war. Und mein Freund Treblin, mit dem ich bis zu sei-
nem Tode befreundet war. Und kennen Sie noch Thur, den Assessor, der
zu uns im Wandervogel gehörte? Er war ein guter Kamerad im Wander-
vogel. Namen wie Snowatzki und Rolfs werden Ihnen nichts mehr sagen.

Aber Halfpaap, der es mit uns Jungs vor lauter Güte nicht immer schaff-
te. Und die Schüler? Mein hochgeschätzter Freund Opitz! Und die Hal-
paus-Jungs, deren Vater Vater das große Bild in der Aula stiftete (Der
König rief, und alle, alle kamen). Mit Heinz Reinke bin ich noch befreun-
det, ebenso mit Gerhard und Martin Neß! Auch Dreßler und Theo Zeutsch-
ner haben mir geschrieben. Kurt Schiller ist tot, schon lange. Ach, es
treten soviele Namen mitunter mir vor die Seele, an die ich mit Zu-
neigung und Liebe zurückdenke: an den schon 1914 gefallenen Hans Barth;
und Artur Weinert, Uli Krüger, Harry Mayer und Werner Zimmermann.
Sie werden mit diesen Namen nichts mehr anzufangen wissen, mir aber
sind gerade jene, die schon damals, so blutjung, ihr Leben hingaben
unvergeßlich.
Als unser so schwer gewordenes Jahrhundert gerade erst begann! Und wir
hatten von ihm doch gerade eine friedvolle eigene Zukunft erhofft.
Nun sind seitdem über fünfzig Jahre vergangen. Wir, die 1917 noch so
jugendlich ins Leben stürmten, zunächst freilich an die Fronten, wir
sind ins wohl letzte Jahrzehnt eingetreten. Und daß seit der Lübener
Zeit Jahrzehnte vergangen sind, das kann ich heute noch nicht glauben.
Aber das Leben geht weiter, auch bei den drei Siebenhaar-Mädels. Blei-
ben Sie gesund, und haben Sie nochmals Dank für Ihr Gedenken!
Mit den besten Grüßen und Wünschen bin ich Ihr Theo Dames

Auf dem beiliegenden Photo erkenne ich nur noch:
1. Herr Ernst (der "Christus-Ernst")
2. Fräulein Lenchen Schütze.
Mit Dank zurück!

Hier das dazugehörige Foto!
Es zeigt die Amtseinführung des katholischen Stadtpfarrers Otto Rust am 16.11.1925 vor dem Haupteingang der Katholischen Kirche. Im Vergleich mit anderen Fotos erkennt man Christus-Ernst als den großen weißhaarigen Herrn neben dem Kardinal (mit Brille). Lenchen Schütze ist wohl die junge Frau im Profil, das dunkle Haar zu einem Nackenknoten gebunden mit einem Anstecker auf der weißen Bluse. Auch das im Vergleich mit anderen Bildern von Helene Schütze, schräg rechts hinter ihr Bürgermeister Hugo Feige, vorn der zweite Herr von rechts Studienrat Heinrich Munderloh. Herzlichen Dank an Ulrich Grüttner!



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