Chronik des Lübener Männer-Turn-Vereins MTV
Bilder vom Lübener Männer-Turn-Vereins MTV














Sehr detailliert wurde in der Festschrift zum 50jährigen Bestehen des MTV im Jahr 1912 die Geschichte des Vereins bis zu dieser Zeit festgehalten. Die Artikel wurden von den MTV-Mitgliedern Oskar Hinke, Gustav Wolf, Rudolf Klose und Hermann Anders verfasst. Erwin Ueberall (1895-1976), Sohn eines Lübener Zollbeamten, besaß ein solches Exemplar und überließ es 1963 dem Lübener Heimatblatt zur Veröffent-lichung. Die Einzelheiten werden nur noch wenige interessieren. Aber die vielen Namen, die darin genannt werden, möchte ich der Nachwelt erhalten. Weil in den Telefonbüchern mehrfach der Name Ueberall vorkommt, halte ich es für möglich, dass die alte Festschrift unerkannt in einer Schatztruhe liegt und jemand erlaubt, daraus die Bilder in besserer Qualität zu kopieren, als sie mir bislang zur Verfügung stehen. Heidi


Männer-Turnverein zu Lüben (Schlesien)
Aus der Geschichte des Männer-Turnvereins Lüben
in seinen ersten fünfzig Jahren

Motto:
Das Vaterland braucht ein starkes Geschlecht,
Der Väter heiliges Erbe zu hegen.
Wir stählen des Körpers Kräfte drum recht,
In ihnen des Geistes Güter zu pflegen.
Die schwellenden Muskeln, der trotzige Mut,
Germanische Treue im wallenden Blut;
Sie werden uns besseren Schutz verleih'n
Als Mauern und Wälle von Erde und Stein.
Paul Matzker

Der Lübener Turnverein konnte am 30. März 1912 auf ein halbes Jahrhundert turnerischen Lebens zurückblicken. Gegründet am 30. März 1862, fällt sein Anfang in jene Zeit des Wünschens und Hoffens nach einem einigen und zugleich freien deutschen Vaterland. Dieser nationale Gedanke, zwar noch unklar der Lösung harrend, fand seine Pflegestätte in den Turnvereinen, die die Jugend für die durch Kampf zu erringenden nationalen Güter mit turnerischer Kraft zu stählen suchten. Auch unser Turnverein bezweckte ein gleiches: Turnerische Ausbildung seiner Mitglieder nach dem Jahn-Eiselen'schen System.

In der konstituierenden Versammlung am 30. März 1862 wurde das Grundgesetz beraten und von den ersten 25 Mitgliedern, die sich in wirkliche Turner und in Turnfreunde unterschieden, folgende Mitglieder in den Vorstand gewählt: Königl. Kreisrichter Kaßner, Kgl. Kreisgerichtsrat Göhlich und Kgl. Baumeister Mende, denen nachträglich noch der Kgl. Kreisgerichts-Salarien-Kassenrendant Jakob als Kassenwart beitrat. Unter den ersten Mitgliedern sind ferner zu nennen: Kreisrichter von Burgsdorff, Kreisrichter Paul, Rechtsanwalt Kretschy und Lehrer Wolf.

Auf das am 19. April bei dem Lübener Magistrat vom Vorstand eingereichte Gesuch, ihm die Benützung des städtischen Turnplatzes und der Gerätschaften zu bewilligen, sowie die schadhaften und mangelhaften Geräte anfertigen zu lassen, erging am 21. April die Antwort:

Die Gründer des MTV Lüben

Die Gründer des MTV Lüben
Untersuchungsrichter/Gefängnisvorsteher/Amtsgerichtsrat Kaßner,
Kreisgerichtsrat Göhlich,
Kreisgerichtsrat von Burgsdorff,
Rechtsanwalt und Notar Kretschy,
Königl. Baurat Mende

"Dem Vorstande des Turnvereins erwidern auf die geehrte Zuschrift vom 19. dieses Monats wir hierdurch ergebenst, daß wir in der Erwartung, daß sich aus dem Turnverein demnächst ein Feuer-Rettungsverein bilden wird, die Benutzung des Turnplatzes und der vorhandenen Gerätschaften außerhalb der Zeit, in welcher der Schuljugend Unterricht erteilt wird, dem Verein sehr gern gestatten wollen; da wir indes die Vervollständigung des Turnzeuges nach dem Bedürfnisse des Turnvereins nicht zu bemessen vermögen, so können wir dem Verein nur anheimstellen, zur Beschaffung der erforderlichen Utensilien eigene Sorge zu tragen, wie dies an anderen Orten seitens der Vereine zu geschehen pflegt."

Das praktische Turnen konnte infolge dieser Umstände erst am 8. Juli 1862 beginnen, und zwar turnte man am Dienstag und Freitag von 7 Uhr abends an. Der Vorstand beschloß am 24. Juli, die Beteiligung am Turnfeste in Wohlau abzulehnen und den Verein als Glied des 2. Niederschlesischen Turngaues anzumelden. Die Teilnahme an dem in Liegnitz am 24. August stattfindenden Turntage wurde mit der Begründung abgelehnt: "Erst kürzlich ins Leben getreten, sind wir noch zu schwach an Zahl, Leistungen und Mitteln, hoffen aber binnen Jahresfrist ganz anders dazustehen. Gegenwärtig zählen wir 25 Mitglieder, worunter 5 Turnfreunde." Der Bitte des Gauvorstandes vom 5. August, am Gaufest teilzunehmen und auch einen Vertreter für die Gausitzung zu wählen, wurde entsprochen,
und der Gauvorstand sandte daraufhin dem Lübener Verein ein besonderes Anerkennungsschreiben.

Den ersten größeren Grundstock zu einer Bibliothek legte Vereinsmitglied Kreisrichter Paul. Er schenkte dem Verein 14 Böttcher'sche Turnliederbücher (A. Moritz Böttcher, 1820-1907, Turnvater der Oberlausitz).

Der Verein zählte an dem am 7. September abgehaltenen Turntage bereits 40 Mitglieder. Ein Gesuch an den Magistrat wegen Überlassung eines geeigneten Raumes zum Winterturnen wurde am 11. September dahin beantwortet, daß das Schießstandhaus für das Turnen im Winter bewilligt sei.

Durch einen Aufruf im "Stadtblatt" suchte man dem Verein neue Mitglieder zuzuführen. Die Hauptversammlung am 26. Oktober nahm das neu durchberatene Vereinsstatut an, verfaßte die Turnordnung, nahm die Riegeneinteilung für das Winterturnen vor und wählte als 5. Vorstandsmitglied Kaufmann Dietrich.

Das Winterturnen begann am 4. November mit 33 Turnern, die in vier Riegen eingeteilt waren; außerdem bestand noch eine Zöglingsriege mit sieben Turnern. Durch eine an die Polizeiverwaltung gelangte Zirkular-Verfügung der Kgl. Regierung zu Liegnitz vom 14. Oktober wurde der Turnverein aufgefordert, innerhalb drei Tagen die Statuten und das Mitgliederverzeichnis einzureichen. Der Vorstand antwortete ablehnend, weil er den Verein nicht dem Gesetz vom 11. März 1850 unterliegend erachtete. Seine Sympathie für den Verein und das Turnen zeigte Fabrikbesitzer Schlittgen, Kotzenau, dadurch, daß er dem Verein 10 Paar eiserne Hanteln schenkte.

In der am 10. März 1863 abgehaltenen Hauptversammlung wurde der bisherige Vorstand mit Ausnahme Kaufmann Dietrichs wiedergewählt; an dessen Stelle trat Kreissekretär Kuhnt. Die am 15. September abgehaltene Hauptver-sammlung beschloß, die Aufforderung an die Landlehrer zwecks Bildung von Landturngemeinden nicht ergehen zu lassen, man erachtete das für den Kreis Lüben noch nicht für zeitgemäß. Es wurde vielmehr durch einen Artikel im "Stadtblatt" den Landlehrern der Beistand in turnerischen Dingen zugesichert.

Vom 2. bis 5. August 1863 fand in Leipzig das 3. Deutsche Turnfest statt, an dem sich der Lübener Verein mit sechs Mitgliedern beteiligte, darunter waren die Mitglieder Kaßner, Paul und Mende. Der am 28. Februar 1865 in Liegnitz abgehaltene Gautag wurde seitens des Vereins durch den Geometer Gruhl beschickt. Für das in der Hasenheide bei Berlin zu errichtende Jahn-Denkmal spendete der Verein 10 Taler. An dem im Sommer in Jauer stattgefundenen Gauturnfest beteiligten sich 19 Mitglieder.

Durch Stadtverordnetenbeschluß vom 17. November wurden dem Verein für das Winterhalbjahr 15 Taler bewilligt als Entschädigung für Beheizung und Beleuchtung des Turnraumes mit der Voraussetzung, daß den in gleichem Raume turnenden Knaben die Mitbenutzung der Turngeräte unentgeltlich gestattet werde. Der Verein war damit einverstanden, daß Lehrer Wolf als Leiter des Schulturnens sämtliche Turngeräte zur Verfügung gestellt werden.

Durch die am 6. Mai 1866 erfolgte Mobilmachung wurden aus dem Verein vier Mitglieder: von Burgsdorff, Schwan, Dienst und Wolf, einberufen, von denen von Burgsdorff den Feldzug mitmachte, die anderen drei aber von Glogau wieder heimkehrten. Bei dem am 17. Juni im Ankersaal stattgefundenen Konzert zum Besten der Landwehrfrauen wirkten auch viele Turnvereinsmitglieder mit. Am Tage darauf wurde die Gründung einer Bürgerwehr beraten. Der Sieg bei Königgrätz am 3. Juli 1866 gab den Bürgern Veranlassung, eine große Illumination durchzuführen. Das hier errichtete Lazarett, zu dessen Leitung auch die Mitglieder Kreisgerichtsrat Göhlich und Kaufmann Ismer gehörten, erhielt am 6. Juli 42 Verwundete. Zur Unterstützung der Krankenpflege bewilligte der Verein 10 Taler. Die Frau von Vereinsmitglied Dietrich war während des Feldzugs in Böhmen in der Krankenpflege tätig und erhielt den Louisenorden.

Der erste Turnermarsch wurde am 26. August nach Klein-Krichen unternommen. Auf Anregung des Vereinsvorstandes wurde durch Zimmermeister Schwan eine Zeichnung für eine zu erbauende Turnhalle angefertigt, zu der Maurermeister Zschau einen Kostenanschlag von 1579 Talern 12 Sgr. entwarf. Zur Ausführung des Projektes wurde ein besonderer Turnhallen-Baufonds gegründet.

Der am 31. März 1867 in Liegnitz abgehaltene Gautag war seitens des Vereins durch die Mitglieder Wolf und Jakob vertreten. Die Mitbenutzung der von der Stadt angeschafften neuen Turngeräte sowie die Unterbringung der für den Sommer nötigen Geräte im Holzschuppen des Krankenhauses wurde am 8. Mai vom Magistrat genehmigt. Am Gaufest in Jauer am 25. August nahmen 11 Turner teil. Am 27. September wurde der nach Berlin in die Zentral-Turnanstalt einberufene Lehrer Wolf vom Verein verabschiedet. Ende des Jahres 1867 zählte der Verein 42 Mitglieder und 8 Zöglinge.

Die am 24. April 1863 erfolgte Rückkehr von Lehrer Wolf aus Berlin wird in der Bierzeitung besungen. Am 9. Juni wählt der Verein den Turnwart Härtelt in Liegnitz als Abgeordneten für den Deutschen Turntag in Weimar. Rechtsanwalt Kretschy feierte am 16. Juni sein 50jähriges Turnerjubiläum, wozu ihm der Vorstand gratulierte und im Auftrage des "Alten Turnvereins" in Breslau das Diplom der Ehrenmitgliedschaft überreichte. Den nach Görlitz versetzten Kreisrichter Paul ernannte der Verein zum Ehrenmitglied und überreichte ihm ein von Maler Schalm gefertigtes Diplom. Am 24. Juni trat Lehrer Wolf als Vorturner ein und übernahm die Leitung der 2. Riege, während Konrektor Heinrich an Pauls Stelle in den Vorstand gewählt wurde. Über die Beratungen, die am 16. Juli wegen des Baues der Turnhalle gehalten wurden, ist aus den Akten nichts ersichtlich.

Die vom 15. bis 17. Juli in Görlitz tagende Turnlehrer-Versammlung und die Kreisturnfahrt nach Hirschberg am 18. Juli war durch Lehrer Wolf vertreten. Eine eingetretene Lauheit im Turnbetrieb veranlaßt den Redakteur der Bierzeitung zu folgendem Ergusse: "Mit der Turnerei wird's immer flauer. Was war das früher für ein Drängen und Treiben, wenn Dienstag und Freitag die Turnstunde schlug. Dichte Scharen wälzten sich die Breite Straße entlang nach dem Turnplatze; jetzt sieht man selten einen Turner gehen. Die meisten turnen bei Richter, ärgern die Lottel und spucken und stänkern die Stube voll. Der Turngesang ist eingeschlafen, Turnkantor Fellbaum ausgeschieden. Nach Ablauf des Trauerjahres soll ihm ein Denkmal gesetzt werden, dem jetzigen Kantor zur Belehrung, den künftigen zur Nacheiferung. Die statutengemäße Verpflichtung, in gewissen Fällen ein Fäßchen zu opfern, ist im verflossenen Jahre zu nie geahnter Blüte gediehen; infolge des massenhaften Goldregens gelangten sechzehn Faß zur Vertilgung. Die dicke Riege ist auch im vergangenen Jahre ihrem Grundsatz treu geblieben: Im Kneipen voran, bei der Arbeit hintenan." Noch muß bemerkt werden, daß die zum Turnverein gehörenden Gutsbesitzer der benachbarten Dörfer Mallmitz und Altstadt als "Zinsvasallen" bei Ausflügen die Verpflichtung hatten, die dazu nötigen Gespanne unentgeltlich zu stellen.

Dem Gautage am 7. März 1869 in Liegnitz wohnten die Mitglieder Göhlich, Kette und Wolf bei, letzterer nahm auch am Kreistage in Breslau teil. In der Generalversammlung am 9. April setzte sich der Vorstand zusammen aus: Kreisgerichtsrat von Burgsdorff, Konrektor Heinrich, Kreissekretär Kuhnt, Kaufmann Haertle, Lehrer Wolf. Der Verein zählte 25 aktive, 23 inaktive Turner, 16 Zöglinge und ein Ehrenmitglied. Am 4. Juli unternahm der Verein einen Turnmarsch nach dem städtischen Forste. Am 26. Dezember wurde eine Arndt-Feier veranstaltet.

Der 13. Juli 1870 brachte die Kriegserklärung von Frankreich und machte dem Mannschießfeste ein jähes Ende. Mehrere Turner erhielten Mobilmachungsorder. Die Kriegsereignisse ließen den Turnbetrieb nicht einschlafen, und der große Erfolg bei Sedan gab der turnerischen Jugend im 3. September Veranlassung, einen Festmarsch durch die Straßen der Stadt zu veranstalten.

Der Turnbetrieb nahm im Jahre 1871 einen lebhaften Aufschwung durch das Vorbild der Turner Hüttig und Salomon. Der Verein unternahm mit 32 Personen am 24. und 25. Juni unter Leitung des Turnwarts Wolf einen Ausflug nach dem Kynast. Die aus dem Feldzuge heimgekehrten Vereinsmitglieder Rittmeister Hartwig, Premier-Leutnant Linke, Rendant Schreier, Stabstrompeter Lindemann, Weißgerber Rinke und Baueleve Kuhnt ehrte der Verein, indem er sie für den 13. Juli zu einem Festessen in den Anker einlud. Justizrat Göhlich hielt die Festrede; Leutnant Göhlich, Heinrich und Wolf hatten eine mit Illustrationen versehene Festzeitung ausgearbeitet. Für den Winterturnbetrieb hatte der Magistrat ein Parterrezimmer des Schulhauses einrichten lassen.

Als Vertreter des 2. Niederschlesischen Gaues weilte Wolf auf dem Kreisturntage in Breslau am 2. April 1872. Durch Weggang des Kalkulators Salomon als Kämmerer nach Bunzlau und des Lehrers Hüttig als Rektor nach Trachenberg erlitt der Verein schwere Verluste. Nach dem 1873 erstatteten Jahresbericht zählte der Verein 61 Mitglieder: 10 Handwerker und Gewerbetreibende, 12 Kaufleute, 7 Lehrer, 2 Doktoren, 23 Beamte, 3 Landwirte und 4 Gastwirte. Der Verein turnte an 68 Abenden. Der von Lüben nach Konstantinopel verzogene Lehrer Hoffmann schilderte in mehreren Briefen die Herrlichkeiten und Schattenseiten des Orients.

Die Ehrenmitglieder des MTV Lüben

Die Ehrenmitglieder des MTV Lüben
Kantor Richter, Postsekretär Gregor, Hotelbesitzer Dreßler;
Kreisausschuß-Sekretär Goldmann, Kupfermann (Liegnitz), Gauturnwart Gerste (Liegnitz), Hann von Weyhern;
Architekt Kleinert (Berlin), Kreisrichter Paul, Kaufmann Ismer,
Kaufmann Haertle

Durch Magistratsbeschluß wurde 1874 der Turnbetrieb vom Schulhause wieder nach dem Spannhause verlegt. Die Wahl eines Abgeordneten zum Deutschen Turntage in Dresden gab Veranlassung zu einer Differenz zwischen den einzelnen Gauvereinen, die zur Folge hatte, daß sich der 2. Niederschlesische Turngau am 8. August 1875 auflöste und der Verein Lüben aus dem Gauvermögen 1 Taler 26 Sgr. erhielt. An verdienstvollen Mitgliedern verlor der Verein im Vereinsjahr die Mitglieder Göhlich, Jander und Bloche.

Den Bemühungen des Kreisvertreters Rödelius im Jahre 1876 gelang es leider nicht, den 2. Niederschlesischen Turngau wieder ins Leben zu rufen. Mit zwölf Turnern und zehn Zöglingen nahm der Verein am Turnfeste in Steinau teil, während Lehrer Wolf beim 25jährigen Jubiläum der Zentral-Turnanstalt, deren Schüler er war, in der Zeit vom 1. bis 3. Oktober in Berlin weilte.

In der Generalversammlung am 20. April 1877 trat May neu in den Vorstand ein. Einer Einladung des Turnvereins Liegnitz zum 25jährigen Stiftungsfeste entsprachen die Mitglieder Müller, Gärtner, Schumm und Kretschy. 23 Turner unter Führung des Postsekretärs Schneider unternahmen am 2. und 3. Juni einen Ausflug ins Schlesiental mit Nachtquartier in Schweidnitz, wozu aus der Kasse 60 M bewilligt wurden. Für den nach Bunzlau versetzten Aktuar Gärtner veranstaltete der Turnverein am 31. August eine Abschiedsfeier.

Die Generalversammlung am 12. April 1878 wählte in den Vorstand: Haertle, May, von Burgsdorff, Schulz und Wolf.
Die Bierzeitung erschien in diesem Jahr nur einmal und brachte als wesentlichen Teil einen vom Turnwart Wolf geschriebenen Aufsatz: Zum Kretschy-Jahn-Fest des Lübener Turnvereins am 17. Juni 1875. Friedrich Ludwig Jahn war am 11. August 1778 geboren worden, Kretschy feierte am 17. Juni 1878 seinen 81. Geburtstag und das 60jährige Turner-Jubiläum.

Am 8. Juni 1879 wurde ein Ausflug nach den Striegauer Bergen und am 22. Juni ein Turnmarsch in den städtischen Forst unternommen. Für das Rödelius-Denkmal in Breslau gewährte der Verein 10 M.

In der am 8. Februar 1880 nach Liegnitz einberufenen Delegiertenversammlung gelang es dem Kreisvertreter Dr. Fedde, den 2. Niederschlesischen Turngau wieder ins Leben zu rufen. Als Gauturnratsmitglied wurden gewählt: Härtel und Kupfermann (Liegnitz) und Wolf (Lüben). Da in der letzten Zeit die Beteiligung am Turnen leider nachgelassen hatte, äußerte sich in der schwach besuchten Generalversammlung am 16. März der Vorsitzende Kaufmann Haertle dahin, daß der Verein, in welchem die Turnübungen seit geraumer Zeit keinen Anklang mehr finden, auch eines Vorstandes nicht mehr bedürfe, und es wäre angetan, den Verein aufhören zu lassen. Die Anwesenden entschieden sich für das Fortbestehen desselben. Man wählte mit Rücksicht auf den gegenwärtigen geringen Geschäftsumfang der Vereinsangelegenheiten nur drei Herren in den Vorstand: Haertle, Vorsitzender; Wolf, Turnwart; und May, Schriftführer und Kassenwart. Der Verein zählte 23 Mitglieder. Das Vorhaben der Turnvereine Bunzlau, Goldberg, Haynau, Liegnitz und Parchwitz, dem Bruderverein Lüben am 30. Mai einen Besuch abzustatten, wurde dahin beantwortet, daß es zur Zeit für Lüben nicht ratsam sei, den angekündigten

Bei Beginn des Jahres 1890 zählte der Verein 109 Mitglieder, wovon 50 aktive Turner waren. Am 6. Oktober erhielt der Verein die Nachricht, daß ihm die gewünschten Korporationsrechte verliehen seien. Der Allerhöchste Erlaß lautete:
"Auf den Bericht vom 19. August vorigen Jahres will Ich dem zu Lüben im Regierungsbezirk Liegnitz bestehenden Männer-Turnverein Lüben auf Grund des zurückfolgenden Statuts vom 6. Dezember 1889 hierdurch die Rechte einer juristischen Person verleihen. Neues Palais, den 28. August 1890, gez. Wilhelm R."

Unterschrift Kaiser Wilhelm II.

Er setzte "seinen Wilhelm drunter".

Inzwischen war die Kapelle der Irvingianer vom Amtsgericht zur Zwangsversteigerung ausgeschrieben worden, weil ihr Stifter in Konkurs gegangen war. Am 4. November 1890 beantragte der Vorstand beim Amtsgericht die Umschreibung der Turnhalle. Die Auflassung erfolgte am 7. Dezember.

Am Kreisturnfest in Liegnitz 1891 beteiligten sich 40 Lübener Turner. Die Firma Meerboth kündigte am 2. September die auf der Turnhalle haftende Hypothek von 3000 M, die aber 1892 auf 2000 M erniedrigt wurde. Die am 1. April 1892 veranstaltete Bismarckfeier war stark besucht. Die vom Mitglied Anders in die Wege geleitete Lotterie (3500 Nummern und 228 Gewinne) hatte einen Ertrag von 600 M. Aus der Scholzeschen Konkursmasse erhielt der Verein 140 M. Die Dielung der Turnhalle erfolgte 1893 durch Zimmermeister Hübner.

1894 belief sich die Mitgliederzahl auf 144. Am Deutschen Turnfest vom 21. bis 25. Juli nahmen 24 Turner teil. Zu dem Gauturnfest in Haynau am 2. August 1896 entsandte der Verein unter Härttwigs Leitung eine Musterriege. Beim Wett-Turnen errang Turner Grösler den 10. Preis mir 41 Punkten. Die 25jährige Mitgliedschaft des Turners Tschierske wurde am 18. September durch einen Herrenabend begangen.

Das 35. Stiftungsfest wurde 1897 gefeiert und bei der Zentenarfeier am 23. März beteiligte sich der Verein in Stärke von 60 Mann an dem Fackelzuge. 13 Lübener Turner unternahmen am 27. Mai eine Fußwanderung nach Liegnitz. Major von Schlittgen schenkte dem Verein eine 50 kg schwere eiserne Hantel. Bei dem am 1. August hier stattgefundenen Gauturnfest waren 480 fremde Turner anwesend. Unter den 45 Wett-Turnern waren 5 aus Lüben. Grösler errang mit 62 5/6 Punkten den 1., Makosch mit 51 2/3 Punkten den 10. und Bürger mit 39 Punkten den 32. Preis.

Infolge eines an den Fürsten Bismarck gerichteten Bittgesuches erhielt der Verein aus dem Sachsenwalde zwei Eichen. Die Pflanzung derselben und die Grundsteinlegung eines Bismarck-Denkmals erfolgte am 5. November. Nach dem Gesange das Bismarckliedes hielt der Vorsitzende die Festrede. General Hann von Weyern sandte für das Bismarck-Denkmal erst 20, dann 300 M. Am Schluß des Jahres betrug die Sammlung 641,50 M.

Durch ein am 22. Januar 1898 von der 5. Eskadron des hiesigen Dragoner-Regiments unter Leitung des Wachtmeisters Kressin im Ankersaal veranstaltetes Theater wurden als Reinertrag für das Bismarck-Denkmal 80 M gespendet. Oberstleutant von Wiedner (Kniegnitz) schenkte ein Bismarckbild für die Turnhalle. Der von Architekt Kleinert (Berlin) gefertigte Entwurf für das Bismarck-Denkmal fand allgemeinen Beifall. Durch ein von Kantor Irmler am 27. März veranstaltetes Konzert flossen dem Denkmalsfonds wieder 341 M zu. Die von Bierling (Dresden) gegossene Bismarckbüste kam am 13. August an. Kommerzienrat Rother (Liegnitz) gab 4 Kreuzblumen und Major von Schlittgen 38 Säulen, während Gartendirektor Staemmler (Liegnitz) Ratschläge über die um das Denkmal zu schaffenden gärtnerischen Anlagen gab, die Fabrikbesitzer Langer auf seine Kosten ausführen ließ.

Die Enthüllung des Bismarck-Denkmals fand am 25. September unter Beteiligung fast aller hiesigen Vereine statt. Dr. Toeplitz legte im Namen der Deutschen Turnerschaft einen Kranz nieder, und ebenso General Hann von Weyhern. In einer Festsitzung im Anker wurde Architekt Kleinert zum Dank für seine vielen Mühen zum Ehrenmitglied ernannt. Im Anschluß an die Festsitzung fand abends im Hotel zum Löwen ein Festkommers statt. Leiter desselben war der Vorsitzende, Lehrer Mayer trug einen von Sanitätsrat Dr. Baer gedichteten Prolog vor.
Der Männergesangsverein sang Deutschlands Bannerlied, Oberst von Tresckow brachte den Kaisertoast aus, und Pastor Wolf (Ossig) hielt die Festrede. Hierauf überreichte der Vorsitzende Herrn General Hann von Weyhern eine künstlerisch ausgestattete Dankadresse in einer mit Silber beschlagenen blausamtnen Hülle. Für den folgenden Tag hatten General Hann von Weyhern und Gemahlin die Spitzen der Königlichen und Städtischen Behörden, die Vorstände des Turnvereins und der Schützengilde zu einem Festessen im Grünen Baum eingeladen.

Jubilare des MTV Lüben

Jubilare des MTV Lüben
Lehrer Tschierske, Kaufmann Schiesser, Otto Stein, Lehrer Mayer;
Kaufmann Adolf Eckhardt, Ratsherr George Müller, Hermann Anders, Ratsherr Emil Förster;
Hoffmann, Ratsherr Gustav Anderssohn, Fotograf Fritz Härttwig, Mühlenbesitzer John;
Schneidermeister Krause, Reinhold Wildenhof, August Hübner, Kaufmann Buchelt, Kaufmann Neumann

Zum Schmuck der Turnhalle stiftete 1900 Kaufmann Elkusch eine Kaiserbüste, Dentist Hoffmann das Konsol dazu. Am Fahnenweihfest des Vereins "Gut Heil" in Liegnitz beteiligten sich 10 Lübener Turner. An dem am 30. Mai 1901 in Neumarkt stattgefundenen Gauturnfest nahmen 20 Turner teil. Am 21. Juli fand die Enthüllung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals statt. Der Verein legte einen Lorbeerkranz nieder.

Die Mitgliederzahl im Jahre 1902 belief sich auf 183, es wurden beim Stiftungsfeste die Mitglieder Wolf und Haertle mit der Zahl 40, Tschierske mit 30 und Schießer mit 25 dekoriert. In den bisherigen Vorstand wurde Forchner neu gewählt. Am Gauturnfest in Bunzlau beteiligten sich 29 Lübener Turner, dabei errang Kretschmer mit 35 1/6 Punkten ein Diplom.

Der am 8. März 1903 abgehaltene Gautag war von Lüben aus beschickt durch Wolf, Mayer und Albrecht. Kupfermann (Liegnitz) wurde zum Ehrenmitglied unseres Vereins ernannt. Ebenso waren hiesige Turner auf den Turnfesten in Liegnitz und Steinau.

Das Jahr 1904 brachte den Umbau der Turnhalle, der von den Baumeistern Zschau und Hübner vorgenommen wurde, wozu die Stadt 10 000 Mauerziegel unentgeltlich gab. Beim Gauturnfest in Goldberg am 3. Juli wurden die Turner Kretschmer und Birk prämiiert. Beim Wett-Turnen anläßlich des Fahnenweihfestes in Parchwitz errang Kretschmer den 5. Preis. Der Umbau der Turnhallen war mittlerweile so gefördert, daß am 28. August wieder in ihr geturnt werden konnte. Der Gauspieltag, der am 11. September hier abgehalten wurde, war von zahlreichen auswärtigen Turnern besucht. Bei den von 120 Turnern ausgeführten Freiübungen hatten Müller 11 und Kretschmer und Klose je 10 Punkte errungen.

Beim Gauspieltag 1905 in Maltsch errang Kretschmer 24 Punkte, Wucherpfennig 23 und Kahl 14 Punkte. Die Generalversammlung 1906 wählte, nachdem Schlossermeister Förster 1905 aus dem Vorstand ausgeschieden war, denselben wieder und Schneidermeister Paul Ernst. Ersterer nahm die Wahl nicht an, an seine Stelle trat dafür Lehrer Baumgärtner. Dem Mitglied Kreisrendant Anders wurde in Anbetracht seiner 25jährigen Mitgliedschaft eine Ehrenurkunde überreicht. Am 8. Juni waltete der Vorsitzende Wolf 25 Jahre als Vereinsvorsitzender, und es wurde sein vom Turnwart Härttwig (Fotograf) gefertigtes Bild in der Turnhalle unter entsprechender Feierlichkeit angebracht. Auch vom Kreisvertreter Dr. Toeplitz ging dem Jubilar ein Glückwunschschreiben zu. Kretschmer errang am Gauturnfest in Kotzenau mit 44 1/3 Punkten eine Ehrenurkunde.

Einen schweren Verlust erlitt der Verein am 21. Februar 1907 durch den Tod des 2. Vorsitzenden Lehrer Mayer. In dem ihm im "Stadtblatt" gewidmeten Nachruf hieß es: "Frisch war der Geist, mit dem er die Turnerei betrieb, fröhlich sein Herz, wenn er unter uns weilte, fromm sein Gemüt, das für die Hochgefühle der nationalen Turnerei glühte, frei endlich seine Anschauung und nicht beengt von Vorurteilen des Alters oder Standes." Die Leitung der Alten Herrenriege übernahm am 9. März Kreissekretär von Streit, der auch in den Vorstand eintrat. Ratsherr Anderssohn wurde zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt.

Das 1000. Mitglied nahm der Verein am 21. Juni mit dem Kanzlisten Scholz auf, dessen Bild dem Album eingereiht wurde. Da Kreissekretär von Streit noch in diesem Jahre in eine andere Stellung ging, übernahm Lehrer Baumgärtner die Leitung der Alten Herrenriege.

In der Generalversammlung am 27. März 1908 setzte sich der Vorstand aus den Herren Wolf, Anderssohn, Wildenhof, Härttwig, Ernst, Forchner, Baumgärtner, Albrecht und Hinke zusammen. Am Gauturnfest in Steinau beteiligten sich 30, am Deutschen Turnfest in Frankfurt (Main) 5 Lübener Turner.

In der Generalversammlung am 26. März 1909 feierte der Verein drei Jubilare als 25jährige Mitglieder: Ratsherr George Müller, Ratsherr Emil Förster und Kaufmann Eckhardt. Der 5. Gauspieltag wurde am 15. August in Polkwitz abgehalten, wobei die Lübener Turner im Wett-Tauziehen Sieger wurden. Am 24. September wurde das 25jährige Turnerjubiläum der Mitglieder Ratsherr Anderssohn, Fotograf Härttwig, Dentist Hoffmann und Mühlenbesitzer John gefeiert und dabei dem Turnwart Härttwig zum Zeichen des Dankes für seine vielen turnerischen Verdienste eine Jahnbüste überreicht.

Am 25. Februar 1910 konnten als 25jährige Mitglieder gefeiert werden die Herren Ratsherr Hübner und am 21. September Schneidermeister Krause. Gauturnwart Gerste folgte einem Rufe als Turninspektor nach Mülheim (Ruhr). Ihm zu Ehren veranstaltete der Verein am 30. Juni eine Abschiedsfeier und ernannte ihn zum Ehrenmitglied. Bei der Gerste-Feier überreichte Wolf dem Scheidenden ein turnerisches Gruppenbild.

Das Vereinsjahr 1911 brachte als wichtigsten Tag im Turnerleben am 16. Juni die Jahnfeier, bei der im Schillerpark eine Jahn-Eiche gepflanzt wurde. Als Ehrengäste nahmen daran teil die Herren Oberst von Alten, Regierungsreferendar Eich als Vertreter des Landrats, Superintendent Hugo Schoen, Gymnasialdirektor Dr. Caspari, Rektor Dreßler und Hauptlehrer Matzker. Bei dem im Ankersaale veranstalteten Festkommers brachte Herr Oberst von Alten den Kaisertoast aus. Die Lehrer Zingel, Baumgärtner und Hinke hielten Vorträge über "Jahns Leben".

Zur Turnhalleneinweihung in Kotzenau entsandte der Verein acht Mann, und den Vereinen Steinau, Jauer und Neumarkt wurde zum 50jährigen Stiftungsfest schriftlich gratuliert. Als 25jährige Mitgliedjubilare wurden am 29. September die Mitglieder Kaufmann Wildenhof, Kaufmann Neumann und Kaufmann Buchelt beglückwünscht. Nach der Jahreserhebung vom 31. Dezember 1911 beträgt die Gesamtzahl aller Vereinsmitglieder 256. Steuernde Mitglieder sind 179, Ehrenmitglieder 5. Die 1. Riege, geleitet von Härttwig und Klose, zählt 18 Mitglieder und turnte an 42 Abenden. Die Alte Herrenriege zählt mit ihrem Leiter Baumgärtner 14 Mitglieder und turnte an 38 Abenden. Leiter der 54 Mann starken Zöglingsriege ist Klose, sie turnte an 49 Abenden. Die Damenriege mit 18 Turnerinnen turnte an 60 Abenden unter der Leitung von Paul Ernst. Die Turnhalle wurde insgesamt von 2162 Turnern und 744 Turnerinnen besucht.

Hiermit sei der turnerische Teil bis zum Ende 1911 geschlossen. Möge die Geschichte des Männer-Turnvereins zur Erinnerung an die Entwicklung des Vereins und zum Dank für alles, was an Fleiß und Eifer selbstlos geschaffen wurde, für uns sein, die in ihren jungen Jahren mitwirkten oder den Wendegang dieses Vereins beobachten konnten, unseren Kindern aber zeigen, wie die Bürger Lübens den Weg der Leibesübungen erkannten und förderten.

Ringet, daß das Wahre sich uns offenbare!
Schaffet, daß das Schöne unsre Arbeit kröne!
Wirkt mit frohem Mute
frisch, fromm, frei das Gute!

Oskar Hinke, in der Festschrift zum 50jährigen Bestehen des Lübener Männerturnvereins MTV im Jahr 1912


Jugendturnen

Um die edle Turnerei in Jahns Sinne zu betreiben und dem Männer-Turnverein geschulten Nachwuchs zu sichern, beschloß der Vorstand schon im ersten Vereinsjahr die Gründung einer Zöglingsriege. Sie wurde dem Verein in der Weise angegliedert, daß ihre Mitglieder, Jünglinge bis zu 20 Jahren, zwar alle Förderung durch den Verein erfahren, andererseits aber als Minderjährige weder die vollen Vereinsrechte noch seine Pflichten haben sollten.

Dem ersten Aufrufe folgten sieben Freiwillige. Klein war der Anfang; aber als Lehrer Wolf am 24. Juni 1868 ihre Leitung übernahm, waren doch schon sechzehn dabei. Und diese haben in der großen Zeit des Einigungskrieges und nachher wacker geübt, sich zu Kraft, Gewandtheit und Ruhm und vielen zur Freude. So ernteten sie unter Turnwart Härttwig vollen Beifall am Silbernen Jubiläum des Vereins und auf den Mannschießfesten 1890 und 1895. Diese Erfolge spornten immer mehr an und bewogen die Vorstandsmitglieder, zu den regelmäßigen Übungsabenden der Zöglinge zu erscheinen, damit der Wert dieser Sache allen offenbar und der Jugend Ungestüm durch das gesetzte Alter gemäßigt würde! Kein Wunder, daß die Zöglinge auf dem Gauturnfeste, das 1897 hier gefeiert wurde, durch stramme Haltung während des Marsches und ihre turnerischen Leistungen allgemeine Anerkennung fanden. Auch das Provinzial-Bundesschützenfest halfen die jungen Turner verschönern, wie überhaupt bei allen festlichen Veranstaltungen des Vereins das Schauturnen den Glanzpunkt bildete. Die Zahl der Zöglinge stieg auf fünfundzwanzig, und unter der tüchtigen Leitung der Turner Wucherpfennig, Schwarz, Kretschmer und Birk wurden die Leistungen von Jahr zu Jahr besser. Auch das Jugendspiel wurde jetzt aufgenommen und Sonntag nachmittags eifrig gepflegt. Durch Turnmärsche in die nähere und weitere Umgebung hat man die zukünftigen Fußsoldaten gewiß wertvolle Vorübungen machen lassen.

Als im Jahre 1908 das 1. Jugend Turnfest des 2. Niederschlesischen Gaues in Liegnitz abgehalten wurde, erhielten auch einige Lübener Zöglinge ehrende Anerkennungen. Unter ihrem Führer Klose haben sie eifrig und erfolgreich weiter gearbeitet und manche Feier durch Freiübungen, Reigen oder Übungen am Barren gestaltet.

Soweit ist alles aus eigener Kraft geschaffen worden. Viel hätte noch erreicht werden können, wenn nicht die Mittel so knapp gewesen wären. Da mußte es jeden Jugendfreund, jeden Turner mit Freude erfüllen, als Preußen in Deutschland voranging und für die Jugendpflege die behördliche Hilfe und 1 Million bar zur Verfügung stellte. Nun wurden Beratungen gepflogen im Landratsamt, Schauturnen veranstaltet und Spielnachmittage eingeführt. Zu denen gesellten sich die Turner Ernst, Klose, Grösler, Hinke, Natusch, Baumgärtner und Gillert als Helfer. Im Wald von Koslitz wurden Spiele durchgeführt, mit der Brauchitschdorfer Jugend ein Wettspiel veranstaltet und die Sedanfeier 1911 durch Turnen und Spiel würdig begangen.

Aus der Festschrift zum 50jährigen Bestehen des Lübener Männerturnvereins MTV im Jahr 1912.
Wahrscheinlich verfasst von Jugendturnwart Rudolf Klose
Weitere Bilder vom Männerturnverein


Damen-Turnen

Nachdem Lehrer Wolf, auf der Königl. Zentral-Turnanstalt in Berlin als Turnlehrer ausgebildet, im Jahre 1868 nach Lüben zurückkehrte, führte er auch hier das Mädchenturnen ein, das bis dahin (außer in Liegnitz) noch in keiner Stadt Niederschlesiens betrieben wurde. In den Monaten Mai bis Oktober nahmen alljährlich 40 bis 50 Mädchen am Turnunterricht teil, welcher an zwei schulfreien Nachmittagen allwöchentlich erteilt wurde. Ein öffentliches Schauturnen im Löwen- und Schießhaus-Saal, beendete gewöhnlich den Kursus. Versuche, auch während des Winters das Mädchenturnen zu betreiben, mißglückten, dafür aber wurde unter den aus der Schule entlassenen jungen Damen der Wunsch rege, weiter zu turnen, zumal ihnen die Einübung der Reigen zu verschiedenen festlichen Veranstaltungen des Männer-Turnvereins immer große Freude bereitete. Von diesen Vorführungen seien hier erwähnt:

1870: Königl. Hofballett zu Ehren des Königs Gambrinus
1872: Tier-Quadrille, ausgeführt von sämtlichen Bestien der Menagerie
1874: Zauberballett für den Berggeist Rübezahl
1876: Großer Tanz, ausgeführt vom Lübener Corps de Ballett
1877: Bauerntanz
1879: Zigeunertanz
1881: Nixentanz
1884: Zauberballett in der Burg Kynast
1885: Tanzreigen der Lübener Patriziertöchter zu Ehren King Bells
1886: Tanz der Rheintöchter
1891: Edelreigen
1892: Müller-Quadrille

Die Turnerinnen des MTV Lüben unter der Leitung von Paul Ernst

Die Turnerinnen des MTV Lüben unter der Leitung von Paul Ernst
Obere Reihe von links: Jokisch, Mehwald, Frieda Winter (1902-1977), Müller, Klose, Ermlich, Müller, Dehmel
Mittlere Reihe: Irma Ermlich (1903-1969), Preuhs, Margarete Ließ (1904-1968), Helene Schütze (1895-20er Jahre), Margarete Maiwald (1898-1978), Paul Ernst (1874-1944), Pätzold, Irma Ermlich (1903-1969), Baier, Frieda Schreiber (*1900)
Untere Reihe: Hildegard Bonig (1905-1978), - , Sigrid Kulbe, Schulz, Habicht, Schmidt, Helene Buchelt (*1904)

Gertrud Wolf

Im letztgenannten Jahr hatte Fräulein Gertrud Wolf, Tochter des MTV-Vorsitzenden, ihre Ausbildung als Turn- und Handarbeitslehrerin in Breslau beendet und die Leitung des hier gegründeten Damen-Turnvereins übernommen. Derselbe bestand bis zum 1. Oktober 1894 und löste sich dann auf. Auf Beschluß des Vorstandes des Männer-Turnvereins bildete sich nun eine Damen-Riege, deren Führung Fräulein Wolf übernahm. Die Mitglieder zahlten halbjährlich 50 Pf., wovon der Vereinsbote honoriert wurde.

Einen großartigen Eindruck machte beim Gartenfest 1895 das gemeinschaftliche Turnen der Damen und Herren, wobei die Damen mit Hanteln, die Herren mir Eisenstäben hantierten. In dankbarer Erinnerung an die vor 25 Jahren bei Sedan geschehenen Taten unseres ruhmreichen Heeres veranstalteten die städtischen Behörden am 1. September ein Volksfest, an dem der Turnverein gebührenden Anteil nahm. Im Festzuge marschierten 16 junge Damen mit Holzstäben. Auf dem Festplatz wurde von ihnen ein Reigen getanzt, worauf Damen und Herren Stab- und Hantelübungen gemeinsam aufführten. Am 5. Dezember 1896 veranstaltete die Riege im "Anker" eine turnerische Festlichkeit. 40 Damen, in Weiß und Rosa gekleidet, brachten "Der Blumen Rache" zur Aufführung. Im Jahre 1897 war King Bell in Lüben anwesend, die Damen-Riege erfreute den Gast durch einen Baby-Tanz, erntete auch bei dem hier am 1. August stattgefundenen Gau-Turnfest durch ihre turnerischen Darbietungen großen Beifall.

Beim Provinzial-Schützenfest 1900 turnten die Damen mit Eisenstäben und tanzten eine Schürzen-Quadrille. Das Stiftungsfest der Damen-Riege am 30. November 1901 gewann insofern an Bedeutung, als demselben Gauturnwart Gerste aus Liegnitz beiwohnte und sich über die turnerischen Leistungen außerordentlich lobend aussprach. Im Jahre 1902 nahm die Riege am Jubelfest des Alten Turnvereins in Liegnitz teil, führte unter der Leitung von Fräulein Wolf einen Fächerreigen auf, beteiligte sich auch an den gemeinschaftlichen Stab- und Pferdübungen.

Wegen ihrer bevorstehenden Verheiratung legte Fräulein Gertrud Wolf am 1. Juli 1903 die Leitung der Damen-Riege nieder. Ihr zu Ehren fand am 3. Juli im Ankersaale eine großartige Abschiedsfeier statt. Fräulein Claassen übernahm die Führung der Riege bis zum 1. Oktober, ging dann nach Breslau, um die Ausbildung als Turnlehrerin zu beginnen; während dieser Zeit wurde die Riege von den Herren Wolf, Mayer und Härttwig geleitet. Dem Familienabend am 28. Dezember wohnte auch der Gauvertreter Dr. Willing bei. Die Damen-Riege brachte ein Festspiel zur Aufführung: Germania oder die Turnfahrt einer Frauenabteilung mit anschließendem Waldfest. In der Generalversammlung am 29. März 1904 wurde Fräulein Claassen als Vorturnerin, Frau Kaufmann Brauner als ihre Stellvertreterin gewählt. Dem Vorstande gehörten noch an: Frl. Selter, Frl. Merkel und Frl. Albrecht (es wurde bestimmt, daß neu eintretende Damen 1 M als Einschreibgebühr und alle Mitglieder einen jährlichen Beitrag von 3 M zahlen sollen). Beim Mannschießfest am 29. Juni brachte die Riege eine Gruppe Eisenstabübungen zur Darstellung. Bei dem am 11. September hier stattgefundenen 2. Gau-Spieltage maßen die Damenabteilungen von Liegnitz und Lüben in einem Tamburinball-Wettspiel ihre Kräfte.

In der Generalversammlung 1905 wurde beschlossen, jeden Montagabend zu turnen und Donnerstagabend zu spielen. Dem Vorstande gehörten an: Frl. Claassen, Frl. Tecklenburg, Frl. Hillmann und Frl. Pohlmann. Erstere beteiligte sich an dem am 22. Juli in Glogau stattgefundenen gemeinsamen Zusammenturnen der Leiter und Leiterinnen von Frauenabteilungen im 2. Niederschlesischen Turngau.

Seitens der Gauleitung war für den 16. Juni 1907 in Liegnitz ein allgemeines Frauenturnen veranstaltet worden, an dem sich auch acht Lübener Damen beteiligten. Einen Glanzpunkt des Familienabends am 2. Dezember bildete die Aufführung des Singspiels "Die Japanerinnen". Bei dem am 22. Februar 1908 gefeierten Stiftungsfeste gelangte zur Darstellung "Im Reiche der Märchen" von Baumgärtner, wobei die Damen-Riege in hervorragender Weise tätig war. Eine schöne Feier war der am 22. März im "Schießhause" veranstaltete Abschiedsabend für die von hier scheidende Turnlehrerin Frl. Claassen. Ihr zu Ehren gelangte das Blumenmärchen "Johannisfeier" zur Aufführung. Frl. Tecklenburg übernahm die Leitung der Riege.

Als am 1. Mai 1909 der Vorsitzende, Lehrer Wolf, sein 50jähriges Amts- und Bürgerjubiläum feierte, ehrte ihn der Turnverein durch einen Fackel- und Lampion-Reigen, woran sich auch die Damen-Riege beteiligte. Am 13. Juni veranstaltete der 2. Niederschlesische Gau in Lüben ein 3. gemeinsames Frauenturnen seiner Damenabteilungen unter Leitung von Turnwart Gerste. Mit dankbarer Genugtuung wurde dabei anerkannt, wie auch in maßgebenden Kreisen jetzt der Frauen-Turnsache lebhaftes Interesse entgegengebracht wurde, denn als Gäste waren u. a. erschienen der staatliche Vertreter Kgl. Landrat von Lieres und Wilkau, und vom Militär der Regimentskommandeur Oberstleutnant von Alten. Anfang Oktober faßten acht Frauen den Beschluß, wöchentlich einmal unter Leitung von Frau Kaufmann Liebrecht in der Halle zu turnen. Die Riege wurde dem Männer-Turnverein angegliedert, hat aber nur einen kurzen Bestand gehabt. Im Juni 1910 hielt Turnwart Gerste hier auf Veranlassung der Königlichen Regierung einen Spielkursus ab, in dem sich auch mehrere Mitglieder der Damen-Riege beteiligten. Sonnabend, den 25. Juni, bereitete die Riege ihrer Leiterin, Frl. Tecklenburg, welche sich verheiratete, eine Abschiedsfeier. Nachdem Frl. Pohlmann auf kurze Zeit als Vorturnerin gewirkt, beschloß der Vorstand, zur Hebung des Damenturnens eine staatlich geprüfte Turnlehrerin zu gewinnen und trat mit Frl. Borschefsky in Liegnitz in Verbindung. Genannte erklärte sich bereit, wöchentlich eine Unterrichtsstunde in Lüben zu geben. Die Erwartungen des Vorstandes, daß sich recht viele junge Damen zum Eintritt melden würden, erfüllte sich nicht. Es erfolgte kein Zutritt, ja, die Riege ging bis auf acht Damen zurück. Unter diesen Verhältnissen mußte der Vertrag mit Frl. Borschefsky gelöst werden. Nunmehr ruhte der Turnbetrieb in der Damen-Riege, bis die Generalversammlung am 24. März 1917 Herrn Paul Ernst mit der Leitung der Damen-Riege betraute. Seit dieser Zeit ist die Riege wesentlich erstarkt, und von ihrem und ihres Führers Fleiß gaben die turnerischen Darbietungen beim Gartenfest am 23. Juli und beim Familienabend am 12. November beredtes Zeugnis.

Aus der Festschrift zum 50jährigen Bestehen des Lübener Männerturnvereins MTV im Jahr 1912.
wahrscheinlich verfasst von Paul Ernst
weitere Bilder der Lübener Damen-Riege

Zuwendungen geistiger und materieller Art

Der Männer-Turnverein Lüben konnte sich in den ersten 50 Jahren seines Bestehens mancherlei Zuwendungen erfreuen. 1862 schenkte Hüttenbesitzer Schlittgen, Kotzenau, zehn Paar eiserne Hanteln; 1866 Rechtsanwalt Kretschy vier Signalhörner. Der Generaldirektor der "Marienhütte" Kotzenau, Major a. D. von Schlittgen, zeigte ebenso wie sein Vater großes Interesse für die Turnsache. Er widmete 1886 zwanzig Paar eiserne Hanteln, 1897 eine 50 kg schwere eiserne Hantel, 1898 die Zahl von 38 eisernen Säulchen für die Gartenanlage vor der Turnhalle. Eine Reckstange schenkte 1883 Bankier Rosenthal dem Verein.

Im Jahre 1888 erwarb der Verein das Bethaus der Apostolischen Gemeinde (Irvingianer) und baute dasselbe zur Turnhalle um. Die Halle wurde geschmückt von Postsekretär Gregor mit einer Jahn-Büste, vom Kreis-Rendanten Anders mit der Büste Kaiser Friedrichs III. - Die beiden Konsolen stiftete Tiefbauunternehmer Anderssohn -, vom Kaufmann Elkusch mit der Büste Kaiser Wilhelm I., zu welcher Dentist Hoffmann die Konsole lieferte. Fotograf Härttwig stiftete ein großes Bild des Vorsitzenden Wolf und ein solches des Ehrenmitgliedes des Vereins, Sr. Exzellenz Generalleutnant Hann von Weyhern. Letzterer schenkte dem Verein für das vor der Halle errichtete Bismarck-Denkmal im Jahre 1897 dreihundertundzwanzig Mark. Fürst Bismarck sandte dem Verein zwei Eichen aus dem Sachsenwalde. Architekt Kleinert aus Berlin, der die Vorarbeiten für das Bismarck-Denkmal unentgeltlich lieferte, schmückte noch den Giebel der Turnhalle mit dem vierfachen "F". Die Gartenanlagen ließ Fabrikbesitzer Langer auf seine Kosten anlegen. Für den Drahtzaun gab Postsekretär Gregor einhundert Mark, für den Denkmalsfonds die 5. Eskadron des Dragoner-Regiments von Bredow (1. Schles.) Nr. 4 achtzig Mark aus einer Theatervorstellung. Kantor Irmler 341 Mark aus einer Konzerteinnahme.

1890 verlieh Se. Majestät Kaiser Wilhelm II. dem Verein die Rechte einer juristischen Person, nachdem die Statuten des Vereins vom Kreis-Redanten Anders für diesen Zweck neu bearbeitet worden waren. Auf Grund dieser Errungenschaft erhielt der Verein 1892 auch die Erlaubnis zur Veranstaltung einer Lotterie, deren Ertrag von 600 Mark die Erwerbskosten der Turnhalle mit decken half.

Für den Anbau an der Turnhalle bewilligten (1904) die städtischen Behörden 10.000 Ziegel, während Dominialbesitzer Lange in Altstadt die Steine, Kaufmann Kiersch den Kalk schenkte. Kaufmann Vangerow stiftete ein großes Fiskus-Seidel, Frau Feldwebel Laube als Geschenk einiger Damen drei Schärpen, Postsekretär Gregor ein Schreibzeug, Kaufmann George Müller eine von ihm entworfene Turner-Postkarte, desgleichen Fotograf Härttwig, welcher auch viele Bilder für das Album, darunter die Aufnahme des tausendsten Mitgliedes Scholz, spendete. Frau Kaufmann Schumann überwies ein großes Bild von der Jahnhalle in Freiburg. Je ein Album für Eintragungen (sogenanntes Goldenes Buch) schenkten Kaufmann Rudolf Stein und Vorsitzender Wolf. Kaufmann Wildenhof ließ vor die beiden Eichen zwei Säulen mit Emaille-Schildern setzen. Frau Regimentssattler Spieler übergab dem Verein zwei Bälle, Bildhauer Reigber meißelte in einen Stein: "Jahn-Eiche 1911". Tiefbauunternehmer Anderssohn schenkte der Bibliothek "Deutschlands Turner in Wort und Bild", Lehrer Wolf zweiunddreißig Bände. Der Zentralausschuß für Jugendpflege schenkte neun Spielhefte. Architekt Kleinert (Berlin) sandte das Bild "Fürst Bismarck" (in Farblichtdruck), während Goldarbeiter Ludwig daran ein Silberschild mit Widmung befestigte. Goldarbeiter Klingsporn verehrte dem Verein als Jubelgabe eine Präsidentenglocke (Nachbildung der Kölner Domglocke) und Hotelbesitzer Liebich einen eleganten Humpen aus echtem Zinn. Die Glocke trägt die Inschrift:
"Ein gutes Wort zur rechten Stund'
Geb dieser Glocke Klang Euch kund!"

Während den Humpen unter dem vierfachen "F" der Sinnspruch ziert:
"Frisch sei der Mut - das Höchste zu erringen;
Froh sei der Sinn - beim Becherklang zu singen;
Fromm sei das Herz - die Welt in Lieb' zu fassen;
Frei sei dein Geist - sie einstens zu verlassen."

Buchdruckereibesitzer Kühn lieferte kostenfrei die Programme zur Jahnfeier und einhundertfünfzig Exemplare Ergänzungs-Statuten. Zur Befriedigung eines vielfach laut gewordenen Wunsches schenkte Kaufmann Rudolf Stein das Bild seines verstorbenen, um den Turnverein hochverdienten Bruders Otto Stein zum Schmuck des Vereinslokales. Stadtrat Leopold Sachs, Berlin, meldete ebenfalls ein Jubelgeschenk an. Kurz vor Drucklegung der Denkschrift wurde noch bekannt, daß an Jubelgaben wieder eingegangen sind: von Uhrmachermeister Hielscher eine Stechuhr, von Architekt Kleinert, Berlin, ein großes Kaiserbild, von Kaufmann Uhlich eine Jahn-Büste und von Frau Dr. Meewarth, Berlin, ein Schreibzeug.

Literarisch wirkten für den Verein in Prosa und Poesie hauptsachlich Kreis-Rendant Anders, Geheimer Sanitätsrat Dr. Baer, Lehrer Baumgärtner, Amtsgerichtsrat von Burgsdorff, Leutnant Goehlich, Kreisausschuß-Sekretär Goldmann, Konrektor Heinrich, Lehrer Hüttig, Kalkulator Salomon, Gerichtssekretär Jakob, Gerichtssekretär Kette, Gutsbesitzer Lutze, Kantor Matzker, Lehrer Stallwitz, Lehrer Tschierske und Lehrer Wolf, durch humoristische Zeichnungen Kreis-Rendant Anders und Leutnant Goehlich, auf dem Gebiete der Musik Garnison-Verwaltungsdirektor Lindemann, Kantor Richter und Hotelbesitzer Dreßler (Grüner Baum); Reigen und Tanz wurden durch Lehrer Wolf und Frau Lehrer Baumgärtner geb. Wolf, gepflegt. Schließlich muß auch das von Lehrer Baumgärtner dem Verein zum 50. Stiftungsfeste gewidmete Festspiel "Aus Lübens Vergangenheit" genannt werden. Der Verein war durch die Mitwirkung dieser Kräfte sogar in der Lage, Lokaloperetten, eigene Singspiele und Balletts aufzuführen.

Zum Abschluß dieser Ausführungen über den Ablauf der ersten fünfzig Jahre unseres Lübener Männer-Turnvereins spreche ich nochmals allen meinen Dank aus, die für den Verein tätig waren.

Hermann Anders (1857-1932)
in der Festschrift zum 50jährigen Bestehen des Lübener Männerturnvereins MTV im Jahr 1912


Der Vorstand des Männerturnvereins Lüben im Jahr 1912

Der Vorstand des Männerturnvereins Lüben im Jahr 1912

Stehend von links: Fotograf Fritz Härttwig, Lehrer Gustav Wolf (1840-1924), sitzend:
Gärtner Alfred Forchner ( 1954), Lehrer Oskar Hinke ( 1928), Geschäftsmann Arthur Albrecht, Eisenwarenhändler Reinhold Wildenhof ( 1937), Tiefbauunternehmer und Ratsherr Gustav Anderssohn, Turnwart Rudolf Klose (1878-1928), Lehrer Otto Baumgärtner ( 1914), Schneidermeister Paul Ernst (1874-1944).